Kategorie: Texte

#WritingFriday: Der Garten

Die Schreibaufgabe, die ich heute bearbeite, lautet:

Erzähle aus der Sicht deines Balkons / deiner Terrasse. Wie sieht es da aktuell aus? Was könnte in den nächsten paar Tagen dort geschehen?

Ganz schön nackt sehe ich aus. So ganz anders als bis vor ein paar Monaten. Damals hat man mich meiner Disteln und Brennnesseln beraubt. Und noch anderes Zeug wuchs hier. Nun warte ich darauf, dass diese Frau mich schön macht, mit vielen Blumen beglückt und vielleicht auch einem kleinen Stück Rasen.

Manchmal besuchen mich Tiere. Letztens erst lag eine schwarz-weiße Katze auf mir und rollte sich auf den Rücken, um ihren Bauch sonnen zu können. Eine getigerte Katze saß ein bißchen entfernt am Teich und schaute immer wieder zu der anderen Katze hinüber. Der kleine Tiger balancierte am Teich entlang und trank daraus.

Ein anderes Mal lief ein Eichhörnchen quer durch mich durch. Früher haben die sich das nie getraut, weil ich einfach zu sehr an einen Urwald erinnerte und Katzen und Eichhörnchen nicht durch das Gestrüpp wollten. Jetzt lassen sich hier auch Vögel nieder und werfen mit Blättern um sich.

Der Teich hat sich übrigens auch sehr verändert. Während er im Spätsommer noch voll mit Wurzeln und zu vielen Wasserpflanzen war, ist er nun, bis auf Wasser und Blätter, die dort drin schwimmen, leer. Ich habe die Menschen sagen hören, dass sie sich im Frühling um mich kümmern wollten. Bisher ist aber noch nicht viel passiert und das Unkraut wuchert aus der Erde. Manchmal kommt die Frau und rupft etwas raus. Oder sie schneidet das Efeu weg oder die Zweige, die von den Nachbarn rüberwachsen.

Ich habe gehört, dass diese Frau im Internet Pflanzen bestellt hat und Samen. Ich weiß nicht, was genau sie vorhat. Aber ich glaube, sie möchte mich bienenfreundlich machen und generell eine kleine Oase gestalten. Anscheinend ist die Welt gerade krank und meine Freunde und ich können dazu betragen, dass die Menschen nicht völlig vereinsamen und den Verstand verlieren. Frische Luft und Gartenarbeit sind nämlich gut für die Psyche.

Jetzt bin ich gespannt auf diese Bestellung, von der die Frau gesprochen hat.

#WritingFriday ist eine Aktion von Elizzy. Die Aufgaben für März könnt ihr hier nachlesen. Auch für den nächsten Monat stehen die Schreibaufgaben schon fest.

#WritingFriday: Frühlingsanfang

Zwischen all den Nachrichten mit dem C-Wort, braucht es auch mal etwas Ablenkung, etwas Schönes. Denn auch wenn wir es vielleicht im Moment nicht so ganz wahrnehmen, es ist Frühling. Statt den Beginn meiner liebsten Jahreszeit mit einem Eis draußen zu genießen, sitze ich zuhause. Eigentlich sollte ich wenigstens etwas arbeiten, vielleicht Romanideen ausfeilen und am Blog werkeln. Doch meine Gedanken driften immer wieder ab und ich kann mich nicht konzentrieren. Für eine Weile kann ich mich beim Lesen eines schnulzigen Romans in eine fiktionale Welt träumen, in der es keine Sorgen gibt. Doch nach zwei Stunden, mein Rücken schmerzt schon von meiner liegenden Position auf dem Sessel, hebe ich den Kopf und mir wird schlagartig bewusst: die Welt ist im Ausnahmezustand!

Ich betrete die Terrasse und atme die Frühlingsluft ein. Es riecht süßlich nach den Blüten des kleinen Strauchs, den wir zur Hochzeit bekommen haben. Im Moment steht er noch in seinem Topf auf der Terrasse. Der Garten muss warten.

Es mag zwar blöd klingen, aber wenn es mir im Moment nicht gut geht, schaue ich hinaus aus dem Fenster. Dort sehe ich immer irgendwelche Vögel. Es ist Balzzeit. Mit etwas Glück schleicht auch eine Katze durch die Gegend. Diese kleinen Dinge sind es, die mir helfen, die mich beruhigen.

Deshalb habe ich für den WritingFriday von Elizzy ein Haiku geschrieben. Eine ihrer Aufgaben ist, den Frühlingsanfang einer blinden Person zu beschreiben. Ich hoffe, es gefällt euch.

