Über Online-Comics, Magie & das Schreiben – ein Interview mit C. Grabfels

Zur Abwechslung habe ich heute mal ein Interview für euch. Viel Spaß damit!

Kennengelernt haben Beate (aka C. Grabfels) und ich uns vor ein paar Jahren beim Schreibtreffen. Damals hat sie noch an der RWTH Sprach- und Kommunikationswissenschaft sowie Literaturwissenschaft studiert, mittlerweile arbeitet sie als Marketing Managerin bei einer Aachener Firma. Das Schreiben und Zeichnen ist ihr Hobby, sie ist außerdem auf diversen Conventions zu finden (z.B. EpiCon 2018 in Münster, FeenCon 2018 in Bonn).

Werke unter dem Pseudonym C. Grabfels

Warum Beate unter einem Pseudonym schreibt und veröffentlicht, hat sie mal auf ihrer Internetseite erklärt.

Erschienen ist bereits „Sileon: Episode 1: Zum Achsbruch*“. Ebenfalls erhältlich ist die Kurzgeschichtensammlung „Kaleidoskop*“. 

Beate als artificus

Ihren Online-Comic PLEx könnt ihr gratis auf dem dazugehörigen Blog lesen. Um nichts zu verpassen, freut Beate sich bestimmt über ein paar Likes auf ihrer Facebook-Seite

Das Interview

Wann hast du mit dem Schreiben begonnen? 

Ich muss so um die 12-13 Jahre alt gewesen sein. Da habe ich eine erste Kurzgeschichte geschrieben und hatte wahnsinnig Spaß daran. Danach habe ich mich direkt an meinem ersten „Roman“ versucht – damals noch per Hand geschrieben. Nach 20 Seiten habe ich aufgegeben, weil ich gar kein klares Konzept hatte, wohin sich die Handlung entwickeln sollte. 

In den folgenden Jahren habe ich diverse Geschichten angefangen und nie beendet – und dann bin ich mit 16 auf Fanfiction gestoßen. Das war ein völlig neues Konzept für mich: Ich durfte einfach bereits bestehende Welten und Figuren nutzen? Ich muss mir nicht alles selbst ausdenken? Bis 2012 habe ich sehr ambitioniert in verschiedenen Fandoms geschrieben, bis ich darauf keine Lust mehr hatte. Das, was mich an Fanfiction so gereizt hatte, nämlich Bestehendes weiterzuentwickeln, entpuppte sich letztendlich als Hemmnis, weil ich die Welt und die Figuren eben nicht nach Belieben ändern konnte – mir fehlte die Kontrolle. Ich ertappte mich irgendwann dabei, dass ich nur noch über meine eigenen Figuren schrieb, die sich zufällig in dieser Fandom-Welt bewegten – da konnte ich auch gleich meine eigenen Geschichten schreiben. 

Dennoch bereue ich die Fanfiction-Zeit nicht. Dadurch, dass ich weniger Energie in Worldbuilding investieren musste, habe ich sehr viel über Plotten, Spannungsaufbau und Spannungsbögen gelernt. Das direkte Feedback nach jedem Kapitel hat mich motiviert und mich mein bis dahin größtes Projekt durchhalten lassen. Darum ist Sileon auch eine Tridecimologie (13 Bände) – jeder Band ist zwar etwas kürzer, dafür bekomme ich schneller Leserfeedback und bleibe motiviert. 😉

Hast du besondere Schreibrituale? 

Fast jeden Dienstag treffe ich mich mit unserem Schreibtreff. Das ist auch das einzige Ritual, das sich bisher entwickelt hat. Ansonsten bin ich eher genügsam – ich schreibe prinzipiell überall: In der Mittagspause, im Zug, im Garten, im miefigen Dampf eines Fastfood-Restaurants … Hilfreich dabei ist, dass ich auch beruflich texte – dadurch verliert man die Hemmungen beim „Runterschreiben“.

