Einen Monat kein Instagram & Twitter: eine Bilanz

Ab und zu brauche ich eine Pause von Social Media. Das habe ich zu Beginn der Pandemie gemerkt und vor Kurzem war es auch wieder soweit. Spontan habe ich irgendwann im Juli beschlossen, die nächste Zeit Instagram und Twitter nicht zu nutzen. Denn die beiden Apps nutze ich sehr häufig, besonders Instagram. Komplett auf die Netzwerke verzichten, möchte ich nicht. Stattdessen möchte ich bewusster mit ihnen umgehen und mir klar werden darüber, was sie mit mir machen, wenn ich mal wieder doomscrolling mache.

Meine Beziehung zu Twitter

Als ich mich Ende 2008 bei Twitter registriert habe, war dieses Social Media in Deutschland noch sehr neu. Ich habe dort viele Leute kennengelernt und phasenweise war ich sehr aktiv auf Twitter. Das Problem ist, dass ich dort stundenlang versinken kann. Vor allem sind Threads sehr gefährlich. Da scrollt man und scrollt und liest, was andere zu einem Thema schreiben. Das führt oft dazu, dass ich mich aufrege oder dass meine Angst getriggert wird. Vor allem Corona hat mir das deutlich gemacht. Das war der Grund, weshalb ich im Frühjahr 2020 eine dringende Pause brauchte und auch die Tageszeitung nicht mehr gelesen habe.

Das Problem: Der ständige Konsum von Nachrichten, besonders von schlechten bzw. schlimmen Nachrichten, Dinge, die ich nicht lesen sollte, weil sie meine Angst nur noch mehr fördern — das tut mir einfach nicht gut. Da hilft auch das Muten bestimmter Hashtags nicht, da nicht jeder sie nutzt. Ich ja auch nicht.
Ich könnte sämtlichen Accounts entfolgen, die Nachrichten oder Links zu Artikel oder Meinungen, Informationen etc. retweeten. Aber dann dürfte ich niemandem folgen, denn irgendjemand wird immer mal wieder was retweeten.

Die Lösung: erst mal Twitter meiden und erst wieder nutzen, wenn ich meine Angst so weit in den Griff hab, dass ich wieder damit umgehen kann. Danach sollte ich mir wieder ein zeitliches Limit setzen und die App am Laptop schließen. So komme ich nicht in die Versuchung, mich durch meine Timeline zu scrollen.

Meine Beziehung zu Instagram

Instagram benutze ich schon seit bestimmt schon zehn Jahren. Gab es die App nicht zuerst sogar nur für iPhone?
Damals habe ich sehr oft random Fotos hochgeladen und das über die Jahre so beibehalten. Anfangs waren es mehrere Fotos am Tag. Mittlerweile poste ich nur noch alle paar Wochen oder Monate was und ansonsten lade ich eine Story hoch.
Ich habe mehrere Accounts: meinen „Hauptaccount“ (@hanghuhn) und dann habe ich ja mal den Account zum Blog gestartet. Der sollte eine Art bookstagram-Account sein. Aber ich bin einfach nicht der Typ Mensch, der ästhetisch schöne Fotos von Büchern macht, alles ins rechte Licht rückt mit Requisiten und so. Zu viel Arbeit!
Meine künstlerische Seite zeige ich auf @notyetanotherartist. Angefangen habe ich mit Handletterings, aber irgendwie habe ich daran das Interesse verloren, zumal ich auch nicht so schwungvoll Buchstaben malen kann, wie andere. Also habe ich mich dem Zeichnen und Malen gewidmet und irgendwie festgestellt, dass ich sowas kann. Ich muss nur wollen. Außerdem finde ich, dass es in der Kunst kein richtig oder falsch gibt. Ich muss nicht perfekt malen können. Dann kann ich ja gleich ein Foto machen.
Letztes Jahr kamen dann noch digitale Zeichnungen dazu. Momentan stecke ich jedoch etwas fest und bin nicht so kreativ, wie ich es gerne hätte. Aber so ist das nun mal mit allen künstlerischen Tätigkeiten.

Das Problem: Es heißt zwar, dass auf Instagram nur schöne Seiten gezeigt werden, aber das stimmt so nicht ganz. Man muss nur den richtigen Leuten folgen. Trotzdem ist dieses Scrollen durch die ganzen Fotos sehr anstrengend und auch auf Instagram landen (mittlerweile) Nachrichten. Oder ich sehe, wie andere Spaß haben und dieses Corona irgendwie „vergessen“ zu haben. Wobei ich das mittlerweile verstehen kann. Denn ich war jetzt schon mehrfach wieder in diesem echten Leben da draußen mit Menschen und so und es ist sehr leicht, alles zu vergessen. Aber bis vor Kurzem habe ich mich das nicht getraut und daher hat Instagram mich, zusätzlich zu den Nachrichten, runtergezogen.

Die Lösung: Eine Pause und den Konsum überdenken. Wofür benutze ich Instagram? Was will ich erreichen und was will ich selber sehen? Ist es wirklich notwendig, jetzt dieses Bild zu posten oder diese Kleinigkeit mitzuteilen?

Sonnenblume; von mir in Procreate gemalt. Sie hat nichts mit dem Artikel zu tun, aber ich mag sie.

Was ich bisher gelernt habe

Manchmal stand ich einfach so im Haus rum und habe meine Instagram-Timeline durchgesehen. Hier was geliked und dort eine Story geschaut. Und wieder von vorne. Das ist mal für eine Minute ganz nett. Nicht aber, wenn daraus ein paar Minuten werden und ich darunter leide.

Ich muss nicht ständig Nachrichten lesen. Es passiert einfach so viel in der Welt. Diese dauernde Reizüberflutung ist nicht gut für mich. Es ist einfach viel entspannter, den Tag ohne Zeitung zu starten. Wenn es etwas Wichtiges gibt, informiert mein Mann mich schon.

Ich vermisse gerade nichts. Es gab zwar Momente, die ich gerne auf Twitter und Instagram geteilt hätte, aber ich bin stark geblieben. Gerne hätte ich nämlich meine Nähfortschritte gezeigt oder erzählt, dass ich das erste Mal nach über zwei Jahren wieder beim Frisör war oder dass ich nach über einem Jahr endlich den Freund von meinem Bruder kennengelernt habe. Oder dass ich angefangen habe, Swift zu lernen über Codecademy (hatte ganz vergessen, dass ich da einen Account hab – jetzt hab ich einen Pro Account). All das könnte ich im Blog schreiben oder (manches) einfach für mich behalten.

Eigentlich ist meine Pause nun rum, aber ich habe noch keine Lust, sie zu beenden. Außerdem fehlt mir ein Plan, damit ich nicht wieder in alte Muster falle.

Egal, wie ich nun weiter mache: ich werde berichten.


vielleicht interessiert dich auch