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Reise: Ein Wochenende in Domburg

Mein Leben lang lebe ich bereits an der Grenze zu den Niederlanden. Die meisten in der Gegend machen immer schon Urlaub dort. Verwandt von mir haben an der Küste ein Haus. Zweimal haben wir sie dort besucht. Beim ersten Mal war ich ein Kleinkind, beim zweiten Mal 16. Dazwischen bin ich nie wieder am Meer gewesen. An keinem Meer. Unsere Urlaube führten immer in die Alpen. Zwei Wochen Urlaub in einer Ferienwohnung in Oberbayern, dem Allgäu oder in Tirol.

Als ich Anfang 20 war, ging es schließlich mal an die Ostsee. Ich habe mich dort jedoch nicht wohl gefühlt. Obwohl ich mich als Teenager immer darüber beschwert habe, dass wir in die Berge fahren, habe ich den Blick auf hohe Berge, die Kuhglocken und die Almen vermisst.

Wenn man mit Eltern aufwächst, die nicht schwimmen können, kommt man kaum in Kontakt mit Wasser. Vielleicht ist das der Grund, wieso wir immer in den Alpen waren. Vielleicht aber auch, weil es dort so schön ist.

Schwimmen habe ich mit etwa 9 gelernt. Zum Glück hatten wir in der Grundschule keinen Schwimmunterricht und auch später konnte ich mich meistens davor drücken. Denn ich kann zwar die Grundlagen, aber ich habe Angst vorm Tauchen. Angst davor, zu ertrinken. Vielleicht ist meine oft übervorsichtige Mutter Schuld daran. Sie konnte nicht als gutes Beispiel voran gehen. Ich habe kein Abzeichen, noch nicht mal das Seepferdchen.

Ich brauche kein Meer. Ich muss nicht schwimmen. Ich habe nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Dass mein Freund ebenfalls keine Wasserratte ist, aber dafür immerhin Bronze hat, macht es einfacher.

Aber man muss im Urlaub am Meer auch nicht schwimmen. Als Studenten waren mein Freund und seine Freunde oft in Domburg, der älteste Badeort der Niederlande. Schon oft habe ich von ihren Kurztrips dorthin gehört, doch ich war noch nie da gewesen.

Domburg ist übrigens auf der niederländischen Halbinsel Walcheren gelegen und gehört zur Provinz Zeeland. Das kleine Seebad liegt direkt an der Nordsee und hat 1500 Einwohner. Recht klein und überschaubar also, aber gerade in den Sommermonaten wimmelt es nur so von Touristen. Vor allem Urlauber aus NRW haben sich dieses Fleckchen Erde ausgeguckt. Zumindest hat es so den Anschein, wenn man sich mal die Autokennzeichen ansieht.

In diesem Jahr beschlossen wir, für ein Wochenende nach Domburg zu fahren: In ein Ferienhaus auf einem Campingplatz bzw. einer Ferienanlage. Sechs Erwachsene und ein vierjähriges Kind. Gewohnt haben wir in der Anlage von Roompot in einem Bungalow vom Typ Comfort 8A. Mein Freund und ich hatten das Schlafzimmer oben, die anderen die beiden Schlafzimmer für je drei Personen unten. Unser Vorteil: ein eigenes Bad inkl. WC! Die Dusche war etwas eng, aber okay. Das Boxspringbett fand ich eher unbequem und in der ersten Nacht habe ich auch nicht sehr gut schlafen können. Die zweite Nacht war schon besser.

zutrauliche Entenküken

Zu jedem Haus gehört auch ein Garten, den wir ausgiebig zum Grillen und Crossboccia spielen genutzt haben. Außerdem bekamen wir immer Besuch von Enten und eine Entenmutter brachte auch ihre Küken mit, die schon fast zutraulich waren. Ich habe noch viel mehr Fotos und auch Videos von den Küken, weil ich sie einfach so niedlich fand. Aber ein Foto sollte reichen hier.

Der Park ist ruhig, aber trotzdem direkt im Ort gelegen und so waren wir auch schnell am Strand oder in Domburg selber, um zum Beispiel Pizza essen zu gehen (Sascha und ich) oder ein Eis zu holen oder beim Albert Heijn einzukaufen.

Unsere Pizza bei Milano in Domburg

Den Namen des Eiscafés weiß ich leider nicht mehr. Ich weiß nur, dass die nicht nur Eis verkauften, sondern unter anderem auch Pralinen von Leonidas und Brot. Außerdem kostete die Waffel noch 50 Cent extra. Für eine Kugel Eis bezahlt man 1,50 Euro.

Am Samstag war zufällig auch noch ein Statuenfestival in Domburg. Ich habe allerdings nur wenige Fotos gemacht, nämlich untere anderen von den beiden Steampunk“dingern“ und dem Mann, der auf einem riesigen Erdball balancierend durch die Straße rollte. Die Bilder sind leider nur Schnappschüsse, sorry.

