Publisher: Kiepenheuer & Witsch

Rezension: Die einzige Geschichte (Julian Barnes)

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Das Buch habe ich als Rezensionsexemplar von Kiepenheuer & Witsch erhalten, was aber in keiner Weise meine Rezension beeinflusst.

Das Buch enthält Sexszenen, Drogen- oder Alkoholmissbrauch, Gewaltszenen oder thematisiert Abtreibung
Die einzige Geschichte

Übersetzer*in: Getraude Krueger

Originaltitel: The only Story

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 14. Februar 2019

ISBN: 978-3-462-05154-4

Genre: Belletristik

Seiten: 304

Format: Hardcover

gekauft bei/erhalten von: Kiepenheuer & Witsch

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Die erste Liebe hat lebenslange Konsequenzen, aber davon hat Paul im Alter von neunzehn keine Ahnung. Mit neunzehn ist er stolz, dass seine Liebe zur verheirateten, fast 30 Jahre älteren Susan den gesellschaftlichen Konventionen ins Gesicht spuckt. Er ist ganz sicher, in Susan die Frau fürs Leben gefunden zu haben, alles andere ist nebensächlich. Erst mit zunehmendem Alter wird Paul klar, dass die Anforderungen, die diese Liebe an ihn stellt, größer sind, als er es jemals für möglich gehalten hätte.

»Die einzige Geschichte« ist ein tief bewegender Roman über die Liebe. Nach »Der Lärm der Zeit« und »Vom Ende einer Geschichte« beweist Bestseller-Autor und Man Booker Prize-Träger Julian Barnes aufs Neue, dass er ein Meister im Ausloten menschlicher Abgründe ist.

Das Buch habe ich nun schon vor einiger Zeit beendet, nämlich Anfang Juli. Seitdem schiebe ich die Rezension vor mich her. Weil ich nicht weiß, wie ich sie formulieren soll. Denn „Die einzige Geschichte“ von Julian Barnes ist anders als andere Romane. Statt einer strikten Zeitlinie zu folgen, erzählt Paul, der zu Beginn neunzehnjährige Ich-Erzähler, seine, die einzige Geschichte, eher so, als würde er seinem Leser von seinem Leben berichten. Von seiner Liebe zu der viel älteren Susan Macleod, verheiratet, zwei erwachsene Töchter. Für ihn gibt es nur sie: Susan, die seine Mutter sein könnte. Er geht im Macleod’schen Haus ein und aus. Die Affäre/Beziehung findet vor den Augen des Ehemannes statt. Die Ehe scheint sowieso nicht mehr so gut zu laufen, dennoch lässt sich das Paar nicht scheiden.

Paul erlebt seine erste Liebe, die gleichzeitig auch seine einzige sein wird. Trotz der Höhen und Tiefen, später sind es mehr die Tiefen, die die Beziehung ausmachen. Doch Paul will an ihr festhalten, will keine andere Frau. Egal, wie fertig es ihn macht, Susan später in einem keinen guten Zustand zu sehen.

Der Schreibstil ist locker. An späteren Stellen wechselt die Erzählperspektive. So, als müsse Paul Abstand nehmen von sich, von Susan, seiner einzigen Geschichte.

Immer noch finde ich es schwer, das Buch zu beschreiben und zu bewerten. Zum Teil zog sich das Lesen nur so dahin. Dann habe ich ein paar Seiten nur überflogen. Gegen Ende änderte sich das allerdings wieder und es wurde besser.