Frühlingsanfang

Kitzelnde Sonnenstrahlen

wohlig warm auf der Haut.

Vogelgezwitscher in der Luft

Digital Detox – oder: einfach mal abschalten

Auch nach vielen Jahren habe ich noch Peter Lustigs Abschiedsworte nach jeder Sendung Löwenzahn im Kopf, zusammen mit seiner Geste: die drehende Hand, die den Knopf des Fernsehers ausmacht.

Heute ist es nicht unbedingt der Fernseher, der ausgemacht werden soll und wenn, wird das auch nicht durch Knopfdrehen gemacht. Ein kurzes Drücken einer Taste auf der Fernbedienung reicht aus. Aber heute geht es um eine ganze Reihe an Kanälen, die man einfach mal abschalten sollte. Nicht direkt das ganze Gerät, ein paar Apps nicht mehr anklicken, genügt schon. Das Handy in eine Ecke legen, in die man nicht so häufig schaut. Screentime auf dem iPhone und iPad aktivieren. Benachrichtigungen abschalten.

Es gibt ein paar Apps, die ich regelmäßig und oft auch sehr viel und lange benutze. Twitter und Instagram wären so ein Beispiel. Oder auf dem Laptop die Facebook-Seite (die App habe ich schon lange von meinen mobilen Geräten verbannt). Doch gerade in letzter Zeit machen mich diese Sozialen Netzwerke verrückt. Ihr könnt euch sicher denken, weshalb: die ganzen Meldungen um den Corona-Virus tragen nicht gerade dazu bei, dass ich mich beruhigt fühle, weniger Angst habe. Im Gegenteil, denn meine Angst, die nun seit 20 Jahren mein Begleiter ist, freut sich an jeder Eilmeldung, an jedem Tweet, in dem ein selbsternannter Virus-Experte seinen Senf dazu gibt. Aber auch Schlagezeilen in Zeitungen triggern mich. Ob es nun die BILD ist, die manchmal beim Bäcker ausliegt oder ein Bericht in der Tageszeitung. Den Bäcker kann ich nicht meiden, denn ich muss nun mal etwas essen. Zum Glück liegt dort nicht sehr oft das Klatschblatt aus. Aber wenn, zieht es meine Aufmerksamkeit auf sich, ob ich will oder nicht. Angst, Hass, Titten und der Wetterbericht. So besangen schon Die Ärzte diese „Zeitung“. Und ja, gerade in diesen Zeiten stimmt es mehr denn je. Es wird Hass geschürt, gegen Menschen gehetzt. Menschen, die eine andere Religion/Hautfarbe haben. Angst vor Viren. Es geht vor allem darum, Angst unter den Menschen auszulösen. Ob das, was in dem Heft nun steht, wirklich stimmt, ist egal. Hauptsache, die Leute kaufen das Blatt. Mit der Angst der Menschen lässt sich Geld verdienen.

Meine Angst war immer auf mehr oder weniger irrationale Dinge bezogen. Manchmal aber habe ich auch Angst vor Krankheiten. Auf Book Riot habe ich letztens einen Artikel gelesen zu dem Thema. Die Autorin beschreibt dort ihre Angst vor Krankheiten am Beispiel von Beths Tod in „Little Women“. Und ich kann es so nachfühlen.

Weil es mich so verrückt gemacht hat, auf Twitter ständig mit dem Virus konfrontiert worden zu sein, habe ich kurzerhand entschlossen, eine Weile auf Twitter, Instagram und Facebook zu verzichten. Außerdem lese ich auch keine Nachrichten mehr. Ab und zu informiert mein Mann mich, wenn es etwas Neues gibt. Aber er achtet dabei darauf, meine Angst nicht zu sehr zu triggern. Gibt es etwas Positives zu berichten, sagt er es mir. Gibt es etwas, was mich beruhigen könnte, sagt er es mir auch.

Warum ich auf Instagram verzichte? Nicht unbedingt wegen der Angst. Aber ich habe gemerkt, dass es nicht guttut. Dass ich nicht alles mit der Welt teilen muss, nicht jedes Foto. Nicht jeden Gedanken auf Twitter schreiben muss. Nicht alle Nachrichten auf Facebook verfolgen muss.

Es ist gerade mal eine Woche um. Nicht ganz, glaube ich. Und es tut gut. Meine Angst vor dem Virus ist noch nicht weg. Ich wohne im Bundesland mit den meisten Fällen, nicht sehr weit weg von dem Kreis, der wahrscheinlich zu einer kleinen Berühmtheit geworden ist. Ich möchte mich am liebsten verkriechen und erst wieder hervorkommen, wenn all das vorbei ist. Oder zumindest abgeschwächt.