Genre: Belletristik

Rezension: Der unsichtbare Garten

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Das Buch habe ich als Rezensionsexemplar von Bloggerportal erhalten, was aber in keiner Weise meine Rezension beeinflusst.

Übersetzer*in: Pauline Kurbasik

Originaltitel: Toutes les couleurs de la nuit

Verlag: Diana

Erscheinungsdatum: 25. Mai 2020

ISBN: 9783453292406

Genre: Belletristik

Format: Hardcover

gekauft bei/erhalten von: Bloggerportal

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Vincent wird erblinden. Eine seltene Augenkrankheit zerstört alle Träume, alle Zukunftspläne des jungen Mannes. Rastlos arbeitet er eine Liste an letzten Abenteuern und Wünschen ab. Erst bei einem Besuch auf dem Land findet er wieder zu sich. Er will den verwilderten Gemüsegarten seines Großvaters bestellen, solange er noch sieht. Und während er jätet, gräbt und sät, tritt Nachbarin Coline zwischen seine Cosmeen und Küchenkräuter. Wenn er sich einer Fremden öffnen kann, dann vielleicht auch einer Welt in neuen Farben?

Von heute auf morgen nichts mehr sehen können – das ist nur schwer vorstellbar. Vincent, der Protagonist in Karine Lamberts neuem Buch „Der unsichtbare Garten*“, erhält die erschütternde Diagnose: er wird in den nächsten Wochen erblinden.

Von jetzt auf gleich gerät sein ganzes Leben aus den Fugen. Seine Freundin, mit der er gerade zusammen ziehen und eine Familie gründen wollte, verlässt ihn. Seinen Job als Tennislehrer kann er auch an den Nagel hängen. Er verschenkt sein Fahrrad, will niemandem die Wahrheit sagen und zieht sich in das Haus seines vor zwei Jahren verstorbenen Großvaters zurück. Dort beginnt sein Leben so langsam wieder aufzublühen.

Meine Meinung zu „Der unsichtbare Garten“

Klingt nach einem schönen Roman, doch leider fand ich Vincent besonders am Anfang wenig sympathisch. Auf Fragen von anderen reagiert er komisch, was vielleicht auch an der Diagnose liegt, die er erst mal verdauen muss.

„Hier sind die Schlüssel für das Fahrradschloss, ich habe es hinter Ihren Wagen festgemacht, ich schenke es Ihrem Sohn.“

„Warum das denn?“

„Ich wandere nach Kambodscha aus.“

„Der unsichtbare Garten“, S. 37

„(…) Wohnen Sie in der Nähe?“

„Ich arbeite seit sechs Wochen an der Kasse im Schwimmbad“

„Der unsichtbare Garten“, S. 38

Kurz nachdem seine Freundin mit ihm Schluss gemacht hat, fährt er für ein paar Tage in die Berge und schläft dort mit einer Hotelangestellten. Die Unterhaltung vorher ist auch irgendwie merkwürdig.

„Monsieur, wollen Sie heute Abend hier essen? Wir haben gerade nur wenige Gäste, da würde ich gern der Küche Bescheid geben.“

Er kann ihre Gesichtszüge nicht erfassen, sieht nur, wie sich ihre Brüste unter dem dicken Pulli bewegen.

„Ihr Akzent gefällt mir. Sie sind nicht von hier, oder?“

(…)

„Machen Sie Käsefondue für nur eine Person? Achtung, wenn Sie mit Nein antworten, lade ich Sie ein.“

„Ich bin im Dienst, aber wir bereiten das Gericht für eine Person zu.“

(…)

„Ich wohne in Zimmer 12.“

„Der unsichtbare Garten“, S. 57–58

Die nächste Szene beginnt damit, dass sie das Licht ausschalten will, er sie zurückhält, weil er sie sehen will.

Entweder ist er die ersten Kapitel mit Absicht so unsympathisch und erst das Gärtnern und Gemüseanbauen im großväterlichen Garten und das Landleben macht ihn zu einem besseren Menschen. Aber für viele Kapitel kann ich mich einfach nicht mit Vincent anfreunden. Klar, die Diagnose und drohende Erblindung stressen ihn und er ist geschockt. Aber wird man da so umsympathisch?