Wie ist Sileon entstanden? Wieviel Mate und Kakao sind dabei draufgegangen?

Zuerst zu Mate und Kakao: 92,647 Liter. Das ist eine grobe Schätzung. 😉

Zur Entstehung von Sileon muss ich ein wenig ausholen (oh nein!): 2009 habe ich ein Projekt mit dem Arbeitstitel „Schwarzer Drache“ begonnen. Mein Anspruch war, einen etwas anderen Fantasy Roman zu schreiben – keine gutaussehenden Helden mit reinem Herzen, sondern Protagonisten mit zweifelhaftem Charakter und eine Welt komplett ohne Magie. Ich wollte damit einen Gegenentwurf zu den High Fantasy Romanen schaffen, die ich als Teenie und junge Erwachsene häufig gelesen habe. Bis mir aufging, dass solche Konzepte längst existierten (z.B. Historische Fantasy). Als ich dann nach 2 Jahren der Planung noch immer kein zufriedenstellendes Ende hatte und für den Klimax/End Fight letzten Endes doch auf Magie zurückgreifen musste, habe ich das Projekt für gescheitert erklärt. Das hat geschmerzt, denn ich mochte die Figuren und viele der Ideen sehr gerne.. 

In meinem Frust habe ich mich hingesetzt und erst mal analysiert, was schief gelaufen ist. Mittels der sogenannten Kopfstand-Methode habe ich dann das Gegenteil von dem gemacht, was nicht geklappt hat – denn das müsste dann ja wiederum funktionieren. Statt also eine Welt komplett ohne Magie zu schaffen, sollte es viel zu viel Magie geben. Und statt einen Heldenreise-Plot zu erzählen, wollte ich Figuren haben, die stationär verankert sind, also immer wieder „nach Hause“ an ihren Ausgangspunkt kommen. Der erste Entwurf für Sileon stammt aus 2012. Zuerst ging es da noch um eine Königin von Ende 40, die alles erreicht hat. Auf ihre alten Tage will sie noch etwas erleben und schließt sich darum einer Räuberbande an. Die Räuberbande ist ziemlich genau 1:1 Sileon und sein Team. Aus der Königin ist letztendlich Hilda, die Krämerin von gegenüber geworden. „Schwarzer Drache“ dient aber weiterhin als Fundis für Figuren, Plotpoints und andere Ideen – die Arbeit an diesem Projekt war also nicht vergebens! 

Du hast das Cover für Sileon selber gestaltet und auch die Illustrationen stammen von dir. Wie lange hast du daran gearbeitet? 

Ich sollte mir angewöhnen, diese Zeiten zu erfassen. Ich weiß es nicht. Das Cover ging am schnellsten, da habe ich komplett mit Nachbearbeitung und Korrekturen vielleicht 3 Stunden dran gesessen. Für die Illustrationen habe ich schätzungsweise 20 Stunden oder mehr gebraucht. Von der Zeitspanne her habe ich vom Oktober 2017 bis Januar 2018 daran gearbeitet – aber natürlich nicht jeden Tag. Wobei ich viele der Skizzen für Episode 1 schon lange vorher gezeichnet hatte.

Wie funktioniert das eigentlich, ein Buch selber zu verlegen? Welche Kosten kommen da auf einen zu? Was muss man beachten?

Wie genau das funktioniert, weiß ich selbst nicht so genau. XD Ich nutze den Dienst „Books on Demand“ – die kümmern sich um die Veröffentlichung auf sämtlichen Online Marktplätzen, die ISBN, das Belegexemplar für die deutsche Nationalbibliothek und ermöglichen es außerdem jeder Buchhandlung, das Buch zu bestellen. Die Veröffentlichung ist prinzipiell kostenlos – die behalten allerdings einen Großteil des Kaufpreises ein, was auch logisch ist, schließlich haben sie den ganzen logistischen Aufwand und die Druckkosten.

