Warum ich Whatsapp gelöscht habe

Ganz spontan löschte ich meinen Whatsapp-Account und schmiss anschließend die App von meinem Handy.

Okay, so ganz spontan war das nicht, denn mit dem Gedanken spielte ich bereits seit längerem. Eigentlich wollte ich diese App nie benutzen. Doch in der Schule ist es üblich, dass die Klassen/Stufen/Kurse Gruppen gründen, um sich auszutauschen. Also installierte ich sie ebenfalls.

Gründe, warum WhatsApp mich nervte

  1. In der Gruppe meiner Klasse/Stufe wurden nur Videos oder Fotos ausgetauscht.
  2. Wenn wirklich etwas Wichtiges wegen der Schule besprochen wurde, ging das meistens im Unsinn unter.
  3. Spät abends kamen Nachrichten mit Infos, wer wo Party machte.
  4. „Du warst zwei Wochen nicht in WhatsApp online? Hast du was installiert, damit man nicht sieht, wann du wirklich zuletzt online warst? Hast du etwa zwei Wochen lang mit keinem aus der Schule geschrieben?!“
  5. Jeder aus der Gruppe hat nun meine Nummer – daran ändert auch die Löschung nichts.

Immer erreichbar sein

Erinnert ihr euch noch an die Zeit, als Handys noch kaum verbreitet waren? Als man auffiel, wenn man eins hatte? Damals stand man nicht unter dem Druck, unter dem wir heute stehen: Immer erreichbar sein zu müssen.

Antwortet man nicht direkt, reagiert der Andere gereizt. Das war schon zu ICQ-Zeiten so. Viel verändert haben wir uns seitdem anscheinend nicht, nur ist das Kommunikationsmittel ein anderes geworden. Egal wo wir sind, man kann uns anrufen oder schreiben. Wir sitzen im Café und haben unsere Smartphones in der Hand. Wild tippend sitzen wir unseren Begleitungen gegenüber. Wir schweigen uns an. Der eine tippt, der andere guckt zu. Wartet.

Beim Gehen auf dem Display tippen vermeide ich mittlerweile. Zumindest, wenn ich einen langen Text schreiben möchte. Denn 1. sieht es bescheuert aus, mit gesehnktem Blick durch die Gegend zu laufen und dabei auf dem Gerät rumzuwischen. Und 2. übersieht man auch mal leicht Hindernisse und stolpert. Das ist mir einmal passiert und dabei ist mir das iPhone aus der Hand geflogen. Zum Glück war das noch das 3GS oder sogar der Vorgänger, das erste, denn das war immerhin nicht vorne und hinten aus Glas.

Ich will nicht sagen, dass ich unterwegs mein Handy nie anfasse. Ab und zu hole ich es raus, schaue nach, ob ich eine Nachricht habe. Dann stecke ich es aber auch wieder weg. In Amsterdam hatte ich zum Beispiel fast den ganzen Tag den Flugzeugmodus an. In der Schule liegt meistens es in der Tasche. Manchmal bekomme ich Anrufe auch gar nicht mit. Nicht, dass ich unbedingt telefonieren will. Im Gegenteil: ich telefoniere sehr ungern. Meistens stelle ich Anrufe sofort stumm, wenn einer eingeht.

Lasst einfach mal das Handy in der Tasche, wenn ihr euch mit Freunden trefft. Ihr könnt auch mal eine Stunde oder vielleicht auch zwei aushalten, ohne jemand anderem in dem Moment zu schreiben. Das ist nämlich demjenigen gegenüber, mit dem man sich getroffen hat, unhöflich.

Was tun ohne WhatsApp?

Entweder die paar Cent für eine SMS ausgeben, wenn man, wie ich, keine Flat Rate hat, oder man muss eben andere Möglichkeiten wählen: den Facebook Messenger zum Beispiel. Als Apple-User gibt’s außerdem iMessage, die ich tagtäglich nutze. Zur Not tun’s auch E-Mails.

Ich verpasse also ohne Whatsapp nichts und „bereue“ nicht, die App gelöscht zu haben. Mehr Speicherplatz auf dem iPhone!

Übrigens geht es mir dabei nicht um den Datenschutz. Hilfe, Facebook hat Whatsapp aufgekauft?! Sorry Leute, aber die App war schon vorher nicht wegen ihrer hohen Sicherheit bekannt.

Ich brauche Whatsapp einfach nicht.