Die Schreibweise ist eigentlich sogar sehr schön und die Idee hinter der Geschichte ist auch gut. Leider macht das aber Vincents Charakter kaputt. Auch von der Liste, die im Klappentext erwähnt wird und die er abarbeitet, ist nicht wirklich präsent. Es gibt tatsächlich diese Liste in Form von Tagebucheinträgen zwischendurch. Aber diese Liste ist am Anfang des Buches und danach eigentlich nicht mehr relevant.

Das Cover ist übrigens wirklich schön. Der Umschlag ist aus leicht transparentem Papier, sodass die bunte Pflanzenillustration auf dem Hardcover durchleuchtet.

Rezension: Das Glück zwischen den Dünen (Julia Rogasch)

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Das Buch habe ich als Rezensionsexemplar von NetGalley Deutschland erhalten, was aber in keiner Weise meine Rezension beeinflusst.

Das Glück zwischen den Dünen

Verlag: Forever

Erscheinungsdatum: Mai 2020

ISBN: 978-3-95818-553-1

Genre: Belletristik, Liebesgeschichte

Seiten: 250

Format: eBook

gekauft bei/erhalten von: NetGalley Deutschland

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Sophie hat alles, was sie sich wünscht: Einen tollen Job, einen gutaussehenden Verlobten und eine durchgeplante Hochzeit, die vor der Tür steht. Einzig dass die Feier auf Gut Marienlund stattfinden soll, gefällt Sophie gar nicht. Zu viele schlechte Erinnerungen verbindet sie mit dem Ort, wo einst ihre beste Freundin bei einem Reitunfall starb. Und überhaupt kümmert sich ihr Verlobter Philip herzlich wenig um ihre Wünsche. Da passt es ganz gut, dass Sophies leicht verschrobene Tante Änne sie zu einem Urlaub auf Sylt einlädt. Schon nach wenigen Tagen auf der Insel fragt Sophie sich, ob sie dieses perfekte Leben mit Philip wirklich will. Dann trifft sie auch noch Klemens wieder, ihren ehemaligen besten Kumpel von Marienlund. Und plötzlich zweifelt Sophie nicht mehr nur an der Hochzeit, sondern an allem, was ihr Leben bisher ausmachte…

(Leseprobe)

Frühling, warme Sonne auf der Haut, dazu ein gutes Buch, was den Leser in die Ferne träumen lässt. Die Autorin Julia Rogasch entführt ihre Leser von „Das Glück zwischen den Dünen“ (frisch erschienen bei Forever) nach Sylt. Auf meinem Beitragsbild seht ihr leider nicht Sylt und auch nicht Deutschland. Immerhin ist das Meer richtig: die Nordsee, genauer die niederländische Küste. Ich war bisher nämlich noch nie an der deutschen Nordseeküste.

Neben Sylt spielen Pferde ebenfalls eine große Rolle, denn die Protagonistin, Sophie, ist eine Pferdenärrin durch und durch. Zumindest gab es für sie nichts anderes, bis ihre beste Freundin Nele vor vier Jahren bei einem schweren Sturz gestorben ist.

Sophie steht kurz vor der Hochzeit, hat jedoch Zweifel. Ihr Verlobter will unbedingt, weil es so die Tradition verlangt, auf dem Gutshof seiner Familie heiraten. Doch genau dort ist Nele damals verunglückt.

Zu Beginn des Buches ist Sophie noch unsicher, weiß nicht genau, was sie vom Leben will, wohin sie will und überlässt ihrem Verlobten die Planung. Insgeheim hinterfragt sie zwar, ob es richtig ist, ihn zu heiraten, aber sie sagt nichts, sondern nickt stumm alles ab.

Ihre lebensfrohe Tante öffnet ihr bei einem Urlaub auf Sylt die Augen und auch Nele verhilft ihr mit einer Liste, die plötzlich in ihrem Briefkasten landet, zum Glück.

In „Das Glück zwischen den Dünen“ geht es um Familie, die Suche nach dem Glück und der Liebe. Sophie wächst im Verlauf des Romans und bewältigt ihre Trauer.

