Kreatives Schreiben: Assoziationen zu Bildern

Im Literaturkurs schreiben wir immer mal wieder zu Bildern. Bilder sind, ähnlich wie Musik, ein guter Schreibanstoß. Das Problem ist allerdings, wie eigentlich immer beim Schreiben, dass man auch gerne mal eine Blockade hat und keine Einfälle hat. So saß ich im Unterricht, starrte auf das von mir ausgesuchte Foto eines Baumhauses in den Schweizer Alpen und mir fiel nichts ein.
Erst eine Woche später, als ich für mein Englischreferat zum Thema „Detective Fiction“ recherchierte, hatte ich DIE Idee.

Die Nacht brach herein in den Alpen. Es war kühl und das Feuer war erloschen. Eingewickelt in einer Decke stieg sie die Strickleiter zum Baumhaus hinauf. Ohne Licht konnte sie kaum das Ende der Leiter ausmachen, doch zum Glück war sie schon unzählige Mal hier rauf geklettert.

Oben angekommen, zündete sie eine Kerze an. Davon hatte sie genug, denn als sie sich für ein Leben ohne Strom entschieden hatte, schenkten ihre Freunde ihr jede Menge Kerzen in allen möglichen Größen und Farben. Manche dufteten nach Rose, Früchten und Waschmittel. Andere erinnerten sie an Weihnachten. Die Kerze, die nun brannte, roch einfach nur nach Wachs. Der helle Schein der Flamme ließ die Umgebung flackern und tauchte das Baumhaus in warmes Licht. Sie wusste, dass es nicht klug war, im Dunkeln eine Kerze anzuzünden und somit Fremden zu zeigen, dass hier jemand war. Dass sich nachts jemand dort im Wald rumtrieb, hatte sie schon vor längerer Zeit beobachtet. Deshalb zog sie jeden Abend, wenn sie nach oben stieg, die Leiter hinauf. Trotzdem war sie nicht von Eindringlingen geschützt, denn wer klettern konnte, kam irgendwie hier rauf.

Müde schlüpfte sie in den Schlafsack und beobachtete die Kerze. Ihr Schein wirkte beruhigend auf sie und schon bald schlief sie ein.

Eine dunkle Gestalt schlich durch das Unterholz. Was er um die Schulter trug, war nicht zu erkennen. Zu dunkel war es in dieser Nacht. Die dichten Wolken bedeckten den Sternenhimmel und machten es dem Mond so unmöglich, den Wald zu erleuchten.
Es knirschte und knackte in der Nähe des Bauhauses. Für sie war das an sich nichts Ungewöhnliches, da nachtaktive Tiere die Gunst der Stunde nutzen, um zu jagen. Schon oft hatte sie ein Reh gesehen oder einen Luchs. Deshalb beunruhigte sie das Geräusch nicht.
Von ihrem Platz konnte sie durch die Bretterwand hinaus schauen. Doch sie sah nur Dunkelheit. Kein Schatten huschte über die kleine Lichtung unter ihr. Ihr Blick wanderte an den Bäumen entlang. Auch dort war es dunkel.

Plötzlich erregte ein winziges Licht im Baum gegenüber ihre Aufmerksamkeit. Da war jemand. Er konnte das Baumhaus sehen, denn der Kerzenschein verriet es. Er war nun schon so lange auf der Suche nach ihr. Lange hatte er das Baumhaus beobachtet, um sicherzugehen, dass auch wirklich sie darin lebte. Jetzt hatte er sie endlich gefunden.

© Verena Grouls
Unerlaubtes Kopieren und Weiterverwenden ist nicht erlaubt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.