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#verenastudiert: Studium während einer Pandemie

Als ich im Oktober, am Anfang des fünften Semesters, meinen letzten Blogartikel zum Studium geschrieben habe, wusste ich nicht, wie das sechste Semester verlaufen würde. Nicht einmal, als ich im Februar Klausuren geschrieben habe. Erst als ich im März einen Test im Zweitversuch schreiben musste, wurde mir klar, dass alles irgendwie anders ist. Damals hat mein Mann mich mit dem Auto in die Stadt gefahren, weil ich nicht mit dem Bus fahren wollte. Zurück bin ich dann zu Fuß gegangen, weil ich eben öffentliche Verkehrsmittel meiden wollte. Beim Warten vor der Klausur habe ich Abstand gehalten.

Kurz darauf wurden Schulschließungen und Kontaktsperre beschlossen. Auch die Uni informierte regelmäßig über Planungen für das Sommersemester und die noch laufende Klausurphase. Der Semesterstart wurde verschoben, der Hochschulsport eingestellt. Im Gym, das Fitnessstudio der RWTH, war ich zuletzt Ende Februar.

Digitale Uni

Am 20. April ging es dann mit der Uni los – digital über Zoom. Ich freute mich auf etwas Normalität in diesem Chaos.

Einerseits ist es ganz angenehm, von zuhause aus an einem Seminar, Sprachkurs oder einer Vorlesung teilnehmen zu können. Keine Panikattacken, die mich plötzlich überfallen. Ich muss nicht erst mit dem Bus zur Uni fahren. Meine Haare müssen nicht gewaschen sein und ich kann im Schlabberlook vor dem iPad sitzen und es sieht niemand.

Aber es hat auch einen Nachteil: der Kontakt zu meinen Kommilitoninnen fehlt. Klar könnte man sich über Whatsapp austauschen, aber von den anderen kommt da nichts. Und ich gehöre nicht zu denen, die sich meldet. Oft lasse ich Nachrichten tagelang ungelesen.

Dieses Semester habe ich einen Niederländisch-Kurs. Ich muss den nicht machen, denn den fürs Studium nötigen Sprachkurs habe ich schon längst hinter mir. Aber ich hatte einfach Lust, noch mal Niederländisch zu lernen. Als ich das Abi nachgeholt hab, habe ich ja für ein halbes Jahr die Sprache unserer direkten Nachbarn gewählt als dritte Fremdsprache.

Es wird ernst: die Bachelorarbeit

Am 24. April habe ich meine Bachelorarbeit angemeldet. Das Thema lautet „Wie nehmen Laien Insekten und das Insektensterben wahr? Eine empirische Untersuchung.“ Deadline ist der 24. Juli.

Für die Arbeit soll ich 12 bis 15 Interviews führen. Sechs habe ich bisher (Stand: 22. Mai, 12:00). Meinen Zeitplan habe ich etwas aus den Augen verloren. Außerdem tue ich mich schwer, Interviewpartner zu finden bzw. ich frage auf Twitter an und melde mich dann nicht mehr, weil ich zu schüchtern bin.

Unglaublich, dass ich bald fertig bin, oder? Eine Absolventenfeier wird es natürlich in diesem Jahr nicht geben. Ebenso wurde die Jubiläumsfeier der Uni verschoben. Ich finde das vollkommen okay, denn im Moment gibt es wichtigeres: unsere Gesundheit. Auch wenn viele denken, die Pandemie sei vorbei, sie ist es nicht. Vor zwei Monaten ging es mir sehr schlecht wegen der Krise. Ich habe viel geweint, war oft traurig.

