Leave your fear behind


Hätte ich eigentlich vor 10 Jahren gedacht, dass ich heute mein Abitur nachholen würde? Habe ich damals überhaupt so weit gedacht?

Wo stehe ich heute? Wo stand ich damals?

Vor 10 Jahren war ich das zweite mal in der Klinik. Ohne Plan, was die Zukunft bringt, ohne überhaupt einen Plan. Die Tage bestanden nur aus Therapien, weinen, Gruppenaktivitäten, warten. Warten auf den Tag, an dem ich endlich entlassen werde. Warten auf den Tag, an dem ich endlich angstfrei sein werde. Angstfrei. Was bedeutet das eigentlich? Für mich bedeutet angstfrei sein, nicht mehr dieses krankhafte Gefühl zu spüren. Einfach frei zu sein von den mich plagenden Ängsten. Durch die Straße gehen zu können, ohne aus heiterem Himmel Angst zu bekommen. In einer Disco inmitten von Menschen stehen, ohne das Gefühl zu bekommen, eingeengt zu werden.
Damals hatte ich vor etwas ganz bestimmtem Angst. Doch dieses bestimmte Etwas hat sich im Laufe der Jahre verändert. Ich habe Angst davor, die Kontrolle über mich selber verlieren zu können. Beim Autofahren, auf der Straße, im Kino, in der Disco. Deshalb fahre ich nie alleine Auto. Überhaupt fahre ich ganz wenig Auto. Nur kurze Strecken. Nie alleine. Ich meide Discos, Konzerte und Festivals.

Ich hasse die Dunkelheit. Ich habe Angst vor ihr. Nicht vor irgendwelchen Gefahren, die lauern könnten. Ich habe Angst, weil sich die Umgebung um mich herum geändert hat. Weil in der Dunkelheit alles anders aussieht. Nicht vertraute Orte machen mir auch Angst. Lange, stark befahrene Straßen ebenso. Ich verkrampfe innerlich. Halte die Luft unbewusst an. Drücke meine langen Fingernägel in die Hände. Bis es wehtut. Manchmal bleibe ich stehen – wie versteinert. Kann weder vor noch zurück. Dann greife ich schnell zum Handy und rufe meinen Freund an. Er ist mein Retter. Er hält mich fest, wenn er dabei ist. Er beruhigt mich. Er ist für mich da. Anders, als andere zuvor.

 

Es wird besser. Es muss besser werden. Ich habe Dinge geschafft, von denen ich vor 10 Jahren nicht mal zu träumen wagte.

The worst feeling in the world is trying to hold back a panic attack in public.

4 Kommentare

  1. Schöner Artikel, der gut beschreibt, was Menschen mit einer Angststörung durchmachen. Es ist typisch, dass sich die Angst mit der Zeit auf andere Situationen ausweitet.

    Du weißt sicher, dass es wichtig ist, die Situationen dennoch nicht zu meiden. Daran solltest Du arbeiten, wenn ich das so sagen darf…

    Viele Grüße.

    Sebastian

    PS: Toll, dass Dein Freund Dir eine Stütze ist!

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  2. @Christiane: na klar! 🙂

    @Sebastian: Dankeschön!
    Ja, ich weiß, ich sollte diese Situationen nicht meiden. Aber manchmal kann ich einfach nicht anders und empfinde in dem Moment das WEglaufen als die bessere Lösung. Auf Dauer allerdings ist das nur schädlich.

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  3. Und deshalb „einfach“ machen und anschließend stolz darauf sein, dass Du so mutig warst, anstatt sich Vorwürfe zu machen, dass wieder die Angst mit dabei war. 😉

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