Pauls einzige Geschichte hat mich etwas traurig zurück gelassen. Er hat nur diese eine Liebe gehabt, keine andere auch nur in Erwägung gezogen. Trotz des Verfalls Susans. Trotz all der Probleme, die sie ihm doch irgendwie bereitet hat.

abgebrochen: „Alles, was ich weiß über die Liebe“ (Dolly Alderton)

Alles, was ich weiß über die Liebe

Übersetzer*in: Friederike Achilles

Originaltitel: Everything I Know About Love

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 14.02.19

ISBN: 978-3-462-05195-7

Genre: Biografie

Seiten: 336

Format: Klappenbroschur

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Ein warmes und witziges Memoir über das Erwachsenwerden und alle Lektionen, die man dabei lernt: Dolly Alderton, Shootingstar der englischen Literatur, weiß wirklich alles über desaströse Dates, chaotische Nächte und falsche Entscheidungen. Sie weiß, wie es ist, wenn einem das Herz gebrochen wird – aber auch, wie man es flickt. Denn vor allem erzählt Dolly so brutal ehrlich wie unfassbar komisch vom großen Glück der Freundschaften, die fürs Leben sind und nicht nur Lückenfüller zwischen Liebhabern. Dolly Alderton kennt alle Seiten der Liebe, die guten und die dunklen. Da ist der Guru, der tief in ihr Inneres schauen kann und der sich am Morgen nach der lang ersehnten ersten Nacht doch aus dem Staub macht. Oder ein dubioser Kerl in New York, der sie zu einem Dreier überreden will. Oder der verplante Hippie, für den sie sich die Haare abrasiert. Und dann stellt Dolly plötzlich fest, dass es Liebe auch ganz anders gibt und dass die Freundschaften mit ihren Mädels ihr mehr über die Liebe beigebracht haben als alle Männer. Freundinnen, die für einen da sind, wenn man nicht weiß, wovon man die Miete zahlen soll, wenn eine Beziehung zerbrochen ist oder die Rod-Stewart-Mottoparty nach hinten losgeht.

In ihrem eigenen, ehrlichen wie humorvollen Stil verwebt Dolly persönliche Erlebnisse und witzige Anekdoten mit scharfsinnigen Reflexionen darüber, was es heute heißt, eine Frau zu sein. Wie es ist, auch mal alleine, doch nie einsam zu sein. Und sie schreibt eine großartige Liebeserklärung – an das Leben.

Dieses Jahr habe ich’s aber mit dem Bücherabbrechen.

„Alles, was ich weiß über die Liebe“ ist die Biografie von Dolly Alderton, eine britische Journalistin, die bereits für zahlreiche Zeitschriften geschrieben hat. Sie ist drei Jahre jünger als ich (kleiner Tipp: ich bin 33). Das Alter zu wissen, finde ich immer sehr interessant. Vor allem, wenn es sich um Biografien handelt.

Das Buch beginnt mit der Zeit, als Dolly mit dem MSN Messenger in Berührung kommt. Den nutzt sie, um mit Jungs aus der Schule oder Jungs, die Mitschülerinnen kennen, in Kontakt zu kommen. Ich habe den Messenger auch früher benutzt, allerdings war ich immer mehr ein Fan von ICQ. Trotzdem: soweit kann ich Dolly noch folgen. Ich habe früher, mit 16/17, viel Zeit in diesen Messengern und Chat-Räumen verbracht. Was sollte ich auch machen? Freunde hatte ich fast keine, ich ging auch eher selten raus. Gut, dass es da schon das Internet gab!

Wo ich dann allerdings bei dem Buch nicht mehr mitkam, waren Sachen wie:

  • mit 10 Jahren das erste Mal getrunken sein (ich hätte mich gar nicht getraut! Und Gelegenheiten gab es auch keine.)
  • Drogenkonsum/Rauchen (auch hier gilt: ich hätte mich nicht getraut und traue mich auch jetzt nicht. Außerdem kannte ich nicht die „richtigen“ Leute. Was auch gut so ist.)
  • Studieren wegen der Partys, ganze Nächte durchfeiern
  • Partys, Partys, Partys
  • mit sämtlichen Männern rummachen auf besagten Partys

Okay. Mir wurde es dann einfach zu viel Party und Gesaufe. So wie sie das beschreibt, hat sie da wohl ein mittelschweres Problem mit dem Alkohol gehabt.