 

Am Strand waren wir natürlich auch, allerdings war ich nur mit den Füßen mal im Wasser. Viel lieber habe ich die Landschaft fotografiert, Muscheln gesammelt und Kubb gespielt. Samstagabend haben Sascha und ich noch einen Spaziergang zum Strand gemacht, da ich den Sonnenuntergang fotografieren wollte.

Den Sonntag haben die anderen und das Kind zum Teil am Strand verbracht. Sascha und ich haben uns für einen Spaziergang nach Westkapelle bzw. zum Leuchtturm entschieden. In der Hitze war das vielleicht nicht die beste Idee, aber wir wollten auch nicht am Strand rumhängen.

Der Leuchtturm war jetzt auch nicht besonders spektakulär. Wäre es nicht so dermaßen heiß und das nicht unser letzter Tag in Domburg gewesen, hätten wir vielleicht noch einen Abstecher nach Westkapelle gemacht. Dort stehen nämlich die Überreste oder vielmehr nur noch der Turm einer gotischen Kirche, dessen Spitze bereits 1924 zum Leuchtturm umfunktioniert wurde. Wir haben den nur aus der Ferne gesehen und uns gefragt, was das ist: eine Kirche mit einer komischen Turmspitze?

Wer mehr Fotos sehen will, kann sich in meiner Galerie auf 500px oder bei Instagram umschauen. Nach und nach werde ich die Fotos von der „richtigen“ Kamera bearbeiten (also gerade rücken, etwas aufhellen oder abdunkeln und sowas) und auf 500px hochladen. Vielleicht könnte ich sie auch auf meinem Fotoblog zeigen.

Das war ein schönes Wochenende – auch, wenn ich auf dem Rückweg irgendwie eine Erkältung bekommen habe, die aber so schnell wieder verschwunden ist, wie sie gekommen ist. Die Fahrt war etwas anstrengend, weil die Klimaanlage unseres Autos kaputt ist und es am Sontag ziemlich heiß war. Außerdem standen wir im Stau, weil halb NRW in Holland war und die nun natürlich wieder nach Hause wollten. Zudem kamen noch Baustellen und an den Auffahrten staute es sich auch. Vor allem um Antwerpen war am Freitag viel Verkehr und da ich hin gefahren bin, war ich ziemlich nervös, als die Autobahn plötzlich so voll wurde. Bisher bin ich noch nie so „weit“ gefahren, aber ich habe es geschafft und war froh, als wir endlich ankamen.

So einen Wochenendurlaub würde ich gerne noch mal machen!

Rezension: Werner Huthmacher – Sitzendorf

Bildband, Kehrer Verlag, 2009, 18€

Das Buch beinhaltet, neben Inforomationen zum Ort Sitzendorf (Österreich) und einem Text über „Fotografie als Wahrnehmungsarbeit“, nur Fotografien. Wer erwartet, nur perfekt gestylte Menschen auf den Fotos zu sehen, der wird enttäuscht. Die Fotos wirken wie Schnappschüsse, was der deutsche Fotograf Werner Huthmacher beabsichtigt hat. In dem Buch zeigt er die Menschen aus dem kleinen unscheinbaren Ort wie sie sind, kleine Details aus dem Ort wie etwa Weinfalschen, Laubböume, einen Kaugummiautomaten an einem Haus, Wiesen. Ansich nichts Besonderes. „Das kann ja jeder.“, wird man jetzt denken. Doch da ist etwas, was mich magisch anzieht. Etwas Besonderes haben die Fotos für mich.

Die Art, wie Huthmacher fotografiert hat, die Auswahl des benutzten Objektives (in einem Text erklärt er, dass er die „statische Anordung“ durch das „Verkippen der Schärfeebenen und die Wahl des Ausschnittes“ versucht hat „zu brechen“ – er wollte somit bewirken, dass die Fotos nach Schnappschüssen aussehen. Wegen der Beschreibung gehe ich davon aus, dass er ein Tilt-Shift-Objektiv benutzt hat), macht die Fotos zu dem, was sie sind: etwas Besonderes, aber auch zu etwas Normales.

Da ist das Mädchen auf dem Cover. Könnte ein Urlaubsfoto sein. Die Tochter des Urlaubers barfuß im Beet. Oder der ältere Herr, der etwas skeptisch in die Kamera guckt. Ein ebenfalls älterer Herr mit einem leicht geöffneten Mund. Ein Goldzahn blitzt hervor. Die Jugendlichen vor einer Scheune (?). Ein Haus umgeben von Wiesen. Es wirkt wie das einer Modelleisenbahn. Ein Tisch mit ein paar Stühlen vor. All das sieht so normal aus. Und genau dashalb kann ich mich irgendwie mit den Fotos identifizieren.

Ein wirklich sehr schöner Bildband! Ich möchte gerne mehr Fotos dieser Art sehen.