Schlagwort: Deutscher Buchpreis

Verena liest die Longlist: Rezension zu „Das flüssige Land“

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Das Buch habe ich als Rezensionsexemplar von Klett-Cotta erhalten, was aber in keiner Weise meine Rezension beeinflusst.

Das flüssige Land

Goodreads
Verlag: Klett-Cotta

Erscheinungsdatum: 2019

ISBN: 978-3-608-96436-3

Genre: Fiktion

Seiten: 350

Format: Hardcover

gekauft bei/erhalten von: Klett-Cotta

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Der Unfalltod ihrer Eltern stellt die Wiener Physikerin Ruth vor ein nahezu unlösbares Paradox. Ihre Eltern haben verfügt, im Ort ihrer Kindheit begraben zu werden, doch Groß-Einland verbirgt sich beharrlich vor den Blicken Fremder. Als Ruth endlich dort eintrifft, macht sie eine erstaunliche Entdeckung. Unter dem Ort erstreckt sich ein riesiger Hohlraum, der das Leben der Bewohner von Groß-Einland auf merkwürdige Weise zu bestimmen scheint. Überall finden sich versteckte Hinweise auf das Loch und seine wechselhafte Historie, doch keiner will darüber sprechen. Nicht einmal, als klar ist, dass die Statik des gesamten Ortes bedroht ist.

Wird das Schweigen von der einflussreichen Gräfin der Gemeinde gesteuert? Und welche Rolle spielt eigentlich Ruths eigene Familiengeschichte? Je stärker sie in die Verwicklungen Groß-Einlands zur Zeit des Nationalsozialismus dringt, desto vehementer bekommt Ruth den Widerstand der Bewohner zu spüren. Doch sie gräbt tiefer und ahnt bald, dass die geheimnisvollen Strukturen im Ort ohne die Geschichte des Loches nicht zu entschlüsseln sind.

Mir fehlen die Worte, um das Buch zu beschreiben. Ich habe es gerade beendet und es lässt mich zurück mit Fragen, mit Eindrücken. Normalerweise lese ich leichte Bücher, Romanzen, Chick-Lit, Schmöker. Doch ab und an muss es auch mal was anderes sein. Die Bekanntgabe der Longlist war ein guter Zeitpunkt, um mal etwas anderes zu lesen. „Verena liest die Longlist“ habe ich meine kleine, persönliche Challenge getauft. Der Plan war, drei Bücher von der Longlist zu lesen. Geworden ist es aber, aus Mangel an Rezensionsexemplaren, nur ein Buch. Nämlich „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer, was es schließlich sogar auf die Shortlist geschafft hat.

Der Schein trügt

So könnte man den fiktiven Ort Groß-Einland, in dem „Das flüssige Land“ spielt, beschreiben. Nach außen hin ist alles perfekt und alle sind nett, niemand lässt sich etwas zu Schulden kommen. Doch tief in den Menschen drin schlummern Geheimnisse, schlimme Dinge, über die niemand spricht. Das Loch, ein längst stillgelegtes Bergwerk, ist das Zentrum all dieser Geheimnisse. Groß-Einland bröckelt, es fällt in sich zusammen. Die Fassade, die die Bewohner über Jahrzehnte versucht haben zu bewahren, droht einzustürzen. Doch das alles soll Ruth nun verhindern.

Das Loch ist eine Metapher für all die Geheimnisse, für die Vergangenheit Groß-Einlands. Es dient als Mülleimer für alles, was man nicht mehr sehen will. Hier wird alles Unangenehme entsorgt. Der Ort selber ist nur schwer zu erreichen, niemand, der nicht von hier stammt, kennt ihn, weiß, wo er liegt.

Fazit

Von mir aus könnte Raphaela Edelbauer den Deutschen Buchpreis 2019 gewinnen. Allerdings kenne ich natürlich nicht die Konkurrenz. Mit „Das flüssige Land“ hat sie aber ein Buch geschrieben, was mich sprachlich, aber auch inhaltlich fesseln konnte.

Verena liest die Longlist: Lese-Update & Shortlist #dbp19

Eigentlich müsste die Challenge jetzt „Verena liest die Shortlist“ heißen, denn heute wurde ebendiese bekannt gegeben. Unter anderem hat es „Das flüssige Land*“ geschafft, in die engere Auswahl zu kommen.

Aber mal von vorne: Als die Longlist erschienen ist, kam mir die Idee, drei Bücher davon zu lesen. Denn schließlich habe ich mir dieses Jahr vorgenommen, meinen Lesehorizont zu erweitern. Statt immer nur Romance und ChickLit, wollte ich auch mal was ganz anderes lesen. Der Deutsche Buchpreis eignet sich also perfekt für mein Vorhaben.

Also fragte ich drei Rezensionsexemplare an. Ausgesucht hatte ich mir neben „Das flüssige Land“ von Raphaela Edelbauer noch „Kintsugi“ von Miku Sophie Kühmel sowie „Miroloi“ von Karen Köhler. Allerdings gab es nur noch für das erste Buch Rezensionsexemplare. Mittlerweile bin ich froh, dass ich nur ein Buch rezensieren muss, denn ich würde es nie schaffen, zeitnah eine Rezension zu drei relativ dicken Büchern zu schreiben. Zumal es ja alles keine Schmöker sind, sondern anspruchsvollere Werke.

Die Shortlist

Verena liest die Longlist: Das flüssige Land

Der Postbote brachte eben ein Päckchen mit einem Buch für mich. Darin befand sich „Das flüssige Land*“ von Raphaela Edelbauer (Klett-Cotta). Ich habe euch ja letzte Woche schon von meiner Idee erzählt, drei Bücher der Longlist lesen zu wollen. Leider haben Hanser und der Fischerverlag keine Rezensionsexemplare mehr, zumindest nicht in gedruckter Form. Bei Netgalley gibt es die ebooks, allerdings wollte ich eigentlich lieber die „echten“ Bücher lesen. Mal sehen, ob ich sie mir noch kaufe oder doch die ebooks anfrage. Die Stadtbibliothek hat immerhin „Miroloi“. Ausleihen, ebook oder kaufen?

Der erste Satz

In den frühen Morgenstunden des 21. September 2007 verschüttete ich rund 200ml Kaffee über meinem penetrant klingelnden Handy, das mich, von einer unterdrückten Nummer zutiefst erschüttert, so plötzlich zum Abheben aufforderte, dass ich keine Zeit hatte, die Tasse abzustellen.

Das flüssige Land, Seite 5

Die Autorin

Raphaela Edelbauer kommt aus Österreich, wurde 1990 geboren und hat Sprachkunst studiert. Ihr Debut „Entdecker*“ erschien 2017. Im Jahr darauf hat sie den Rauriser Literaturpreis gewonnen.

Vielen Dank an Klett-Cotta für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!