Beim Lesen habe ich mir überlegt, wie ich in dem Alter war, als sie zur Schule ging und schließlich mit dem Studium angefangen hat. Ich war nie so. Weder wollte ich so schnell wie möglich jemanden küssen, noch Sex haben, noch Party machen. Aber da ist jeder anders. Wenn man, wie ich, mit 14 Jahren eine Angststörung bekommt und Panikattacken in der Schule, im Bus, nachts im Bett, draußen auf der Straße, beim Einkaufen, … – also, da hat man keine Zeit, sich Gedanken um die Jungfräulichkeit zu machen. Geschweige denn auf Partys zu gehen. Mit 18 sah es dann auch nicht besser aus mit Ausgehen. War ich ein langweiliger Teenager? Vielleicht, aber who cares?

Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie jemand nächtelang durchfeiern kann, an einem Abend mit mehreren Männern rummachen, Drogen nehmen, saufen. Und nebenbei studieren. Kein Wunder, dass Studenten nachgesagt wird, sie würden nur wegen der Partys studieren. Für manche scheint das auch tatsächlich zu gelten. Aber es sind nicht alle so!

Das Buch habe ich übrigens vom Verlag zugeschickt bekommen – vielen Dank dafür! Es tut mir deshalb umso mehr Leid, dass ich es abbrechen musste.

© Cover: Kiepenheuer & Witsch

Rezension: Frau Einstein (Marie Benedict)

Frau Einstein

Übersetzer*in: Marieke Heimburger

Originaltitel: The Other Einstein

Verlag: Kiepenheuer & Witsch

Erscheinungsdatum: 15. Februar 2018

ISBN: 978-3-462-04981-7

Genre: Historischer Roman

Seiten: 368

Format: Hardcover

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War Albert Einsteins erste Frau Mileva Maric das eigentliche Genie in der Familie?Dieser Roman rückt zum ersten Mal Mileva Maric in den Mittelpunkt der Geschichte um die Entdeckung der Relativitätstheorie. Die erste Frau des Nobelpreisträgers war maßgeblich beteiligt an seinen wissenschaftlichen Errungenschaften. Marie Benedict zeichnet eine atemberaubende Liebes- und Emanzipationsgeschichte nach, die Albert Einstein in ein völlig anderes Licht stellt.Zürich 1896: Mileva Maric, aufgewachsen in ärmlichen Verhältnissen in Serbien, ist eine der ersten Frauen, die am Polytechnikum studieren dürfen. Gegen alle Vorurteile und Widerstände gehört die ehrgeizige junge Frau bald zu den Besten ihres Faches. Ihr großes Talent für Mathematik bleibt auch einem ihrer Kommilitonen, dem charismatischen Physikstudenten Albert Einstein, nicht lange verborgen. Die beiden tauschen sich über ihre Arbeit aus, verlieben sich und werden ein Paar. Zusammen arbeiten sie an der Relativitätstheorie, zunächst weitgehend gleichberechtigt. Doch als Mileva schwanger wird und ihre gemeinsame Forschung die erste öffentliche Aufmerksamkeit erhält, wird sie immer unsichtbarer im Schatten ihres Mannes, der als strahlendes Genie bis heute weltberühmt ist.Marie Benedict erzählt in ihrem biografischen Roman die wahre Geschichte einer Frau, die mit ihrer Forschung Bahnbrechendes geleistet hat und dennoch bis heute eine Unbekannte ist.»Die bewegende Geschichte von Albert Einsteins erster Frau, einer brillanten Wissenschaftlerin, die ihr Leben in seinem Schatten fristen musste.« Sue Monk Kidd, Autorin von »Die Bienenhüterin«

Wo fange ich hier bloß an? Als ich letztes Jahr das Buch „Frau Einstein“ in der Goodiebag von der Litblog Convention fand, war ich skeptisch. Ich interessiere mich weder für Einstein, noch für Physik, Mathe oder die Zeit um 1900 herum. So lang der Roman seit dem Sommer noch eingeschweißt bei mir rum, ohne, dass ich mich auch nur mit ihm beschäftigt habe.

