Indiebooks? – 8 Fragen an „We read Indie“

Was sind eigentlich „Indiebooks“?

An dieser Stelle könnte eine Definition stehen, die irgendwo im Internet steht. Das wäre aber langweilig und ich möchte euch ja nicht vertreiben. Deshalb, und weil ich irgendwo gelesen habe, dass Interviews eine super Sache sind, habe ich den Bloggerinnen von We read Indie ein paar Fragen dazu gestellt. Außerdem erzählen sie uns, was „We read Indie“ überhaupt ist und wie es zu dem Blog kam.
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1. Der gemeinschaftliche Blog „We read Indie“ existiert nun seit über einem Jahr – und das sehr erfolgreich. Wie ist die Idee zu diesem Blog entstanden?

Mariki: Die Idee stammt von der Klappentexterin Simone. Sie hat sich dann an einige Bloggerinnen gewendet, und gemeinsam haben wir den Blog gegründet.

Simone: So ist es. Nach dem großen Erfolg vom ersten Indiebookday, der vom mairisch Verlag initiiert wurde und am 23. März 2013 stattfand, fragte ich mich: Warum nur einmal im Jahr die Kleinverlagskultur stärken? Warum nicht einen Ort schaffen, auf dem regelmäßig über die Indie-Szene berichtet wird? Et voilà: Es dauerte nicht lange, bis ich meine Bloggerkolleginnen mit meiner Idee angesteckt hatte und die neue Plattform We read Indie das Licht der Netzwelt erblickte.

Caterina: Unser Ziel war – und ist – es, die Kleinverlagskultur sowie den unabhängigen Buchhandel zu stärken, indem wir literaturbegeisterte Menschen über Bücher und Verlagsprogramme abseits des Mainstreams informieren. Denn der Buchmarkt ist unübersichtlich und wird nach wie vor von den großen Publikumsverlagen beherrscht, dabei sind gerade die Kleinverlage wichtig, um eine literarische Vielfalt zu gewährleisten und auch unkonventionellen Stimmen jenseits der Marktstrends eine Chance zu geben.

2. Wer steckt überhaupt hinter „We read Indie“?

Mariki: Ich blogge neben We read Indie im Bücherwurmloch und bin freie Lektorin sowie Texterin.

Sophie: Ich blogge auf Literaturen und bin ausgebildete Buchhändlerin.

Caterina: Auch ich habe hauptberuflich mit Büchern zu tun, bin zum einen in einer Literaturagentur tätig und arbeite zum anderen als Freiberuflerin mit Kulturschaffenden verschiedenster Art zusammen. Wenn dann noch Zeit bleibt, blogge ich auf SchöneSeiten.

Simone: Ich arbeite als Führungskraft im Buchhandel und betreibe seit über vier Jahren meinen Blog Klappentexterin.

Bücherliebhaberin: Ich komme weder aus dem Buchhandel oder Verlagswesen, sondern bin „nur“ leidenschaftliche Leserin. Mein Blog heißt glasperlenspiel13.

3. Wie erklärt ihr anderen, was „Indiebooks“ sind?

Mariki: Das ist in der Tat manchmal nicht so einfach, wenn sich jemand in der Buchbranche nicht auskennt. Ich sage meistens, dass Indiebooks in Verlagen erscheinen, die konzernunabhängig sind.

Sophie: Man könnte ja sagen, das Indie-Buch sei der kleine Buchladen an der Ecke und nicht Thalia gegenüber H&M. In der Tat ist es aber, für die trockene Definition, wichtig, dass die entsprechenden Verlage keinem großen Konzern angehören.

Simone: Darüber hinaus schauen wir aber auch auf die Größe der Verlage. Einige der Publikumsverlage – wie zum Beispiel Diogenes oder Hanser – sind zwar genau genommen unabhängig, verfügen aber im Vergleich zu den kleinen Verlagen über deutlich mehr Ressourcen (personeller und vor allem finanzieller Art), um aus eigener Kraft auf sich aufmerksam zu machen. Eine wichtige Orientierung bei der Überlegung, welche Verlage wir berücksichtigen wollen, stellen die Kriterien der Kurt-Wolff-Stiftung dar.

Caterina: Allerdings muss man dazu sagen, dass „Indie“ eine Frage der Auslegung ist. Wir meinen damit eben traditionelle Verlage, die konzernunabhängig arbeiten. Aber es gibt auch andere Definitionen: Self-Publishing-Autoren beispielsweise beziehen sich mit dem Begriff „Indie“ auf sich selbst – weil sie ihr eigener Verleger, also unabhängig von jeglichen Verlagsstrukturen und -mechanismen sind.

4. Wo finde ich Indie-Bücher in eurem Sinne?

Mariki: Am besten ist, du bestellst sie bei ocelot.de. Mit diesem tollen Berliner Buchladen haben wir nämlich eine super Kooperation, deshalb mach ich ganz frech auch einfach gleich Werbung.

Sophie: Und natürlich eher in kleinen, inhabergeführten Läden, die sich für das besondere Buch, wie es in manchem Indie-Verlag erscheint, noch in größerem Maße engagieren können.

