geschafft: die mündliche Abiprüfung

geschafft: die mündliche Abiprüfung

Eigentlich war ich ganz entspannt. Ich bin immer entspannt. Etwas Nervosität spürte ich, als ich am Dienstagmorgen aufgewacht bin. Es war dieses flaue Gefühl im Bauch. Am Tag zuvor hatte ich nur noch morgens einen Blick in Geschichte geworfen. Anschließend habe ich alles weggepackt.

Das flaue Gefühl blieb, als ich die Schule gegen zwanzig vor 8 betrat. Genug Zeit bis zur Prüfung. Um halb 9 begann die Vorbereitung. Als ich das Thema schon sah, wuchs meine Nervosität. Imperialismus. Ich las, markierte, machte Notizen. Der große Zeiger meiner Armbanduhr kam dem oberen Strich gefährlich nahe.

9 Uhr. Die eigentliche Prüfung. Ich saß meinem Fachlehrer gegenüber. Rechts saß ein anderer Geschichtslehrer, den ich noch aus der Einführungsphase kannte. Links die Lehrerin führte das Protokoll. Ich hatte 10 Minuten, um meine Aufgabe vorzutragen. Danach 20 Minuten Fragen beantworten.

Es war fürchterlich! Ich bekam keinen ganzen Satz zustande. Ich stammelte die Antworten, wusste teilweise nicht alles. Ich verknotete meine Finger, schaute dauernd nach unten auf meine Blätter. Mein Mund war trocken, aber ich wollte nichts von dem mir angebotenen Wasser nehmen. Eigentlich wollte ich viel lieber in einem Loch verschwinden.

Als es endlich halb 10 war und ich den Raum verlassen durfte, fiel mir ein Stein vom Herzen – nein, ein ganzer Brocken!

Gegen 16 Uhr erhielt ich die Note. Gerechnet habe ich mit dem Ergebnis schon. Es konnte keine 2 sein. Auch für eine 3 war ich zu schlecht. Trotzdem war ich sehr enttäuscht von mir selber – und bin es auch jetzt noch. Das hätte wirklich nicht sein dürfen.

Nächsten Monat bekommen wir die Noten der schriftlichen Prüfungen. Ich bin gespannt. In eine Abweichungsprüfung möchte ich ungern. Aber wer will das schon?

Abends beim Schreibtreffen habe ich mir erst mal meinen Lieblingscocktail gegönnt: Tequila Sunrise.

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