Doch nun, da ich meine ungelesenen Bücher endlich mal lesen will, habe ich mir das Buch dann doch mal gegriffen. Ich war neugierig auf Mileva Marić, von der ich bis dahin noch nie etwas gehört hatte. Oder vielleicht schon, nur ich habe es vergessen?

Die amerikanische Autorin Marie Benedict ist Anwältin, schreibt aber auch Bücher über die Frauen berühmter Personen und versucht, diese auf den ersten Blick unbedeutenden Frauen zu beleuchten. „Frau Einstein“ ist Fiktion und basiert auf den Briefen zwischen dem Studenten Albert Einstein und seiner zunächst Kommilitonin und späteren Ehefrau Mileva Marić, einer aus Serien stammenden intelligenten Frau, die in Zürich als einzige Frau gemeinsam mit Albert Einstein Physik und Mathe studiert hat. Sie war eine der ersten Frauen, die überhaupt diese Fächer studieren durfte. Heute undenkbar, aber damals war man der Ansicht, eine Frau gehöre an den Herd und nicht in einen Hörsaal, geschweige denn durfte sie Karriere machen.

Es gibt viele Spekulationen darüber, ob und inwiefern Mileva Einfluss auf Einsteins Relativitätstheorie hatte. Marie Benedict hat sich dafür entschieden, Mileva als eine der Hauptakteure zu zeichnen, die Albert Einstein zu seinem Ruhm und Nobelpreis verholfen hat. Dabei kommt Albert Einstein allerdings gar nicht gut weg. Zunächst macht er der jungen Mileva den Hof, umwirbt sie, bis sie schließlich unehelich schwanger wird. Ihre Prüfungen am Zürcher Polytechnikum, heue die Eidgenössische Technische Hochschule, schafft sie aufgrund der Schwangerschaft nicht, doch Albert macht ihr die ganze Zeit über Hoffnungen, dass sie beide es zu etwas Großem schaffen.

Doch Milevas junges Leben läuft von da an nicht mehr so, wie sie es sich ausgemalt hatte. Sie wollte unabhängig sein von einem Mann, eine Karriere machen in dem Feld, was ihr am meisten lag – so ganz anders, als es für Frauen zu der Zeit üblich war. Albert Einstein entrückt ihr immer mehr – oder ist es der Ruhm, der ihm zu Kopf gestiegen ist? Psychisch hat Mileva einiges zu erleben und nicht nur einmal hätte ich sie mir am liebsten bei den Schultern gepackt und gerüttelt.

Das Verhalten Albert Einsteins seiner Frau, die er doch einst so sehr umworben hatte, wandelte sich urplötzlich und ich wurde beim Lesen immer wütender auf ihn. Ich weiß, das meiste an dem Buch ist Fiktion. Die echten Briefe von Mileva an Albert, Albert an Mileva oder andere Personen allerdings kann man online lesen.

Die in „Frau Einstein“ abgedruckte Anmerkung der Autorin (Marie Benedict) könnt ihr hier (Englisch) nachlesen.

Ob Fiktion oder nicht, mich hat der Roman positiv überrascht und ich habe mit Mileva fühlen können. Ich hatte tatsächlich am Ende Tränen in den Augen und das kommt wirklich ganz ganz selten vor (bei Büchern).

Rezensionen zu „Frau Einstein“ auf anderen Blogs:

buchstabenträumerei, astrolibrium, buchsichten, leselaunenklappentextmag

Mehr über Mileva und Albert Einstein habe ich übrigens unter anderem in einer Zeitschrift für Physik-Lehrer gefunden.