„Ich liebe dieses Land“ von Peter Turrini

Im zweiten und dritten Semester haben wir bereits je eine Lektüre gelesen (Der Sandmann sowie Kabale und Liebe). Auch nun im vierten Semester müssen wir wieder etwas lesen, doch diesmal hat die Lehrerin zum Glück nichts Altes für uns ausgewählt, sondern ein modernes Drama, was thematisch auch gut passt: “Ich liebe diesesLand*” von Peter Turrini. Weder Titel noch Autor waren mir vorher bekannt, daher war ich neugierig, was da auf mich zukommt. Ich habe es auf jeden Fall direkt, nachdem uns der Titel und die ISBN gesagt wurde, bestellt. Schnell gelesen war es auch.

Das Stück des Österreichers wurde 2001 in Berlin uraufgeführt.

Unterteilt ist das Theaterstück in drei Akte. Im ersten Akt befinden wir uns in einem Häftlingszimmer im Abschiebegewahrsam. Dort treffen wir erst auf den “Schwarzen” (später erfährt man, dass sein Name Beni Jaja ist) und eine polnische Putzfrau, Janina. Schließlich treten noch ein Wachebeamter, Arzt, Psychologe, Journalist sowie der Polizeipräsident und seine Frau auf.
Der darauffolgenden Akt spielt in Janinas Wohnung. Die auftretenden Personen sind zunächst Beni und Janina und am Ende der Polizeipräsident.
Der dritte Akt spielt in einer Gefängniszelle, wo Beni nun gemeinsam mit zwei weiteren Männern sitzt.

Worum es geht

Wie es sich für ein offenes Drama gehört, sind wir direkt im Geschehen. Die Putzfrau und Beni treffen aufeinander. Weil Janina selber Erfahrungen als Flüchtling gemacht hat, versucht sie, dem Fremden zu helfen. Doch Beni erfährt nicht nur Hilfe, sondern auch Fremdenhass. Der Wachbeamte zeigt seine Abneigung gegenüber Ausländern ganz deutlich. Im weiteren Verlauf lernt der Leser noch weitere Personen kennen, wie zum Beispiel den Arzt, der eine Analvisitation machen muss, um zu überprüfen, ob Beni Drogen geschmuggelt hat. Der Psychologe versucht, zu Beni durchzudringen und der Journalist und die Fotografin suchen eine sensationelle Story. Auch der Polizeipräsident und seine Frau schauen vorbei, um sich Beni anzusehen. Die beiden kommen gerade von der Loveparade. Die Frau des Präsidenten demütigt den jungen Flüchtling und Beni wehrt sich.
Wie bereits angedeutet, geht es um Flüchtlinge/Einwanderung sowie Rassismus. Beni gelingt es, aus der Abschiebehaft zu fliehen, nachdem er die Frau des Polizeipräsidenten erschlagen hat und landet bei Janina, die ihn mit mütterlicher Fürsorge aufnimmt und sogar ein Gespräch mit ihm führen kann. Sie will ihm helfen, ihm die Sprache beibringen und hat die Hoffnung, dass er bleiben kann. Bei dem Gespräch erfährt man mehr über Beni und seine Flucht aus der Heimat. Doch dann taucht plötzlich der Präsident auf, der Beni verhaften lässt.

Der letzte Akt spielt somit in einer Gefängniszelle, die Beni sich mit zwei weiteren Männern teilen muss. Das Ende ist offen, man erfährt also nicht, was nun mit Beni geschieht.

Meinung

Ein wenig komisch habe ich ja schon geschaut, als ich die ersten Seiten begonnen habe, zu lesen. Janina “spricht” wirklich so, wie man es sich vorstellen kann. Ein Beispiel: “Wenn ich Ihnen erzähle Geschichte von Ketchup, dann Sie verstehen mich.” Das geht wirklich die ganze Zeit so. Man sollte meinen, das sei anstrengend beim Lesen. Das war es zwar auch, aber diese Art sorgte auch für Lebendigkeit.
Auch muss man sich an den Ton der anderen Personen gewöhnen. Es wird Alltagssprache gesprochen, aber auch derbe Wörter verwendet. Es ist eben nicht “Kabale und Liebe”.
Viel besser als die vorherigen Lektüren hat mir “Ich liebe dieses Land” gefallen. Obwohl das Thema ja ein sehr ernstes ist. Aufgeheitert wird das ganze durch die Art, wie Janina spricht.

Ein wirklich interessantes Buch über ein wichtiges Thema. Die Ausgabe enthält zudem viele Materialien wie beispielsweise Briefe von Turrini an bekannte Personen.

Mehr über den Schriftsteller könnt ihr unter anderem auf der Verlagsseite erfahren.

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