#verenastudiert: Kommilitonen, Referate und die Nachteile, mit ü30 zu studieren

Wieder habe ich eine Weile keinen Beitrag zum Thema Studium geliefert. Momentan sind Weihnachtsferien, auch an der Uni. Deswegen möchte ich euch heute ein kleines Update geben zu den letzten Wochen. Außerdem, wie ihr in der Überschrift bereits sehen könnt, soll es um die Nachteile gehen, die mit einem Studium über 30 einhergehen.

Kommilitonen und Referate

Mittlerweile sitze ich nicht mehr alleine in den Seminaren und unterhalte mich auch mit meinen Kommilitonen. Auch das erste Referat habe ich hinter mir. Die Zusammenarbeit mit meinen beiden Referatspartnern hat gut geklappt, allerdings lief das Referat für mich persönlich eher schlecht. Mit starken Kopfschmerzen und Nervosität ist es eben nicht so einfach. Ausgerechnet in der Woche, in der wir das Referat halten mussten, hatte ich natürlich meine Tage und, um Gegensatz zum letzten Monat, plagten mich die ganze Woche Kopfschmerzen. Zum Glück hat mein Neurologe mit Ibu 600 verschrieben, die ich diesmal mehr als einmal nehmen musste.

Das zweite Referat steht nach den Weihnachtsferien an, allerdings hat sich niemand aus meiner Gruppe bisher gemeldet. Zwar haben die mal vor ein paar Wochen auf WhatsApp rumgefragt, wer alles mit in der Gruppe ist und ich habe (aber mit einem Tag Verspätung) geantwortet. Aber ansonsten habe ich das Gefühl, die scheinen mich übersehen zu haben. Ich wollte mich jetzt auch mal mit den Texten befassen und den drei anderen aus meiner Gruppe mal schreiben. Deswegen mache ich sowas ja lieber alleine: man muss niemandem hinterher rennen. Mit den dreien habe ich außerdem nicht wirklich viel zu tun, außer, dass zwei von denen auch noch ein drittes Referat mit mir machen müssen.

🤷‍♀️

Außerdem habe ich es endlich mal geschafft, dem Professor in Einführung in die Sprachwissenschaft bzw. seinem Hiwi zu schreiben. Mir fehlt schließlich noch ein Teil der Klausur, da wir in Technik-Kommunikation nur eine 45-minütige Klausur geschrieben haben. Bisher kam aber noch keine Antwort – aber es sind ja auch Ferien!

Und zu guter Letzt: ich sollte mal langsam mit der Hausarbeit anfangen. Mein Thema ist, grob, Sprachwandel. Worüber ich aber genau schreiben will, weiß ich noch nicht.

Nachteile?

Mit über 30 fangen die wenigsten noch ein Studium an. In den wenigsten Fällen beenden sie mit 30 ihr Studium, sondern sind schon längst fertig. Zumindest mittlerweile mit Bachelor und Master. Mein Freund hat sein Diplom erhalten, als er etwa ein bis zwei Jahre jünger war als ich jetzt und mein Bruder war noch keine 30, als er sein Magister Artium bekommen hat. Und ich? Ich habe mit 30 das Abitur gemacht.

Während der Zeit des Abiturs, also auf dem zweiten Bildungsweg, war ich bei der Krankenkasse als Studentin versichert und zahlte so unter 100 Euro monatlich. Das galt auch noch, als ich 30 wurde, weil ich zu dem Zeitpunkt noch auf dem Kolleg war. Direkt im Anschluss begann mein Studium. Deshalb bekomme ich elternunabhängiges Bafög. Hätte ich bis zum Sommersemester 2017 gewartet, hätte ich kein Bafög bekommen. Wichtig ist, direkt nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg sein Studium aufzunehmen, wenn man schon über 30 ist.

Dass ich Bafög bekomme finde ich auch gut. Auch, dass ich monatlich bis zu 450 Euro durch meinen Minijob verdiene. Ich sage „bis zu“, weil es immer darauf ankommt, wie viele Stunden im Monat ich arbeite. Diesen Monat habe ich zum Beispiel nur sehr wenige Stunden arbeiten müssen, weil es nicht viel zu tun gab. Es gibt Monate, in denen ich fast 50 Stunden arbeite, manchmal aber auch nur 40 oder weniger.

Ich muss die Krankenkasse seit Beginn des Studiums komplett selber zahlen. Ab Januar 2018 sind das 181 Euro, bisher musste ich knapp unter 180 Euro zahlen. Pro Monat natürlich. Als Student um die 20 bezahlt man etwa 100 Euro weniger.

