Von Freundschaft und Sich-Melden-Müssen

Das bunte Laub leuchtet in der warmen Sonne, die mit den Sonnenblumen um die Wette strahlt. Bienen summen. Vögel singen. Katzen liegen faul draußen und dösen. Es riecht nach modrigem Herbstlaub, aber auch noch nach Sommer. Der Mais ist hochgewachsen und wirkt fast bedrohlich.
Ab und zu ein „KLICK“. Ich habe ein Foto gemacht.

Ich genieße die Ruhe und Einsamkeit. Es ist niemand da, der sich über mein hundertstes Foto vom Maisfeld aufregt. Niemand, der mir immer das gleiche vorjammert.

Manchmal beklage ich mich, dass ich alleine losziehen muss, wenn ich fotografieren will. Aber in Momenten wie diesen, bin ich froh, alleine zu sein.
Es ist niemand da, der mich durch Worte verletzten könnte.
Es ist niemand da, der meine Hobbys nicht akzeptiert.
Es ist niemand da, der nur von seinem Kummer erzählt.

Ich kenne viele Leute. In der Schule bin ich nie alleine. Vielleicht sagen die einen „Hängt die wieder mit den Freaks rum.“ Wer weiß?

Früher… ja, früher war es anders. In der Pause sah man mich immer mit ihr. Im Unterricht saßen wir zusammen. Nachmittags trafen wir uns. Machten Crêpes oder quatschten.

Ab und zu begegnen wir uns zufällig. Wie letztens im Museum. Ich müsste mich noch mal bei ihr melden. Ich bin es selber Schuld, wenn ich kaum jemanden habe.
Unsere Freundschaft zerbrach irgendwann um 2003. Schuld war ich. Nein, das ist nicht wahr. Schuld waren die Panikattacken. Sowieso waren sie an vielem Schuld. Sie waren Schuld dafür, dass ich mein Abitur nicht, wie geplant, 2005 auf dem Gymnasium machen konnte. Sie waren Schuld, dass ich auf eine neue Schule gehen musste. Eigentlich sollte dann alles besser werden.
Wie geht man in dem Alter mit jemanden wie mich um?

So habe ich über die Jahre gelernt, nur wenige Freunde zu haben – oder auch mal enttäuscht zu werden.

Lieber keine Freunde, als enttäuscht zu werden.

Regelmäßig treffe ich die Mädels vom Schreibtreffen. Studentinnen, Comic- und ScienceFiction-Fans, Whowians… Sie sind keine Modepüppchen, keine arroganten Ziegen. Bei ihnen fühle ich mich wohl. Die Treffen sind mein Ausgleich zum Schulstress, eine Flucht in eine andere Welt. Ich kann Ich sein.

Ich müsste ihr wirklich noch mal schreiben.

 

4 Kommentare

  1. Müssen muss keine.

    Ich kenn das, aber ganz ehrlich? Wahre freunde hätten einen aufgebaut und nicht noch einen die Schuld zugeschoben.
    Ich bin da nicht besser, aber ich kann sagen das ein gezwungenes melden es nicht besser macht, DU musst es wollen, vom herzen, dann ist es auch ehrlich 😉

    Ich finds auch deutlich besser, lieber wenige freunde als wieder so stark verletzt zu werden.

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  2. In Freundschaften gibt es kein „Müssen“. Ich bin da selbst sehr anstrengend: Wenn ich unter Druck stehe, ziehe ich mich zuerst aus meinem Privatleben zurück. Manchmal denke ich mir „Ich antworte später“, vergesse es dann aber. Und es zieht sich so.

    Es ist nicht so, dass mir die Menschen egal wären. Ich bin nur ziemlich oft in meinen Kopf zurückgezogen, ich denke ständig an meine Freunde, auch an die, bei denen ich mich seit einem halben Jahr oder länger nicht gemeldet habe. Ich stelle so wahnsinnig hohe Erwartungen an mich, dass ich in Freundschaften vor allem eins brauche: Menschen, die nichts von mir erwarten, die nicht auf einem „Du bist dran!“ beharren, sondern einfach weiter anfragen.
    Freundschaft heißt für mich, das Wesen des anderen zu respektieren.

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  3. Da hast du doch eine illustre Gruppe um dich mit denen du zufrieden bist. Manche Freundschaften sind nicht für die Ewigkeit gemacht oder eben nicht für alle Lebenslagen. Ich hätte gerne Lese-Freundinnen. Aber find mal welche… soll ich eine Annonce aufgeben? 😀

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