Rezension: Briefe an meine Mutter

Waris Dirie: Briefe an meine Mutter. Roman. Ullstein. 2008.

Wie auch Wüstenblume ist Briefe an meine Mutter ein persönliches Buch über das Schicksal des ehemaligen Topmodels und der UN-Sonderbotschafterin Waris Dirie. Die Autorin setzt sich gegen die Genitalverstümmelung bei Frauen ein.
In Briefe für meine Mutter geht es um ihr Leben nach der Modelkarriere. Alle paar Seiten gibt es einen Auszug aus einem langen Brief an ihre Mutter. Diese versteht nicht, dass ihre Tochter gegen eine Tradition kämpft, dass sie sich nicht mehr nach somalischer Sitte kleidet und sogar teilweise ihre Sprache verlernt hat.
Als Waris‘ Mutter schwer erkrankt, sorgt Waris mit Hilfe ihres Managers Walter dafür, dass ihre Mutter nach Wien, wo sie zu der Zeit lebt, einreisen darf. Ein bekannter aus Afrika holt ihre Mutter aus Somalia raus. Für Waris wäre es zu gefährlich gewesen. Durch ihn erfährt sie auch, wie die Lage in ihrer alten Heimat ist.
Ihre Mutter hat Waris lange nicht gesehen. Nun hofft sie auf eine Versöhnung mit ihr. Sie möchte ihr gerne erklären, warum sie gegen die Genitalverstümmelung kämpft. Doch stattdessen diskutieren sie nur. Ihre Mutter beharrt darauf, dass die Beschneidung junger Mädchen Tradition ist.
Ihre Mutter fragt sie sogar, ob sie die Beschneidung mittlerweile verstehe und dass die Frau, die die Beschneidung damals durchgeführt hat, jetzt ihre Nachbarin sei. Darauf ist ihre Mutter sehr stolz. Waris erlebt durch die triggernde Erinnerung an ihre eigene Beschneidung im Alter von 5 Jahren einen Zusammenbruch. Irgendwann hat sie herausgefunden, dass Alkohl dabei hilft, zu vergessen. Das Erlebnis damals, die Beschneidung, hat in ihrer Selle tiefe Wunden hinterlassen.
In dem Buch erfährt man von ihrer Alkoholerkrankung, von einem Stalker, weswegen sie von England nach Wien gezogen ist. Wie sie ihre Sucht schließlich, nach vielen Therapien, in den Griff bekommen hat, erfährt man natürlich auch.

Im Anhang des Buches findet man einige ihrer Reden zum Thema Genitalverstümmelung. Außerdem gibt es Kontaktdaten, um sich mit ihr und ihrer Stiftung in Verbindung zu setzen. Zum Schluss sind auch noch Bankverbindungen für Spenden abgedruckt.

Ein heilkes Thema. Für die einen ist die Beschneidung Tradition. Ist eine Frau nicht beschnitten (nicht gemacht), kann sie nicht verheiratet werden. So bringt sie kein Geld ein. Doch nirgendwo steht geschrieben, dass die Beschneidung notwendig ist.
Andere kämpfen gegen diese „Tradition“, auch, wenn es für sie selber ein gefährliches Unternehmen ist. Es wurden Gesetze gegen die Genitalverstümmelung eingeführt.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Natürlich ist es aber auch nicht jedermanns Geschmack.

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