Eine Maus will hoch hinaus

Silhouette von Giraffe und Baum
Grafik von Christiane 

Es wird mal wieder Zeit für einen kleinen Text für die abc.etüden von Christiane. Diesmal sind die Wörter Giraffe, mondsüchtig und suchen vorgegeben. Die maximale Wortanzahl von 300 Wörtern habe ich irgendwie im Eifer des Gefechts ähm des Schreibens etwas übertroffen. Es sind nämlich 440 Wörter geworden. Ups.


„Ich will auf den Mond klettern,“ verkündete die kleine Maus. Ihre Mutter schaute sie mit großen Augen an. Sie waren gerade auf Futtersuche in einem Garten. Es war eine Vollmondnacht und der Mond erhellte ihnen den Weg. Groß und rund stand schaute er auf die Erdbewohner hinab. Die kleine Maus blieb stehen und stellte sich auf die Hinterbeine. Ihre Nasenspitze zuckte.
„Warum willst du denn auf den Mond?“ Die Mutter war an einer Wasserstelle stehengeblieben und nahm einen Schluck. In der Nähe, das wusste sie, stand auch ein Futterhaus für Vögel. Das war jeden Tag gefüllt mit Körnern und Sämereien.
Die kleine Maus folgte ihrer Mutter und kletterte an den Rand der Schale, um besser trinken zu können. Beinahe wäre sie hineingefallen, doch sie konnte sich gerade noch festhalten. Der Mond spiegelte sich in der Wasseroberfläche. Das Licht war fast silbern. Neugierig betrachtete die Maus die Spiegelung.
„Ich mag den Mond. Ich schau ihm gerne zu, wenn er aufgeht oder am Himmel steht. So wie jetzt. Manchmal träume ich von ihm. Frieda sagt, der Mond wäre aus Käse.“
Kopfschüttelnd trippelte ihre Mutter weiter. „Du bist mondsüchtig,“ sagte sie.
Die kleine Maus schnupperte an einer Blüte und knabberte ihre Blätter an. Kauend huschte sie hinter ihrer Mutter her. Sie hatte das Futterhäuschen erreicht und kletterte an dem Gestell hoch. Die kleine Maus tat es ihr gleich.
„Vielleicht kann ich von oben den Mond erreichen,“ überlegte die kleine Maus laut.
Oben angekommen probierten sie sich durch die Körner und Samen. Doch der Mond war leider immer noch viel zu weit weg.
„Frieda war letztens im Zoo und hat da ein Tier mit einem gaaaaanz langen Hals gesehen. Ich hab den Namen vergessen, aber ich glaube, das Tier kann damit den Mond anknabbern.“ Die kleine Maus setzte sich an den Rand und schaute wieder hinauf zum Mond. Eine kleine Wolke schob sich davor und verdunkelte den Himmel ein wenig.
Ihre Mutter setzte sich dazu. Sie hatte einen Sonnenblumenkern in der Pfote und hielt ihn ihrer Tochter hin.
„Das Tier heißt Giraffe,“ erklärte sie. Die kleine Maus nahm den Kern und biss ein Stück ab.
„Weißt du, ob das an den Mond rankommt?,“ fragte die kleine Maus kauend.
„Hab ich noch nie von gehört. Wenn sie das könnten, hätten sie den Mond doch bestimmt schon aufgegessen.“
Nachdenklich kaute die kleine Maus auf dem Kern und schaute weiter zum Mond.
„Vielleicht mögen Giraffen ja keinen Käse,“ sagte sie. „Aber ich mag Käse. Ich werde morgen zum Zoo gehen und an einer Giraffe hochklettern.“
Ihre Mutter schüttelte wieder nur den Kopf und ließ ihre Tochter in dem Glauben, sie könne über einen Giraffenhals den Mond erklimmen.

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