ein stinknormaler Tag

Montagmorgen. Der Wecker klingelt. Heute ist Berufsschule. Wachwerden, aufstehen, ins Bad gehen, anziehen. Frühstücken, Tee trinken, iPhone aufladen, dem Freund schreiben. Schuhe an, Jacke an. Rucksack nehmen. Raus aus dem Haus. Richtung Bahnhof. Die Luft eines milden Herbstmorgens genießen. Am Bahnhof ankommen, Buch aus dem Rucksack ziehen. Der Zug kommt. Einsteigen, Sitzplatz suchen. Kein Vierer mehr frei. Ich sitze am liebsten alleine in einem Vierer. Ich glaube, so geht es vielen.
Letztens stieg mittags eine Horde Jugendlicher ein. Laut, schimpfend, mobbend. Eine sagte, sie hasse Leute, die sich alleine in einen Vierer setzen (Anmerkung: Im Zug sind eigentlich nur Vierer. Bis auf die vielleicht jeweils zwölf Sitze an den Längsseiten fast am Ende des Triebwagens. Dieser Bereich ist für Fahrräder und Kinderwagen).
Die Zugfahrt verbringe ich lesend. 30 Minuten lang. Dann steige ich wieder aus, gehe zur Schule. Hinter mir ein paar weitere Schüler. Vor der Schule höre ich halb ein Gespräch zwischen zwei Mädchen hinter mir. Eigentlich verstehe ich nur „Alter!“. Letzte Woche schnappte ich am Bahnhof das Wort „Opferhaft“ auf.
In 20 Minuten beginnt der Unterricht. Ich gehe zu meinen Mitschülerinnen. Es wird Mathe gelernt. In Rechnungswesen steht ein Test an. Bruchrechnen. Versagen wäre eine persönliche Blamage für mich.

Gong. Ein Schülerstrom wandert die Treppen rauf. Textverarbeitung. Vertretung. Wir bekommen Arbeitsblätter. Übungen zum Startbildschirm (ich habe noch nie das Wort Startbildschirm, Infobereich, Startschaltfläche oder Taskleistenschaltflächen benutzt) und eine Übung, um die Funktionen von Word kennenzulernen.

Schreibe oberhalb deines Blattes den Text „Erste Formatierungsübung“ in der Schriftart Comic Sans, Schriftgröße 20, fett, kursiv und unterstrichen formatiert, in rot.

Während meiner schulischen Ausbildung haben wir gelernt, dass man entweder unterstreicht oder kursiv schreibt oder fett. Und Comic Sans ist ja sowas von uncool.
Dann folgen Cliparts, Wordart, Kopf- und Fußzeile, Wasserzeichen, Seitenzahl. Unterforderung!
Pause. Reden, essen, lachen. Gong. Deutsch. Die Schülermasse bewegt sich wieder die Treppe rauf. Stau. Gezwungen sein, die Hinterteile der vor sich gehenden Mädchen in zu engen Hosen zu sehen.
Eine Prästentation über den Aufbau einer Präsentation halten. Alleine. Weil ich’s kann. Anderen Präsentationen zuhören. Unterforderung. Mal wieder. Gong. Politik. Thema: Familie. Pause. Das übliche. Reden, lachen, essen. Ihr wisst schon. Rechnungswesen. Der Test. Rechnen. Auf einem Schmierblatt schriftlich multiplizieren und dividieren. Geschafft. Religion. Oh, nein. Deutsch. Weil mit derselben Lehrerin. Also weiter Präsentationen anhören. Ich zeige viel auf. Ich mag Deutsch. Pause. Sport. Wir betreten eine nach Kokos-Vanille stinkende Umkleidekabine. Umziehen, runter in die Halle. Der Flur müffelt. Akrobatik. Viel zu Lachen gab’s. Schule aus. Tschüß, bis Donnerstag.
Zum Bahnhof schlendern. Lesend wartend. Ab und zu dem Freund schreiben. Dabei „Ohne Netz“ in der Hand halten. Ziemlich paradox. Der Zug rollt langsam ein.
Am Hauptbahnhof aussteigen, den Zeitschriftenladen durchstöbern, zu einem Termin gehen, danach ein Roggenbrötchen kaufen. In der Bäckerei duftet es nach Printen. Ich darf welche probieren.
„Ich könnte das ganze Jahr über Printen essen,“ gestehe ich der Verkäuferin. Zum Glück gehe es anderen genauso wie mir, erwidert sie.
Und wieder zum Bahnhof. Wieder warten. Weiter lesen. Ein etwa zehnjähriges Mädchen läuft telefonierend vorbei und fast gegen einen Mann.
Nach Hause kommen. PC an. Irgendwann runter gehen, essen, Tee trinken.
Gleich schreibe ich noch eine Rezension. Zu „Ohne Netz“.

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