Bücherliebhaberin: Das ist ja unser Ziel: Indie-Bücher noch bekannter zu machen, da sie nicht immer im Rampenlicht stehen. Aber bei eurem Buchladen des Vertrauens findet ihr ganz sicher welche, wenn ihr danach fragt. Auch auf unserem Blog findet ihr viele Anregungen und Rezensionen.

Simone: Der Fairness halber muss ich dazusagen, dass auch in den großen Buchhandlungen immer mehr Indiebooks auftauchen – eine Entwicklung, die ich mit Freude beobachte.

5. Hat sich seit dem Start eures Blogs die Indie-Verlagswelt verändert?

Mariki: Kann ich ehrlich gesagt nicht so beantworten, es ist ja erst ein Jahr vergangen. Generell bekommen die Indiebooks hoffentlich mehr Aufmerksamkeit, und dazu wollen wir ja mit unserem Blog beitragen.

Caterina: Und tatsächlich: Die Resonanz, die uns seit dem Launch von We read Indie erreicht hat, ist schlichtweg überwältigend und zeigt, dass es höchste Zeit war, eine solche Plattform zu gründen.

Simone: Mit anderen Worten: We read Indie ist eine Plattform, die glücklich macht und inspiriert.

6. Was haltet ihr eigentlich von E-Books? Meint ihr, sie könnten in naher Zukunft das gedruckte Buch und Buchhandlungen zerstören?

Mariki: Nein. Jein. Ich weiß es nicht. Ich muss gestehen, dass ich E-Books nach wie vor ausweiche und keinen E-Reader besitze. Wäre womöglich anders, wenn ich beispielsweise viel U-Bahn fahren müsste oder mich in anderen Situationen befinden würde, in denen die digitalen Bücher sehr praktisch sind. Aber für den Moment bevorzuge ich das gedruckte Buch, und zwar ausschließlich. Und ich bin sicher, dass es vielen so geht.

Simone: Sie werden weiterhin das gedruckte Buch ergänzen, aber nicht vertreiben. Toll finde ich in diesem Zusammenhang die Symbiose, wie sie der Kein & Aber Verlag bei seinen gedruckten Büchern anbietet. Dort gibt es zum Buch das E-Book gleich dazu.

Sophie: Nein. Nachdem ich mich nun im Laufe der Zeit den E-Books geöffnet habe, glaube auch ich nicht, dass sie das gedruckte Buch vernichten, sondern, dass sie es ergänzen. Die meisten Leser, die E-Books lesen, lesen auch gedruckte Bücher, sie nutzen beide Formate. Ich plane, mir einen E-Reader anzuschaffen, habe aber nicht vor, deshalb meine Bücherregale abzubauen. Und so wird es den meisten gehen.

Bücherliebhaberin: Ein E-Reader ist nach wie vor für mich unvorstellbar. Trotzdem sehe ich keine Gefahr für das gedruckte Buch an sich.

Caterina: Ich benutze beides, lese privat analog und beruflich digital; beides hat seine Vorteile. Und das gilt nicht nur für meine persönlichen Lesevorlieben, sondern meiner Meinung nach für den gesamten Buchmarkt. Das eine wird das andere nicht verdrängen, da Bücher und E-Books verschiedene Menschen mit verschiedenen Lesegewohnheiten ansprechen. Möglicherweise wird das Taschenbuch langfristig unter der Präsenz der E-Books leiden – das zeichnet sich ja schon jetzt in den Verkaufsrückgängen ab –, aber ich bin davon überzeugt, dass es immer die mit viel Sorgfalt ausgestatteten Bücher für bibliophile Sammler wie uns geben wird. Man muss sich ja nur die Entwicklungen in der Buchbranche ansehen, die trotz der allgemeinen Verunsicherung Grund zur Hoffnung geben: Es werden mehr und mehr Verlage und Buchhandlungen gegründet, die sich dem schönen Buch verschreiben und damit jede Menge Erfolg haben, und selbst die Publikumsverlage legen zunehmend Wert aufs Äußerliche und bringen besondere Reihen heraus.

7. Wo seht ihr die Indie-Verlage in fünf Jahren?

Mariki: In den Bestsellerlisten!

Sophie: In den Regalen und auf den Präsentationstischen von Buchhandlungen ganz selbstverständlich neben Publikumsverlagen.

Simone: In den Köpfen der Menschen.

8. Welches Buch lest ihr gerade?

Mariki: „Atmen, bis die Flut kommt von Beate Rothmaier, also kein Indie.

Sophie: Phil Hogan, „Die seltsame Berufung des Mr.Heming“ (Kein & Aber).

Bücherliebhaberin: Ángele Pradelli, „Unter Freundinnen“ (Rotpunktverlag).

Caterina: Einen Klassiker der Weltliteratur, nämlich John Irvings „Hotel New Hampshire“.

Simone: „Auslöschung“ von Jeff VanderMeer (Kunstmann).

 

Vielen lieben Dank dafür, dass ihr euch Zeit genommen habt, diese Fragen zu beantworten!

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