Historischer Jahrmarkt in Kornelimünster


Als V. am Freitag in der Schreibtreffen-Gruppe fragte, wer Lust hätte, mit ihr zum historischen Jahrmarkt in Kornelimünster zu fahren, sagte ich nicht Nein. Obwohl der Markt bereits seit vielen Jahren stattfindet, habe ich ihn noch nie besucht1.
So nahmen wir beide Samstag am späten Nachmittag den Bus nach Kornelimünster.

Das Städtchen kenne ich vor allem vom Auto aus. Meine Großeltern lebten zuletzt in einem Heim ganz in der Nähe und unsere Fahrt dorthin führte uns immer durch Kornelimünster, unterhalb von Aachen-Brand gelegen.

In der 7. Klasse etwa besichtigten wir den Ort. Das ist allerdings nun auch schon etliche Jahre her.

Nach fast einer Stunde Busfahrt, stiegen wir endlich aus und gingen über eine kleine Brücke, die in den Ort führt. In Aachen selber gibt es keinen Fluss, doch außerhalb fließt die Inde. Darüber führt die Brücke.
Ein kleiner Hausflohmarkt begrüßte uns direkt am Anfang. Draußen kletterten weiße Rosen die Mauer des Hauses entlang. Es wurden alte Bücher, Schallplatten und Fotoalben verkauft.
Eine wunderschöne Gasse führte Richtung Marktplatz. Dort befanden sich alte Fahrgeschäfte: verschiedene Karuselle sowie ein Riesenrad von 1902. Auch Hau den Lukas durfte nicht fehlen.
Doch diese Fahrgeschäfte waren, neben dem Flohmarkt am Ende, das einzig historische, was der Jahrmarkt zu bieten hatte: Statt den erwarteten Met konnte man Hugo und Erdbeerbowle trinken, sowie Softeis, gebrannte Mandeln und Zuckerwatte essen. Pommes und Bratwurst waren natürlich auch dabei.
Ich war also etwas enttäuscht. Stände mit Tees und Gewürzen sind ja in Ordnung. Aber moderner Schmuck, neue Bücher und Kinderspielzeug passten einfach nicht in das Bild, was ich von diesem Jahrmarkt hatte. Trotzdem fand ich an manchen Ständen schöne Stücke: vergoldetes oder versilbertes Laub als Ohrschmuck, Ohrhänger mit Lapislazuli, Opal und anderen schönen Steinen oder Ledertaschen. Interessant fand ich auch die präparierten Insekten: Egal obn Vogelspinne, Schmetterlinge oder Käfer – fasziniert war ich davon ja schon.

Auf dem Flohmarkt konnte man altes Porzellan, Bücher in altdeutscher Schrift, alte Postkarten und Fotos kaufen. Sogar römische Münzen entdeckten wir an einem Stand. Gekauft haben wir jedoch nichts, abgesehen von etwas Essbarem, denn wir hatten Hunger.

Am Ende saßen wir gegenüber dem Kettenkarussel mit Blick auf den Hau den Lukas. V. packte ihr Skizzenbuch, die Tuschefeder und Tinte aus und begann zu malen. Sie hat ein ganz tolles Talent und ihre Zeichnungen sind wirklich wunderbar!
Alte Musik ertönte und die beiden Schausteller, ein Pärchen, vom Kettenkarusell begannen zu tanzen.
Schließlich spazierten wir in der Dämmerung an der Inde entlang durch das Wäldchen und lauschten der Stille des Waldes: Vögel sangen über unseren Köpfen, das Wasser gurgelte und plätscherte leise vor sich hin und Fledermäuse erwachten und flogen über das Wasser. Von irgendwoher hörten wir lauten Jubel: Deutschland hat wohl ein Tor geschossen.

Später, auf dem Rückweg,blieb der Bus noch eine Weile am Bushof stehen, was uns ungeduldig machte. Draußen fuhren hupende Autos vorbei, Fans liefen über die Straße und feierten. Der Zauber des kleinen Städtchens war vorüber und die Großstadt hatte uns wieder.

P.S.: Mehr Fotos gibt es demnächst auf vg-foto.de
© Fotos: Verena Grouls. Ungefragte Weiterverwendung ist nicht gestattet.
  1. wie meine Mutter mir allerdings sagte, stimmt das nicht, denn wir waren wohl mal dort, als ich noch klein war

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