Doch mittlerweile habe ich mich an diese neue Normalität gewöhnt. Obwohl ich mittlerweile wieder in die Stadt fahren könnte, um z. B. Kuchen im Café zu essen oder neue Klamotten kaufen könnte, mache ich das nicht. Zum einen, weil es mir zu riskant ist, weil es immer wieder Menschen gibt, die sich nicht an die Abstandsregeln halten, die meckern, dass sie Masken tragen müssen. All diese ganzen Sachen, diesen Stress, der dadurch entsteht, möchte ich vermeiden. Und außerdem möchte ich nicht enttäuscht sein, wenn es irgendwann wieder einen „Lockdown“ gibt. Eventuell könnte ich im Juni wieder zum Gym. Ich könnte jetzt Outdoorsport an der Uni machen. Ich traue mich aber nicht. Genauso wenig traue ich mich in den Supermarkt. Der letzte Besuch im März hat mich sehr belastet.

Falls ihr studiert: was haltet ihr von der digitalen Uni? Findet ihr das Konzept gut? Oder vermisst ihr etwas?

#verenastudiert: ein Update

Ist mein letzter Artikel zum Thema Studium tatsächlich schon acht Monate her? Dann wird es aber höchste Zeit für ein Update! Wobei es im vierte Semester nicht viel zu berichten gab, weshalb ich auch nichts geschrieben habe. Doch nun, da das fünfte ansteht, wollte ich gerne noch mal über einige Sachen sprechen.

Was war los im vierten Semester?

Das Semester war für Praktika und fächerübergreifende Veranstaltungen vorgesehen. Ich habe ein 6-wöchiges Praktikum in einem Verlag hier in Aachen gemacht. Dazu werde ich mich aber nicht äußern. Außerdem habe ich mich für eine Veranstaltung zum Thema „Das 21. Jahrhundert besser verstehen“ angemeldet, eine Vorlesungsreihe des Projekts Leonardo für alle Studiengänge. Leider hatte ich direkt bei der ersten Vorlesung eine Panikattacke (voller Hörsaal, schlechte Luft, ich kannte niemanden), sodass ich zu den darauffolgenden Veranstaltungen nicht mehr gegangen bin. Zum Glück bestand keine Anwesenheitspflicht.

Ich muss noch dringend meinen Praktikumsbericht schreiben, jedoch weiß ich nicht, wie ich ihn formulieren soll. Es gibt nicht so viel, was ich da schreiben kann. Gut, dass ich wenigstens durch diverse Sprach- und Schreibkurse sowie durch meinen Hiwi-Job einige CP sammeln kann.

Verpatzte Hausarbeit

Im dritten Semester habe ich eine Hausarbeit nicht bestanden. Also bin ich in die Sprechstunde gegangen und habe mit der Dozentin besprochen, wo das Problem lag. Und es war so ein dummer Fehler, denn ich hatte nur eine wissenschaftliche Quelle benutzt, ansonsten jede Menge andere (Zeitungsartikel etc.). Die Dozentin versicherte mir, dass ich die Arbeit nicht komplett neu schreiben müsse, sondern nur mehr Quellen suchen, dann noch ein Kapitel zur Argumentation bzw. zu Argumenten schreiben sollte. Sie würde die Arbeit sowieso nicht mehr kontrollieren, da sie nur noch bis zur Deadline da sei. Super, dachte ich mir, dann spare ich mir unnötige Arbeit. ich lieh mir Bücher aus, recherchierte, schrieb das fehlende Kapitel, änderte hier und da noch Formulierungen und gab kurz vor der Deadline die Arbeit in gedruckter Form sowie elektronisch ab. Ich schickte sie einmal an die Dozentin, weil ich noch nicht wusste, wer die Arbeit kontrollieren würde. Im Sekretariat sagte die Dame mir, wer dafür nun zuständig war und ich schickte die Arbeit auch noch an den Dozenten, der mir aber schrieb, er habe sie schon erhalten. Ich war erleichtert.

Letztens erhielt ich eine Mail, dass das Ergebnis online sei. Ich traute mich nicht nachzuschauen. In der darauffolgenden Nacht träumte ich direkt zweimal, ich hätte die Hausarbeit wieder nicht bestanden. Am nächsten Nachmittag, als mein Freund nach Hause kam, schaute ich nach.