Was mich etwas gestört hat: Sophies Tante Änne versucht ihrer Nicht klarzumachen, dass sie ihre eigenen Wünsche ihrem zukünftigen Ehemann deutlich sagen soll (z. B. was die Planung der Hochzeit angeht, welches Dessert sie haben will, etc), aber gleichzeitig nimmt die Tante ihr die Entscheidung aus der Hand, als sie im Restaurant, was das Essen für die bevorstehende Hochzeit liefern soll, das Dessert ändert (auch wenn Sophie auch für diese Wahl ist, aber trotzdem! Hier lässt sich sich wieder eine Entscheidung abnehmen).

Stellenweise fand ich die Dialoge (z. B. SMS zwischen Sophie und ihrem alten Freund vom Reitstall) etwas altmodisch. Aber andererseits passt es auch zum gesamten Erzählstil, der sehr angenehm ist und ohne Wörtern wie cool oder ähnliche auskommt. Theoretisch könnte der Roman auch zu einer anderen Zeit spielen.

Wer schon mal auf Sylt war, erkennt sicher die Orte wieder, die im Buch erwähnt und besucht werden, und kann sich die Insel noch besser vorstellen. Die Insel klingt jedenfalls traumhaft, wobei sie bestimmt von Touristen nur so wimmelt.

Rezension: Die einzige Geschichte (Julian Barnes)

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Das Buch habe ich als Rezensionsexemplar von Kiepenheuer & Witsch erhalten, was aber in keiner Weise meine Rezension beeinflusst.

Das Buch enthält Sexszenen, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Gewaltszenen oder thematisiert Abtreibung
Die einzige Geschichte

Übersetzer*in: Getraude Krueger

Originaltitel: The only Story

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 14. Februar 2019

ISBN: 978-3-462-05154-4

Genre: Belletristik

Seiten: 304

Format: Hardcover

gekauft bei/erhalten von: Kiepenheuer & Witsch

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Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

»Die einzige Geschichte« ist ein tief bewegender Roman über die Liebe. Nach »Der Lärm der Zeit« und »Vom Ende einer Geschichte« beweist Bestseller-Autor und Man Booker Prize-Träger Julian Barnes aufs Neue, dass er ein Meister im Ausloten menschlicher Abgründe ist.

Das Buch habe ich nun schon vor einiger Zeit beendet, nämlich Anfang Juli. Seitdem schiebe ich die Rezension vor mich her. Weil ich nicht weiß, wie ich sie formulieren soll. Denn „Die einzige Geschichte“ von Julian Barnes ist anders als andere Romane. Statt einer strikten Zeitlinie zu folgen, erzählt Paul, der zu Beginn neunzehnjährige Ich-Erzähler, seine, die einzige Geschichte, eher so, als würde er seinem Leser von seinem Leben berichten. Von seiner Liebe zu der viel älteren Susan Macleod, verheiratet, zwei erwachsene Töchter. Für ihn gibt es nur sie: Susan, die seine Mutter sein könnte. Er geht im Macleod’schen Haus ein und aus. Die Affäre/Beziehung findet vor den Augen des Ehemannes statt. Die Ehe scheint sowieso nicht mehr so gut zu laufen, dennoch lässt sich das Paar nicht scheiden.

Paul erlebt seine erste Liebe, die gleichzeitig auch seine einzige sein wird. Trotz der Höhen und Tiefen, später sind es mehr die Tiefen, die die Beziehung ausmachen. Doch Paul will an ihr festhalten, will keine andere Frau. Egal, wie fertig es ihn macht, Susan später in einem keinen guten Zustand zu sehen.

Der Schreibstil ist locker. An späteren Stellen wechselt die Erzählperspektive. So, als müsse Paul Abstand nehmen von sich, von Susan, seiner einzigen Geschichte.

Immer noch finde ich es schwer, das Buch zu beschreiben und zu bewerten. Zum Teil zog sich das Lesen nur so dahin. Dann habe ich ein paar Seiten nur überflogen. Gegen Ende änderte sich das allerdings wieder und es wurde besser.

Pauls einzige Geschichte hat mich etwas traurig zurück gelassen. Er hat nur diese eine Liebe gehabt, keine andere auch nur in Erwägung gezogen. Trotz des Verfalls Susans. Trotz all der Probleme, die sie ihm doch irgendwie bereitet hat.