Gedanken

Unwetter #2 (Pfingsten)

Jeder hat mal solche Tage. Trübe Tage. Nachdenkliche Tage. Tage, an denen man an sich selber zweifelt.

Niemand kann 24 Stunden, 7 Tage die Woche glücklich sein. Niemand ist perfekt. Fehler machen ist menschlich. Unglücklichsein ebenfalls.

Der Nachmittag vor dem Umwetter #1 (Pfingsten)

Man kann versuchen, immer perfekt zu sein. Immer glücklich zu sein. Immer 100% alles zu geben. Doch geht das? Kann man wirklich „so tun als ob“? Wenn ich manche Blogs lese, scheint es mir fast so. Alles sieht perfekt aus auf den Fotos. Die Bloggerinnen grinsen in die Kamera, sie strahlen vor Glück. Ihr Leben scheint perfekt. Sie haben alles. Ruhm, einen gut bezahlten Job, ein tolles Studium.

Stoße ich auf diese glücklichen, perfekten Blogs, beginne ich, an mir selber zu zweifeln. Auch, wenn ich Literaturblogs lese, geht es mir so: Ach, könnte ich doch auch nur so gut schreiben, mich so gut ausdrücken, was Autor von Buch X dem Leser vermitteln möchte. Ellenlange perfekte Texte schreiben. All das, was ich mir schon immer gewünscht habe.

Statt etwas zu ändern, stöbere ich weiter, lese hier und da und träume von einer Blogger-Karriere, von DEM Roman.

Meine Roman-Idee Nr. 1 habe ich wieder verworfen. Ich habe mir Scrivener gekauft. Auf Teufel komm raus versuche ich, neue Ideen zu finden.

Aber natürlich kommt da nichts. Mein Kopf ist leer. Träume und Träume verwirklichen ist wohl nicht so einfach. Da hilft kein Fingerschnipsen oder kurz die Augen schließen. Um seine Träume wahr werden zu lassen, bedarf es harte Arbeit.

Unwetter #2 – am frühen Abend.

Wie machen das andere Blogger, Autoren, sonstige Menschen mit ihren Ideen? Wieso können sie so gut schreiben? Wie wird man erfolgreich?

Hier ein Event, da mit Freunden unterwegs, Urlaubsfotos – das Internet ist voll von diesen Menschen, die rausgehen, zeigen, was sie Tolles machen, in welchen tollen Städten sie sind. Ja, ich bin neidisch darauf. Ich möchte euch auch gerne tolle Sachen zeigen können, erzählen, wo ich schon überall war. Doch meine Liste der Gegenden ist eher unspektakulär: Ich war noch nie weiter als bis Rom. Am meisten war ich in Oberbayern oder Österreich. Ich habe noch nie Ebbe gesehen, noch nie eine Wattwanderung gemacht. Wie ist es, am Strand Urlaub zu machen? Wie sieht es in Großbritannien aus? Wie sieht es außerhalb meines kleinen Reichs aus? Wie fühlt es sich an, alleine mit dem Freund Urlaub zu machen?
Ich war noch nie mit einem meiner bisherigen Freunde in Urlaub. Das einzige Mal war die Woche Zürich mit Sascha und den Jungs.

Wie gerne würde ich den Koffer packen, Sascha schnappen und mit ihm die Welt sehen. Doch eine kleine Stimme sagt mir: Ich habe Angst. Vorm Fliegen. Vor dem Wegsein aus der Heimat. Ein Wochenende würde mir reichen. Ein Wochenende Amsterdam. Nur Sascha und ich und meine Kamera. Ein paar Tage Zürich. Hauptsache, nicht fliegen. Hauptsache, mal was anderes sehen!

Bin ich die komischste und langweiligste fast 30jährige auf der Welt?

8 Kommentare

  1. Ich glaube du machst dir viel zu viele Gedanken. Verschwende deine Energie nicht an diese Gedanken, sondern nimm sie, um Vorhaben in die Tat umzusetzen. Manchmal muss man sich selbst zu seinem Glück zwingen. Buche eine Reise, ohne zu viel drüber nachzudenken. Einfach ein Zug Ticket nach Amsterdam buchen. Und lass dich nicht blenden von dem ach so tollem Leben der Blogger. Die schreiben halt nur über die guten Dinge, um nach außen toll zu wirken. Schaffen sie ja auch. Immer die Schokoladenseite fotografieren kann ja jeder. Aber das ist nicht echt. Du bist die viel bessere Persönlichkeit, weil du es schaffst, deine Gedanken so schön auzuschreiben und nicht die ganze Welt mit gestellten Bildern täuschen musst. Du BIST eine gute Bloggerin, auf deine Weise. Nur weil du nicht bist wie alle anderen, mainstream eben, bist du kein schlechterer Mensch. Du bist du!

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  2. Stadtelch

    Perfekt…
    Du schreibst es eigentlich selber, „ihr Leben scheint perfekt“. Je nachdem welchen Blog du dabei grade verfolgst, muss es ja auch so wirken… Wie schaut es denn aus, wenn eine Modebloggerin plötzlich in Birkis und Söckchen auftauchen würde… Skandal…!
    Ich vermute mal, die stehen vor jeden neuen Veröffentlichung, jedem öffentlichen Auftritt ganz schön unter Druck – bloß nichts falsch machen. Je mehr Follower, desto bekannter ist man – und umso größer wird der Druck.