„Wollen die mich verarschen,“ war das erste, was ich sagte, als ich das Ergebnis sah. 5,0. Ich hatte auch den zweiten Versuch nicht bestanden. Eine Welt brach zusammen. War ich wirklich so unfähig, dass ich nicht mal eine Hausarbeit bestehen konnte?

Ich schrieb dem Dozenten eine Mail wegen eines Termin zur Sprechstunde. Ich solle mich in die Liste an seinem Büro eintragen. Ab dem 10. Oktober seien die Sprechstunden Montagmittags. Als ich zufällig in der Stadt war, ging ich in die Uni, um mich einzutragen. Natürlich ging das noch nicht. Frustriert zog ich von dannen. Am Montag startet die Uni wieder; dann werde ich mich hoffentlich eintragen können. ich möchte das so schnell wie möglich geklärt haben. Vorsorglich habe ich mich für einen Kurs im wissenschaftlichen Schreiben angemeldet.

Sprachkurs

Nun, da ich in Englisch C1 erreicht habe und auch eigentlich keinen weiteren Sprachkurs brauche, wollte ich noch eine andere Sprache lernen. Niederländisch oder Französisch. Beides ist hier in der Region nützlich. Niederländisch hatte ich damals, als ich das Abi nachgeholt habe, für ein Semester gehabt. Um fürs Abi zugelassen zu werden, braucht man noch eine dritte Fremdsprache. Meine zweite war Französisch. Die Sprache habe ich ganz früher schon in der 7. Klasse (das war also 1998) gewählt und bis zur 9. Klasse im Gymnasium gehabt. Dann musste ich ja zur Realschule wechseln, wo ich dann in der 9. und 10. Klasse ebenfalls Französisch hatte. Früher war Französisch nicht meine Stärke, aber es war okay. Als ich 2013 dann auf dem zweiten Bildungsweg anfing, habe ich ganz selbstverständlich wieder Französisch gewählt und 2016 in der letzten Klausur mit 2+ abgeschlossen. Schulfranzösisch kann ich also schon recht gut – oder konnte es zumindest.

Wenn man Vorerfahrung hat und in einen der Sprachkurse an der Uni möchte, muss man einen Einstufungstest machen. Also habe ich mich angemeldet und bin zum Test hingegangen. Der Test bestand aus Multiple Choice, Text- und Hörverständnis. Je weiter ich kam, desto schwieriger wurde es und besonders beim Hörverständnis verstand ich nur Bahnhof. Aber wir hatten in der Schule auch nie solche Übungen gemacht. Außerdem umgebe ich mich nicht mit Französisch. Ich lese weder in der Sprache noch höre ich sie bewusst. Mit Englisch habe ich keine Probleme. Ich verstehe das meiste, was ich in Serien oder Filmen höre, lese fast ausschließlich englische Bücher und schaue englische Youtube-Videos. Aber Französisch? Puh… Am Ende habe ich bei dem Test nur noch geraten.

Natürlich wurde ich in GK2 eingestuft, Grundkurs Level 2. Das bedeutet, ich muss wenigstens nicht zum dritten Mal komplett bei Null anfangen. Ich bin gespannt.

Plan für das fünfte Semester

Mehr Disziplin, mehr Konzentration. Vielleicht schaffe ich es ja auch endlich mal zur Selbsthilfegruppe für Studenten mit Ängsten und Depressionen. Blöd ist nur, wenn die Angst einen daran hindert.