Gleichstellung der Studenten – egal ob 20 oder 30 Jahre alt

Ich denke, die Krankenkassen wollen verhindern, dass jemand, der kein ordentlicher Student ist, sich aber eingeschrieben hat, um das günstige Studententicket nutzen zu können, weniger Beiträge zahlt. Oder man hat mit 30 schon vorher genug Geld verdient, um den ganzen Beitrag zahlen zu können. Dass das aber nicht für alle über 30jährigen zutrifft, wird nicht berücksichtigt.

Es ist schade, dass die Krankenkassen einem nicht doch irgendwie entgegen kommt, wenn an sich dazu entschließt, nach dem Abitur auf dem zweiten Bildungsweg mit 30 zu studieren. So selten kann das ja auch nicht sein, sonst gäbe es nicht die Regelung im Bafög.

Noch etwas anderes, bei dem Studenten über 30 benachteiligt werden: Ermäßigungen. Erst an Weihnachten waren wir im LVR Museum in Bonn. Dort waren wir nun schon zum zweiten Mal. Bis 18 zahlt man keinen Eintritt. Die Ermäßigung gilt für Studenten bis 27 Jahren. Danach zahlt auch ein Student 8 Euro Eintritt.

Im letzten Jahr hielt der Herr an der Kasse mich offensichtlich für unter 18. Das ist für mich schon fast eine Beleidigung. Dieses Jahr, es war ein anderer Kassierer, hakte er noch mal nach, als ich sagte, ich sei Studentin, aber 32 Jahre alt. Er meinte dann, ich solle besser sagen, ich sei 26. So bekam ich den Rabatt.

In den Aachener Museen ist es wohl so, dass alle bis 21 Jahren frei sind. Die Ermäßigung gilt u.a. für Schüler, Studierende und Azubis. Eine Altersbeschränkung gibt es hier allerdings nicht.

Von meinem Bruder haben mein Freund und ich ein Gutschein für das Haus der Springmaus in Bonn bekommen. Die Ermäßigung dort gilt u.a. für alle Studenten bis einschließlich 26 Jahren.

Würde ich als Global Volunteer mit AIESEC ins Ausland wollen, könnte ich es nicht, weil man dafür zwischen 18 und 30 sein muss.

Worum es mir geht

„Du musst ja nicht mit über 30 studieren,“ wollt ihr bestimmt jetzt sagen. Und das stimmt ja auch. Aber mit 20 muss auch niemand studieren. Natürlich hätte ich nach meiner Ausbildung als PKA arbeiten können. Jeder Abiturient kann auch eine Ausbildung machen.

Ich wollte aber studieren. Ich wollte das Abitur machen, um danach studieren zu können. Das wollte ich schon als Kind.

Es geht mir viel mehr ums Prinzip. Warum muss jemand, der mit 30 ein Studium beginnt, den vollen Beitrag zahlen? Nur weil jemand schon 30 ist und dann erst studiert, heißt das nicht, dass man auch schon 10, 12 Jahre Geld verdient und angespart hat.

Warum gilt der Studentenrabatt beim Haus der Springmaus oder LVR Museum nicht auch für ältere Studenten, wie mich? Kann nicht jeder Student gleich behandelt werden – egal ob 20 oder 30?

So viele Fragen und keine Antworten.

1 Kommentare

  1. Ehrlich gesagt bin ich überrascht, dass du während des Abiturs nur den günstigeren Krankenkassenbeitrag zu zahlen brauchtest. Ich musste ab meinem 25. Geburtstag die ca. 180 Euro zahlen.
    Mich persönlich hat dabei nur gestört, dass Wehr- und Freiwilligendienst begünstigend angerechnet werden können, es aber niemanden interessierte, dass das Abitur in einigen Bundesländern 13 Jahre (wie bei mir) und in anderen nur 12 Jahre dauerte. Wäre ich in einem anderen Bundesland zur Schule gegangen, hätte mein Studium also rund 1200 Euro weniger gekostet.

    Gleichzeitig kann ich aber auch verstehen, weshalb es diese Altersbeschränkungen gibt: viele Studentinnen mit 30 (zumindest war das an meiner Uni so) sind eben schon verheiratet und zwar oftmals mit bildungsnahen Männern, die nicht schlecht Geld verdienen, und erhalten damit gewisse Vorteile oder aber es ist für sie die zweite Berufsbildung und sie können über ihren ersten Beruf mehr Geld verdienen als junge Studenten.
    Es wäre sinnvoller, wenn es auch für Studenten mehrere Tarife gäbe, die von Hintergrundfaktoren abhängen.

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