Rezension: Werner Huthmacher – Sitzendorf

Bildband, Kehrer Verlag, 2009, 18€

Das Buch beinhaltet, neben Inforomationen zum Ort Sitzendorf (Österreich) und einem Text über „Fotografie als Wahrnehmungsarbeit“, nur Fotografien. Wer erwartet, nur perfekt gestylte Menschen auf den Fotos zu sehen, der wird enttäuscht. Die Fotos wirken wie Schnappschüsse, was der deutsche Fotograf Werner Huthmacher beabsichtigt hat. In dem Buch zeigt er die Menschen aus dem kleinen unscheinbaren Ort wie sie sind, kleine Details aus dem Ort wie etwa Weinfalschen, Laubböume, einen Kaugummiautomaten an einem Haus, Wiesen. Ansich nichts Besonderes. „Das kann ja jeder.“, wird man jetzt denken. Doch da ist etwas, was mich magisch anzieht. Etwas Besonderes haben die Fotos für mich.

Die Art, wie Huthmacher fotografiert hat, die Auswahl des benutzten Objektives (in einem Text erklärt er, dass er die „statische Anordung“ durch das „Verkippen der Schärfeebenen und die Wahl des Ausschnittes“ versucht hat „zu brechen“ – er wollte somit bewirken, dass die Fotos nach Schnappschüssen aussehen. Wegen der Beschreibung gehe ich davon aus, dass er ein Tilt-Shift-Objektiv benutzt hat), macht die Fotos zu dem, was sie sind: etwas Besonderes, aber auch zu etwas Normales.

Da ist das Mädchen auf dem Cover. Könnte ein Urlaubsfoto sein. Die Tochter des Urlaubers barfuß im Beet. Oder der ältere Herr, der etwas skeptisch in die Kamera guckt. Ein ebenfalls älterer Herr mit einem leicht geöffneten Mund. Ein Goldzahn blitzt hervor. Die Jugendlichen vor einer Scheune (?). Ein Haus umgeben von Wiesen. Es wirkt wie das einer Modelleisenbahn. Ein Tisch mit ein paar Stühlen vor. All das sieht so normal aus. Und genau dashalb kann ich mich irgendwie mit den Fotos identifizieren.

Ein wirklich sehr schöner Bildband! Ich möchte gerne mehr Fotos dieser Art sehen.

2 Kommentare

  1. Ich tippe eher auf eine Großformatkamera, bei der die Schärfenebeneneinstellung nach Scheimpflug kontrolliert werden kann.

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