Über das Schreiben im Museum

Eigentlich bin ich kein Mensch, der sich besonders für Museen begeistert. In der Familie ist es jedoch üblich, eins zu besuchen. So war ich als Kind in den Pinakotheken in München sowie im Deutschen Museum. Ein paar Aachener Museen kenne ich ebenfalls: zum Beispiel die Domschatzkammer und das Centre Charlemagne. Die Bundeskunsthalle und das Haus der Geschichte in Bonn habe ich ebenfalls schon besucht. In Berlin waren wir mal in einem Museum, aber ich kann mich nicht mehr erinnern, in welchem.

Das Schreibzentrum der RWTH bietet neben diversen Schreibkursen im Semester auch Blockkurse in der vorlesungsfreien Zeit an. Meist ist es schwer, in die Semesterkurse zu kommen. Bisher hat es bei mir jedenfalls nicht geklappt. Umso glücklicher war ich, dass ich einen Platz im Blockkurs „Kreatives Schreiben I: Schreiben im Museum“ erhalten habe. Zwei Tage jeweils von 10 bis 17 Uhr sollte im Suermondt-Ludwig-Museum geschrieben werden.

Decke in der Bibliothek, oder auch dem schönsten Lesesaal NRWs

Worum es in dem Kurs geht

Kennenlernen neuer Schreibstrategien, neue Anreize zum Schreiben, Schreiben an einem anderen Ort – das alles sind für mich die Ziele des Kurses. Bisher habe ich nur in Cafés und zu Hause geschrieben, daher war es eine völlig neue Erfahrung für mich, dafür ins Museum zu gehen. Alleine würde ich sowas nie machen. Doch mit einer Gruppe ist das was anderes.

Dabei geht es nicht nur darum, die gelernten Strategien auf literarische Texte anzuwenden. Manche sind nämlich ebenso für das wissenschaftliche Schreiben geeignet. Nicht unbedingt für die Endversion einer Haus- oder Bachelorarbeit. Aber um ins Thema einzusteigen oder in den Schreibfluss zu kommen. Doch dazu gleich mehr.

Tür in der Bibliothek

Was ich gelernt habe

Die Kursleiterin hat uns zehn Schreibstrategien nach Hanspeter Ortner vorgestellt. Dazu zählen unter anderen das Flow-Schreiben, Einen-Text-zu-einer-Idee-Schreiben sowie Textteil-Schreiben – nachzulesen zum Beispiel in „Schreiben: Grundlagentexte zur Theorie, Didaktik und Beratung*“.

Ich möchte nun nicht auf jede der Strategien eingehen, sondern nur zu ein paar etwas schreiben.

Dass man seine Texte auch planen kann ist nichts Neues für mich. Allerdings fällt mir das Planen meistens schwer und ich schreibe lieber direkt drauflos. Das Flow-Schreiben fand ich ganz angenehm. Hierbei geht es darum, zu einem gegebenen Stichwort, einem Bild oder Frage für einige Minuten einfach irgendwas zu schreiben. Was einem gerade so einfällt. Das müssen keine vollständigen Sätze sein. Auch ist die Rechtschreibung dabei nicht sehr wichtig. Ist die vorgegebene Zeit abgelaufen, unterstreicht man drei bis fünf Stellen, die eine Kernaussage bilden. Diese bilden dann das Grundgerüst für einen richtigen Text.

Diese Art ist hilfreich, wenn man eine Schreibblockade hat. Der erste Entwurf hat auch, finde ich, etwas Poetisches.

Anwenden lässt sich diese Strategie aber sicher nicht nur für literarische Texte, sondern auch beim Lernen, um das gerade gelesene besser verarbeiten zu können.

Auch eine schöne Fingerübung ist das Im-Kopf-Ausarbeiten. Hier nimmt man ein Bild oder Gemälde und überlegt sich, was vor und nach der Szene passiert.

Beim Planenden Schreiben kam mir direkt eine Romanidee, wobei es sich dabei nicht um einen ChickLit-Roman handelt, was ich ja eigentlich eher schreibe (wenn ich denn mal schreibe), sondern um einen Krimi. Mal schauen, ob ich diese Idee noch weiter ausarbeite, sodass sie Romanlänge bekommt.

Bei wissenschaftlichen Arbeiten ist das Planen ein wichtiger Bestandteil, weshalb sich diese Strategie wieder auf die Uni übertragen lässt.

Das Textteil-Schreiben war schon recht schwierig, weil wir hier in einer Gruppe von zwei bis drei zusammen an einem Text arbeiten mussten. Hier sollten wir uns ein Portrait aussuchen und jeder musste eine Rolle übernehmen: nämlich die des Malers und die des Portraitierten. Jeder für sich schrieb also erst mal seinen Teil, um am Ende die Stücke zusammenzusetzen. Das kennt man auch aus der Uni, wenn man in Gruppen an einem Text arbeiten muss.

schöne Ecke im Foyer

So lange wie an den zwei Tagen war ich noch nie im Museum. Auch habe ich noch nie minutenlang vor einem Gemälde gestanden und nachgedacht – nicht über das Kunstwerk als solches, sondern darüber, was ich schreiben könnte.

Im Museum zu schreiben war mal eine neue Erfahrung und hat mir ein paar neue Anreize. Kunstliebhaber bin ich nun dennoch nicht geworden. Dafür habe ich aber den schönsten Lesesaal NRWs gesehen, wobei der Straßenlärm nicht sehr schön ist. Das Rauschen vorbeifahrender Autos zerstört irgendwie die Schönheit der Bibliothek.

Außerdem habe ich durch die Führung, die wir am zweiten Tag mitgemacht haben, einiges gelernt. Wir haben also nicht nur geschrieben, sondern uns wurde auch das Museum gezeigt und ein paar Sachen zu Gemälden und Kunstwerken erzählt.

Ob meine Texte etwas geworden sind, was ich geschrieben habe und überhaupt: ich werde demnächst ein paar der Texte hier im Blog veröffentlichen. Ich muss sie für das Portfolio, was ich abgeben werde, um 3 CP zu erhalten, sowieso abtippen (obwohl wir unsere Blätter auch einscannen können. Ich tippe das aber lieber ab). Seid gespannt! 😉

Durch den Kurs hat das Schreibtreffen vielleicht auch ein paar neue „Mitglieder“ gewonnen.

Habt ihr schon mal sowas gemacht? Im Museum geschrieben? Welche Orte inspirieren euch?

Infos zum Museum

Wilhelmstr. 18, 52070 Aachen
Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, die Bibliothek hat dienstags bis donnerstags ebenfalls in dem Zeitraum auf, außer freitags (dann nur bis 14 Uhr) und an Feiertagen ist die Bibliothek geschlossen.
Eintritt: ab 4 Euro
es gibt ein kleines Café, das kalte und warme Getränke sowie verschiedene Kuchen anbietet.
In der näheren Umgebung gibt es Parkhäuser, außerdem ist direkt um die Ecke eine Bushaltestelle.

Zum Kurs: sämtliche Kurse des Schreibzentrums sind nur für Studierende der RWTH zugänglich.

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