#verenastudiert: Rückblick auf das dritte Semester

Kaum hat das neue Jahr begonnen, ist die Vorlesungszeit vorbei. Für uns Studenten bedeutet das: Klausur- und Hausarbeitsphase. Vor allem letztere, denn ich habe zwar schon vor einem Monat angefangen zu recherchieren und auch zu schreiben, jedoch rückten die Hausarbeiten zu Gunsten des Lernens in den Hintergrund. Das soll sich aber ganz bald ändern, denn glücklicherweise steht in diesem Semester nur eine Klausur sowie ein Test auf dem Plan. Der Test wurde in der letzten Woche geschrieben. Die Klausur direkt am Anfang der vorlesungsfreien Zeit. Im März sind die Nachholtermine. Falls ich etwas nicht bestehen sollte …

Immer nehme ich mir vor, früher mit den Hausarbeiten anzufangen oder zwischendurch mal die Vorlesungsfolien durchzugehen und nachzuarbeiten. Letztendlich mache ich das natürlich nicht. Mit 33 Jahren sollte man das gelernt haben, zumal ich ja durch die Ausbildung auch etwas Erfahrung habe mit Lernen und Organisation.

Organisation und Notizen

Wenigstens habe ich kein großes Zettelchaos mehr mit Vorlesungsmitschriften. Denn seit ich mein neues MacBook habe, nehme ich das auch mit zur Uni, um darauf mitschreiben zu können. Statt einer besonderen App vertraue ich da ganz auf Pages, allerdings habe ich mir nun ein Template erstellt, das mir Platz für Begriffe lässt – ein bißchen angelehnt an die Cornell-Methode. Angewandt habe ich das Template allerdings noch nicht, denn mir ist das erste vor etwa zwei Wochen in den Sinn gekommen. Um zu testen, ob das eine gute Methode ist, muss ich leider bis zum Wintersemester warten, da das kommende Semester nur aus meinem Praktikum besteht und gegebenenfalls fachfremden Veranstaltungen oder Kurse beim Schreibzentrum, um Punkte für das Mobilitätsfenster zu sammeln.

Zum Lernen habe ich mir Karteikarten gekauft, da ich es bevorzuge, Lernstoff von Hand aufzuschreiben. Dabei kann ich trotzdem auf meine digitalen Notizen zurückgreifen. In meinen Mitschriften habe ich rot markiert, wenn etwas wichtig für eine Klausur oder Hausarbeit ist. Die Mitschriften, Folien und vom Dozenten digital bereitgestellte Literatur speichere ich in der iCloud; so habe ich immer alles direkt gesichert und kann von allen Geräten auf die Dokumente zugreifen.

Soziale Kontakte

Mittlerweile habe ich „meine“ Leute im Studiengang gefunden, mit denen ich mich zum Lernen austauschen oder mal zwischendurch einen Kaffee trinken kann. Geplant ist auch, dass wir in diesem Monat uns zusammensetzen und an den Hausarbeiten schreiben – natürlich jeder für sich. Es ist schön, in die Uni zu kommen und Kommilitonen zu haben, die sich mit mir unterhalten, sich zu mir setzen und mit denen ich lernen kann. Da spielt die Altersdifferenz keine Rolle.

was noch ansteht

  • Hausarbeit Methodenseminar
  • Hausarbeit Sprache & Politik
  • Klausur Handeln mit Medien
  • Abgabe für den Kurs „Schreiben für die Öffentlichkeit“
  • Zertifikate drucken lassen

Nächstes Semester

Ich habe es eben schon erwähnt: im 4. Semester mache ich ein Praktikum und zwar bei einem kleinen Verlag hier in Aachen. Auf die Zeit dort bin ich auch schon ganz gespannt, denn dort werden nicht nur Bücher verlegt, sondern auch gedruckt. Vor allem interessiere ich mich aber für das Korrektorat bzw. Lektrorat, aber auch fürs Marketing. Das bedeutet aber auch, dass ich sehr wahrscheinlich während der Zeit keinen Kurs beim Schreibzentrum belegen kann. Zum Glück werden die Kurse aber in jedem Semester angeboten.

Und nun widme ich mich meinen Karteikarten. Eigentlich wollte wollte ich dieses Wochenende noch etwas für die Arbeit machen, allerdings habe ich gerade gemerkt, dass meine Lizenz für MaxQDA abgelaufen ist. Blöd.

Habt einen schönen Samstagabend!