Trotzdem ist allein die Erstellung eines vernünftigen Buches nicht billig. Ich habe 500,- € in ein professionelles Korrektorat von Episode 1 investiert. Wenn noch das Lektorat dazu kommt, wird es deutlich teurer. Glücklicherweise habe ich eine Freundin, die Lektorin ist. Ich kenne sie noch aus der Vereinszeit bei ArtMacoro, wo ich ebenfalls als Lektorin tätig war. Ich lektoriere ihre Texte und sie lektoriert dafür meine. Darum konnte ich hier Kosten sparen.

Beachten sollte man den Drucksatz! Wenn man den unbedingt selbst machen will, sollte man nicht geizen und Probedrucke in Auftrag geben – gedruckt sieht es immer noch anders aus als als Datei. Bei Episode 1 von Sileon war beispielsweise die PDF-Datei für den Druck defekt, was erst beim Probedruck rauskam.

Und Marketing – das kosten v.a. Zeit. Wer nichts von der Existenz eures Buches weiß, kann es auch nicht kaufen. Ich habe mich aktuell bewusst gegen Marketing entschieden – erstens weil ich den Sommer über auf nervenaufreibender Jobsuche gewesen bin, und zweitens weil erst ein Band von Sileon fertig ist. Entsprechend schleppend läuft der Online Verkauf. Sobald die ersten drei Bände veröffentlicht sind, habe ich ein stärkeres Verkaufsargument und kann ein vernünftiges Marketing-Konzept aufstellen. 

Neben Sileon ist auch „Kaleidoskop“ als ebook und gedrucktes Buch erhältlich. Hast du an beiden Projekten gleichzeitig gearbeitet?

In der Tat. Auslöser war mein Austritt bei ArtMacoro. Dort hatte ich zuvor mit viel Energie einen Beitrag für eine Anthologie verfasst – obwohl ich den Drucktermin für Sileon vor Augen hatte und mich eigentlich darauf hätte konzentrieren müssen. Wegen „kreativer Differenzen“ kam meine Geschichte leider doch nicht für die Anthologie in Betracht. Da hatte ich also nun diese wirklich schöne Geschichte, bei der ich mir so viel Mühe gegeben hatte, und wollte einfach nicht einsehen, dass sie ihr Dasein in der Schublade fristen sollte. Also habe ich aus besagter Schublade (oder eher Datei-Ordner) alle anderen Kurzgeschichten rausgekramt und die besten in diesem kleinen Büchlein zusammengestellt. Das fühlte sich sinnig an: Das Kaleidoskop begleitet mich als Bild schon ewig, und endlich konnte ich es sinnvoll einsetzen. 

Worum geht es in „Kaleidoskop“?

„Kaleidoskop“ ist eine Kurzgeschichtensammlung. Die Geschichten sind zwischen 2011 und 2017 entstanden und unterscheiden sich stilistisch und thematisch sehr voneinander. Darum gibt es keine Handlung im wörtlichen Sinne. Eingeklammert wird das Ganze vom Konzept des Kaleidoskops, das nur eine fraktale, zersplitterte Sicht auf die Welt zulässt. Trotzdem sind die Eindrücke deswegen nicht weniger wahrhaftig. … OK, ich schwafel schon wieder. XD Gesagt sei nur, dass mich der Zusammenhang zwischen Kunst, Wahrheit und Wahrhaftigkeit fasziniert, ich eine konstruktivistische Weltsicht habe, und ich sehr viel über das Spannungsverhältnis von Kultur und Zivilisation nachdenke (mein Lieblingsbuch ist übrigens Fahrenheit 451). 

„Kaleidoskop“ enthält makabrere, aber auch lustige Geschichten – so viel kann man wohl sagen. 

Dann gibt es noch PLEx, einen Online-Comic. Worum geht es da? Wird es den auch in Zukunft gedruckt geben?