7 Kommentare

  1. Es nervt mich manchmal wirklich bis aufs Blut, welchen Unsinn manche Gruppenmitglieder posten. 😀 Und dann vibriert das Handy dauerndzu :! Aber so ganz ohne Whatsapp würde ichs nicht aushalten. Ist halt doch ne super Möglichkeit, kostenlos mit anderen in Kontakt zu bleiben. Und ich LIEBE die Smileys 😀

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  2. Hey, das kann ich gut verstehen. Hab auch keine Lust mehr auf diese ständige Erreichbarkeit und schon vor eiger Zeit die automatische Synchronisation meiner Email-Konten auf dem Smartphone (und Tablet) deaktiviert. Entweder man erreicht mich, wenn ich am PC bin – also fast nur auf der Arbeit – oder eben nicht. Auf whatsapp will ich aber nicht verzichten, weil ich es für kurzfristige Absprachen echt praktisch finde und ich festgestellt habe, dass – zumindest in meinem Umfeld – mehr Leute whatsapp haben, als Facebook bzw. den Messenger. Bei dem mich übrigens die Push-Funktion kollossal nervt, weil diese Bildchen immer im Vordergrund bleiben, auch wenn ich gerade was ganz anderes mache und gar nicht auf die Nachricht reagieren will.
    Aus whatsapp-Gruppen trete ich allerdings auch immer aus, wenn sie ins Banale abdriften. Unter was den Druck angeht – den macht man sich doch hauptsächlich selbst. „Nein, ich war nicht online – ich habe ein Leben“ reicht meistens und führt – auch wenn die es nicht zugeben wollen – bei den „anderen“ wohl eher zu Neid, weil sie wohl keins haben.

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  3. Die Smilies kommen aber doch nicht von Whatsapp? Ich kenne mich nicht mit anderen Handys aus, aber zumindest beim iPhone sind das die ganz normalen, die ich auch in iMessage & Co verwenden kann.

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  4. Das finde ich ganz ganz großartig von Dir, meinen Respekt hast Du 🙂 Ich habe drei Gruppen von verschiedenen Freundeskreisen, wo wir auch immer Abendgestaltung und Treffen organisieren, daher wäre es nichts für mich, aber generell finde ich das echt super!
    Viele Grüße,
    Missi

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  5. Ja, die Sache mit der ständigen Erreichbarkeit ist tatsächlich ein zunehmendes Problem. Ich habe mich ebenfalls lange gegen WhatsApp gewehrt. Erst als ich längere Zeit in Amerika war, habe ich es installiert um kostengünstig und schnell mit meiner Familie kommunizieren zu können. Daraus ergab sich ein Rattenschwanz an neuen Konversationen. Allerdings lasse ich mein Handy im Urlaub und am Wochenende ohnehin Stumm und meistens liegt es irgendwo in der Ecke. Meine Freunde wissen und respektieren das. Wenn es etwas wichtiges gibt, rufen sie auf dem Festnetz an, ansonsten warten sie, bis ich irgendwann mal die Muße habe, auf ihre Nachricht zu antworten.

    Ich kann mir allerdings sehr gut vorstellen, dass unter vielen Schülern tatsächlich ein recht großer Druck herrscht, immer alles mitbekommen zu wollen/müssen um nicht irgendwann „raus“ zu sein. Das ist schade, ungesund und ab und zu auch sehr unhöflich, wie du gut beschrieben hast.

    To put it all in a nutshell: Respekt und Glückwunsch zu diesem Schritt. Sehr coole Aktion!

    Viele Grüße,
    Auri der Theatergeist

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  6. Hybrid Andante

    Du sprichst mir sowas von aus der Seele, *thumbs up*!!!

    Ich habe mich immer gegen ständige Erreichbarkeit gesperrt und tue das auch immer noch. Mein Handy ist meistens abgeschaltet. Mails lese ich auch meist nur innerhalb der Woche. Freunde fluchen zwar manchmal über meine schlechte Erreichbarkeit, aber sie haben sich daran gewöhnt; ansonsten sehe ich die Leute eben beim Mittag essen, oder beim Sport, oder auf Arbeit eben, so dass Verabredungen auf die (alte) Weise oder eben per Mail zustande kommen.

    Oh ja, wie ich es hasse, wenn mein Gegenüber beim Unterhalten plötzlich das Smartphone rausholt und lostippt, während ich noch erzähle. Da hilft dann nur noch im Kaffee zu blubbern oder tot umzufallen und zu röcheln, oder sowas 😀 Und was den „Hans-guck-aufs-Display“ angeht: Vermutlich wäre eine app das Geschäft des Jahrhunderts, die es ermöglicht per Kamera die Umgebung zu scannen und als kleines Bild in der Ecke anzuzeigen und die das Ding zum Vibrieren bringt, wenn sich jemand oder etwas zu schnell nähert. 😀

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  7. Also bisher war Whatsapp für mich doch ein Mittel, mit welchem bei uns viel kommuniziert wurde.
    Familienfotos austauschen, Termine abklären usw…
    Seit dem letzten Update jedoch bin ich bei Whatsapp aber auch *off*. Die App öffnet nur für wenige Sekunden und lässt da natürlich keine Bedienung mehr zu. Jetzt heißt es abwarten auf das nächste Update und die Korrektur der Fehler. Sollte dies nicht helfen, so bleibt wohl nur Deinstallation der App.

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