#verenastudiert: warum, für wen – Gedankenstrudel

Gerade in meiner ersten Klausurphase stelle ich einiges fest:

  1. sie ist anstrengend.
  2. dass viele Studenten Psychopharmaka verschrieben bekommen, kann ich nun nachvollziehen. Würde ich nicht selber seit 2001 welche nehmen, wäre jetzt der Zeitpunkt.
  3. Zweifel. Hätte ich die erste Klausur bestanden, wäre es vielleicht anders. Aber ich denke dauernd daran. Was ist, wenn ich noch mehr verhaue? Immer nur das negative sehen.
  4. Vorlesungsfreie Zeit ≠ Ferien

Für wen mache ich das eigentlich? Wie hoch sind die Chancen, dass ich „später“ eine Stelle finde mit meinem Abschluss? Seien wir mal realistisch: ich bin 31 Jahre alt und kinderlos. Gehen wir mal davon aus, dass ich mit 35 mein Studium beende. Wenn ich bis dahin noch kein Kind habe, wird es schwierig, einen Job zu finden. Es wird erwartet, dass eine Frau Kinder bekommt. Hat sie mit Mitte 30 noch keine, geht der Arbeitgeber davon aus, dass sie in den nächsten Monaten schwanger wird. Warum also einstellen?

Als ich jünger war, habe ich mir tatsächlich nie Gedanken übers Kinderkriegen gemacht. Meine Gedanken kreisten nur um meine Angst und darum, endlich etwas im Leben zu schaffen, eine Ausbildung zu machen. Ein Kind wäre fehl am Platz gewesen. Ich wollte auch nie eins. In den Verwandtschaft werden reihenweise Kinder geboren. Frühere Mitschüler heiraten, werden Eltern. Währenddessen beginne ich eine Ausbildung, werde gekündigt, beginne eine neue, schaffe sie – und hole mein Abitur nach. Und dann bin ich plötzlich 30. Es ist wie damals, als ich meinen Realschulabschluss nachgeholt habe und plötzlich fast 20 war. Ohne Plan, was als nächstes kommen soll. Mein ganzes Leben habe ich die Schulbank gedrückt. Meine Jugendzeit spielte hinter meiner eigenen Mauer aus Angst ab.

Nun bin ich dort, wo ich immer hin wollte: ich studiere – und das lasse ich mir nicht vermiesen. 

„Sieh es einfach als Hobby an – als Seniorenstudium,“ riet mein Freund mir. Ich habe nichts zu verlieren, außer meinem Stolz.

Ich bleibe stark und lerne aus meinen Fehlern, aus nicht bestandenen Klausuren. Sie machen mich nur stärker, nicht schwächer. Das Studium mache ich für mich selber. Nicht für den Arbeitsmarkt, nicht für meine Eltern, nicht für meinen Freund. Sondern für mich allein. Weil es mein Wunsch war. Weil ich mir den Wunsch früher nicht erfüllen konnte. Und wenn ich länger als 3 Jahre brauche. Ich bin nicht darauf angewiesen, es in der Zeit zu schaffen. Ich bin schließlich keine 20 mehr. Stört es mich, dass andere in meiner Familie einen guten Job haben, in meinem Alter eine Familie? Vielleicht. Etwas. JA! Aber kann ich es ändern? Nein – und das will ich auch gar nicht. Verantwortung für einen kleinen Menschen übernehmen? Momentan ist meine Antwort ein klares Nein.

Diese Gedanken mussten einfach mal raus. Für mich selber, weil sie mich auffressen würden, würde ich sie nicht freilassen.

Ich werde mich nun der linearen Algebra und Differential- und Integralrechnung widmen. Denn komischerweise macht es mir Spaß, Mathe zu lernen, auch, wenn ich oft verzweifle. Vor allem bei DiffInt. Kleines Update am Abend: Ich habe die Klausur in „Einführung in die Informatik“ nicht bestanden. Als ich das eben gesehen habe, war das der Punkt, an dem ich einen Gedanken zugelassen habe: ich sollte wechseln. Ich sollte wechseln. Doch bevor ich das kann, „muss“ ich das zweite Semester noch machen. In der Rückmeldefrist kann man wechseln und da die vorbei ist, warte ich bis zur nächsten Gelegenheit. Bis dahin gehe ich weiter zur Uni, denn einige meiner
Fächer kann ich anrechnen lassen.
Zu welchem Fach ich wechseln würde? Na, zu Sprach- und Kommunikationswissenschaft.

Sascha hat mir geraten, dass ich nun erst mal die restlichen Wochen meiner vorlesungsfreien Zeit entspannen soll. Keine Klausuren mehr. Einfach zur Ruhe kommen. Denn ich bin wirklich fertig. Ich habe zwar immer geschrieben, dass ich stark bin und dass ich alles gebe. Aber ich kann nicht mehr alles geben. Eine Klausur nicht zu bestehen – ist ok. Aber eine weitere im technischen Bereich verhauen? Nach der ersten hatte ich Angst vor den anderen Klausuren. Am Donnerstag saß ich mit Bauchschmerzen und Übelkeit in der Klausur, weil ich solche Angst hatte. Soll es so nun immer bei Klausuren in den Informatik-Fächern sein?
Ich habe mich von den beiden ausstehenden Matheklausuren abgemeldet. Zur Klausureinsicht der Informatik-Klausur gehe ich am Freitag, weil ich wissen will, wo das Problem lag. Aber ich werde sie nicht nachschreiben. Ich möchte mich endlich entspannen können, nicht darüber nachdenken, dass ich die nächsten Klausuren verhauen könnte.

Ich halte euch auf dem Laufenden!

P.S.: Vielen Dank für eure Kommentare zu diversen Artikeln in letzter Zeit. Leider komme ich nicht immer dazu, euch auch zu antworten. Aber keine Sorge: ich lese sie und freue mich jedes Mal sehr darüber!

3 Kommentare

  1. Hallo!
    Ich lese gelegentlich in deinem Blog.
    Mir gefällt, daß du dein Studium nur für dich machst und ich hoffe, daß du diese Einstellung durchhalten kannst.
    Ich habee selber einen ganzen Sack voll Ausbildungen absolviert und nur eine davon hat mir für länger arbeit gebracht – und das war die, die den wenigsten Spaß gemacht hat.
    Alle weiteren Aus- und Weiterbildungen habe ich zwar mit Blick auf Job und Geld gemacht, aber vor allem weil sie mir Spaß gemacht haben.
    „Gebracht“ haben sie dann am Ende beruflich doch nix.

    In diesem Sinne wünsche ich weiterhin viel Spaß an deinem Studium.

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  2. Café Noir

    Zu welchem Fach ich wechseln würde? Na, zu Sprach- und Kommunikationswissenschaft.

    Ich glaube, nachdem was du so schreibst, klingt das sehr vernünftig; denn die letzten Berichte lasen sich wie die pure Quälerei, und klar, ein Studium ist zwar anstrengend, aber die Lebensqualität sollte deswegen nicht gegen null gehen.

    Insofern: Genieß jetzt einfach mal die freie Zeit und komm wieder etwas herunter! 🙂

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