    Zur Zeit schaue ich selber oft auf Youtube so Videoblogs an und möchte nicht wissen wie oft die Leute dort verzweifeln.

    Was deine Reisewut angeht, so kannst du selber schnell Abhilfe schaffen… Leg ein paar Euros beiseite, lass dir ggf zum Geburtstag die Urlaubskasse was auffüllen… Okay, wird dann noch kein 3-Wochen-Dubaii-Urlaub aber vielleicht ein Kurztripp nach London oder Paris. Und geflogen bin ich selber, bis auf Rundflug über der Heimat oder auf die Nase auch noch nicht. Bus und Bahn kann da ggf auch helfen.

    Was ich bei dir immer bemerke, du schreibst ganz oft von deinen Ängsten. Hast du dies mal in anderen Blogs bemerkt? Sicher nicht, denn um sowas zu schreiben dafür braucht man etwas ganz bestimmtes, nämlich MUT.
    Heutzutage öffentlich zuzugeben dass man Angst hat, wer macht das schon? Sicherlich kaum jemand, erst Recht nicht noch so öffentlich.
    Versuch doch mal diesen Mut in den normalen Tagesablauf einfließen zu lassen – du machst dich meiner Meinung immer noch zu oft selber klein.

    Wer weiß, wenn du noch versuchst etwas weniger gegen dich zu arbeiten, weniger selbstkritisch zu sein, vielleicht kommst du dann schneller an dein Ziel. Ich glaub nicht, dass dich plötzlich alle „hassen“ würden wenn es mal nicht 100%ig ist.

    Und schau mal deine Fotos allein in diesem Artikel an. Speziell Unwetter#2 find ich schon ganz heftig. Wenn du dann noch öfters unterwegs bist, dann hast du auch viele tolle Fotos zu veröffentlichen.
    – Hanghuhn in London
    – Hanghuhn im Watt
    – Hanghuhn auf dem Eifelturm…

    Das wird schon werden. Halt einfach die Augen auf und sei nicht so hart zu dir selber…

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  3. Du solltest dein Licht nicht so unter den Scheffel stellen. Manche Leute waren schon am Meer und haben eine Wattwanderung gemacht und du nicht? Wen kümmert es. Dafür waren die vielleicht noch nie in Österreich (das ist zum Beispiel ein Land, das ich unbedingt noch bereisen will).
    Grundsätzlich hilft es wahrscheinlich sich klar zu machen, dass niemand immer glücklich ist. Und das auch zu zeigen, so wie du es machst, ist viel mutiger als stündlich neue Updates über das angeblich so perfekte Leben zu veröffentlichen. Ich mag deinen Blog und glaube fest an deinen Traum vom Roman 🙂
    Liebe Grüße

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  4. Ich hab zwei Jahre auf Sylt gelebt und habe es nie geschafft eine Wattwanderung zu machen.
    Früher war ich jeden Sommer an der ostfriesischen Küste und habe nie eine Wattwanderung gemacht 😉

    Ansonsten finde ich, dass der Kommentar von Stadtelch schon alles gesagt hat 🙂

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  5. Schau nicht darauf was andere tun. Mach dein Ding! Es ist dein Leben.

    Machs einfach! Denn je länger du darüber nachdenkst, was du hättest tun können und was andere schon getan haben, umso mehr Lebenszeit geht dir flôten.

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  6. Vielen lieben Dank für eure netten Worte! Es tut gut, sie zu lesen und ich werde auch noch auf jeden einzelnen eurer Kommentare eingehen (sobald ich die Akkus für meine Maus aufgeladen habe, denn mit dem Grafiktablett zu hantieren ist keine gute Lösung -> Gummischicht des Stiftes ist klebrig geworden).

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  7. Hybrid Andante

    Hallo,

    das Unwetter-Bild ist einfach nur geil! Wieviele Bilder braucht es, um so etwas aufzunehmen? Sehr schön 🙂

    Hab deinen Blog kürzlich über die Literatur Community entdeckt und schau gerne immer mal rein.

    „Erfolg“ und „Glücklich sein“ sind zwei Paar Schuhe. Meinen Chef könnte man wohl als ziemlich erfolgreich betrachten, er leitet zwei wissenschaftliche Institute, aber das hat auch seinen Preis: Er hatte schon zwei Herzinfarkte 😉 Dann doch lieber etwas weniger erfolgreich, aber dafür gesund 🙂

    Viele Dinge kann man schrittweise tun und es braucht meist einfach etwas Übung. Wie du schon schreibst: Ein Wochenende fern der Heimat reicht doch erstmal völlig und dann vielleicht mal eine halbe Woche und irgendwann werden es zwei 🙂 Die Reiselust hast du doch, da ist nur irgendwie ein Berg, der überwunden werden will und um den zu schaffen müssen die Muskeln an einem Hügelchen erstmal aufgebaut werden 🙂

    Viele Grüße!

    PS.: Ich finde übrigens all die „ich bin ja ach so perfekt“-Menschen langweilig 😉

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  8. @Sonja: Dass ich mir zu viele Gedanken mache, ist wohl wahr – leider. Das war schon immer so und ich kann’s einfach nicht ändern. Ziemlich lästige Angewohnheit. 😉
    Immerhin habe ich letztens bei Albert Heijn zwei Tickets gekauft, um durch ganz Holland zu fahren. Die hatten ein Angebot – 17€ statt 50€ für ein Tagesticket. Wann wir das Ticket einlösen, steht aber noch nicht fest. Ich hoffe, noch in den Ferien.

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