PLEx ist eine Geschichte über drogen-dealende Aliens auf der Erde. Die Droge, die sie dealen, ist Zucker. Den gibt es hier natürlich reichlich, aber im Rest der Galaxie ist er ausgesprochen selten und nur sehr schwer zu synthetisieren. Also steigen ein paar verfolgte Außerirdische ins interstellare Drogengeschäft ein.

Den Prolog gibt es sogar exklusiv als Print – irgendwie muss ich ja an Geld kommen. 😉 Getarnt als Unterrichtseinheit in einer Alien-Schule, erfährt man die trockenen Fakten über die Alienspezies, um die es geht. Ich habe leider keine andere Möglichkeit gefunden, die Infos unterhaltsam in der Haupthandlung unterzubringen. 

Sobald genügend Seiten fertig sind, werde ich auch die Haupthandlung als Heft drucken lassen – bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg (aktuell ist erst Seite 10 veröffentlicht).

Und was ist mit „Overcome“? Hast du da schon konkrete Pläne, wann der Comic erscheinen wird?

Das ist ein Herzensprojekt, für das ich so schnell keine Kapazitäten frei habe (ich muss das mal von der Webseite nehmen ^^). Ich bin noch unschlüssig, ob es ein richtiger Comic, oder eher eine Graphic Novel wird. Die Schwierigkeit ist, dass ich gerne ohne Dialoge arbeiten möchte, schließlich spielt die Geschichte Unterwasser und handelt von zwei unterschiedlichen Spezies … Ich werde hier also noch eine Weile in der Konzeptionsphase sein – zumal ich noch kein optimales Ende gefunden habe.

Was planst du für die Zukunft? Wirst du 2019 auf Conventions anzutreffen sein? Und gibt es Merchandise zu deinen Comics und Büchern?

Ich musste mir ja unbedingt solche MONSTER von Projekten aufladen! XD Damit will ich sagen: 2019 werde ich einfach weitermachen wie bisher. Sileon Episode 2 und 3 rausbringen und hoffentlich das erste Kapitel von PLEx abschließen. Wenn ich es dann noch schaffe, die eine oder andere Kurzgeschichte für Kaleidoskop 2 zu schreiben, bin ich happy.

Messen und Conventions wollte ich eigentlich aussetzen, bis ich mehr Bücher veröffentlicht habe – aaaaaber es gibt da so ein paar Messen, da würde ich wirklich gerne hin. Kurz: Es steht noch nichts fest.

Hast du Tipps für Illustratoren/Autoren, die noch in der Anfangsphase stecken, aber gerne veröffentlichen möchten?

Sowohl für Autoren als auch für Illustratoren gilt: Sucht euch Leute, die euch vernünftiges, also ausführliches Feedback geben – auch wenn euch nicht passt, was sie sagen! Ihr müsst nicht alles umsetzen, was kritisiert wird, aber es zeigt euch neue Perspektiven auf und bringt euch auf jeden Fall weiter.

Illustratoren würde ich raten, einfach mal auf die ersten Conventions zu fahren – es gibt viele kleine Messen, bei denen die Tische recht günstig sind. So lernt man, wie man sein Produkt verkauft und wo ihr euch am besten verortet – ich habe z.B. festgestellt, dass ich gar nicht erst auf Japan- und Manga-orientierte Messen zu fahren brauche – die gibt es zwar wie Sand am Meer, aber die Zielgruppe interessiert sich nicht für meine Produkte. Bei richtigen Comicmessen lief es immer sehr viel besser.

Bei Autoren wird es schwieriger, aber hier ist es dank eBooks mittlerweile ja recht leicht, etwas zu veröffentlichen – das sollte aber nicht dazu bewegen, einen Schnellschuss zu wagen. Bei Texten ist die Veröffentlichung der letzte, ultimative Schritt – da muss wirklich alles passen. Unterschätzt also nicht die Macht der Nachbearbeitung/Korrektur und nehmt euch ausreichend (viel, viel, viel, viel) Zeit dafür. Ich kann das gar nicht genug betonen.

vielleicht interessiert dich auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

ich stimme zu