Schlagwort: E.L. James

Das Lesejahr 2019

Hallo 2020!

Ich bin etwas spät mit meinem Rückblick auf das vergangene Jahr. Viele Blogs haben schon in den letzten Tagen auf ihr Jahr zurück geblickt. Aber da 2019 ja noch nicht vorbei war, wollte ich warten, bis das neue begonnen hat. Und hier ist es!

Bücher, die mich positiv überrascht haben

In diesem Jahr habe ich zum ersten Mal „Momo“ von Michael Ende gelesen. Das Buch gehört eigentlich meinem Bruder (vermutlich hat er es selber mal vor vielen, vielen Jahren geschenkt bekommen), aber irgendwann hab ich mir das mal genommen. Zunächst hatte ich Bedenken (welche auch immer das waren). Nun bin ich froh, dass ich „Momo“ gelesen habe. So ein schönes Buch!

(Fiktive) Biografien lese ich nie, aber „Frau Einstein“ war 2018 in der Goodiebag der Lit Blog Cologne dabei und ich habe es letztes Jahr dann mal geschafft, es zu lesen. Zitat aus meiner Rezension: Ob Fiktion oder nicht, mich hat der Roman positiv überrascht und ich habe mit Mileva fühlen können. Ich hatte tatsächlich am Ende Tränen in den Augen und das kommt wirklich ganz ganz selten vor (bei Büchern).

Auch „Wasteland“ ist ein Roman aus einem von mir eher gemiedenen Genre. Doch wie ihr in der Rezension lesen könnt, wurde ich positiv überrascht: Ich möchte nun aber nicht zu viel verraten. Außer, dass meine Erwartungen völlig übertroffen wurden und ich keine „Angst“ vor dem Genre haben musste. Vielleicht lag das aber auch einfach an der Art, wie die Autoren den Roman geschrieben haben. Von mir gibt es auf jeden Fall eine klare Empfehlung!

Zu „Honour“ habe ich leider keine Rezension geschrieben. Der Roman war ein Spontankauf im Sommer, den ich nicht bereut habe. Ein interessantes Buch über eine mir unbekannte Kultur.

Ein ChickLit-Buch hat sich auch in die Auflistung geschlichen, nämlich „A Paris Fairy Tale„. Marie Laval webt in romantische Bücher immer auch noch etwas Geschichtliches und das finde ich irgendwie sehr schön. Meine Rezension findet ihr hier.

Mein Vorhaben letztes Jahr war, ein paar Bücher der Longlist zu lesen. Ich habe dann doch nur eins gelesen und muss zugeben, dass ich etwas traurig war, als ich gehört habe, dass „Das flüssige Land“ leider nicht gewonnen hat. Empfehlen kann ich es trotzdem.

Ein süßes Highlight ist „Himmeldonnerglöckchen“ von Jasmin Zipperling. Eigentlich ist es ein Kinderbuch, aber mit über 30 darf man sowas auch lesen.

Bücher, über die ich mich aufgeregt habe

Das Glück hat viele Seiten“ – ein schöner Titel, auch die Beschreibung klingt vielversprechend. In meiner Kurz-Rezension schrieb ich:

Sowohl das Cover als auch der Titel und auch der Klappentext haben mich neugierig gemacht. Beim Lesen jedoch hätte ich Hannah, die Protagonistin, am liebsten mehr als einmal geschüttelt. 

Hannah ist Mitte/Ende 20 und hat gerade den Buchladen ihrer verstorbenen Tante Marlies geerbt. Als sie gerade die Räumlichkeiten des Notariats verlässt, wartet ein gut aussehender Mann auf sie, der ihr ein Angebot macht: er möchte den Laden kaufen. Das kommt ihr nur gelegen, denn Hannah hat gar kein Interesse an dem Geschäft. Überhaupt will sie bloß aus ihrem früheren Heimatort verschwinden. Ben ist also ihr Retter in der Not! Sie lässt sich von ihm einlullen, verbringt zwei Tage mit ihm, schläft mit ihm und dann erfährt sie von der besten Freundin ihrer Tante sein wahres Vorhaben. Von nun an herrscht quasi Krieg zwischen Hannah und Ben. Hannah tut alles Mögliche, um seine Pläne zu durchkreuzen. Ich finde ihr Verhalten sowas von kindisch. Erst fällt sie auf den unglaublich gut aussehenden Geschäftsmann Ben rein, dann sabotiert sie seine Pläne. Insgeheim steht sie auf ihn und – natürlich – er auf sie. Stellenweise habe ich das Buch nur überflogen. Ja, Ben hat ihr vor dem Kauf nicht alles gesagt, aber … ARGH! Jemandem Hals über Kopf ein Haus zu verkaufen ohne auch nur mal ein paar Tage darüber nachzudenken ist nicht sehr erwachsen, ganz egal, wie viel Trauer eine Rolle spielt. UND GANZ EGAL, WIE GUT DER KÄUFER AUSSIEHT!!!! 

Das Ende wiederum war sehr schön und das, was Ben aus dem alten Buchladen gemacht hat, ist wirklich nicht schlecht. Aber zwischendurch hätte ich das Buch gerne einfach abgebrochen. 

Erinnert ihr euch noch an die Lese-Aktion auf Twitter zu „The Mister„? Das neue Buch von E L James ist ja im Frühling erschienen und das schrie geradezu danach, gemeinsam mit anderen Lesemenschen unter dem Hashtag bbfliest das Buch auseinander zu nehmen. Meine Meinung könnt ihr in der sehr langen und ausführlichen Rezension nachlesen. Ich hoffe, dass es auch in 2020 wieder eine solche Aktion gibt!

The Corner Shop in Cockleberry Bay“. Junge Frau, Rosa, aufgewachsen bei Pflegefamilien und in Heimen, erbt plötzlich von einem Unbekannten ein seit fünf Jahren leerstehendes Haus mit Laden. Das kommt ihr ganz gelegen, da sie, mal wieder, einen Job verloren hat. In Cockleberry Bay lernt sie die Bewohner des Küstenörtchens kennen, manche sind nett, andere nicht so sehr. Ein paar Männer zeigen Interesse. Die einen mag sie, andere nicht. Einer von ihnen vergewaltigt eine mittlerweile gute Freundin, Titch (wird schwanger) und ist außerdem noch Unfallverursacher und Fahrerfluchtbegeher. Allerdings will Titch ihn nicht für die Vergewaltigung anzeigen, denn Karma wird’s schon richten. Genau. Weil er für die Fahrerflucht und den Unfall ja mindestens so hart bestraft wird. Rosa mochte ich auch irgendwie nicht, andere Charaktere waren auch nur mehr oder weniger okay. Josh schien der einzige „normale“ zu sein (und die beiden vom Pub). 

Ach, das Buch war nicht zufriedenstellend (Kurz-Rezension entnommen aus meinem Büchersonntag vom 30. Juni 2019).

Enttäuschungen

Ich hatte mir so viel versprochen, als ich „Die einzige Geschichte“ von Julian Barnes begonnen hatte. Bei der Lit Blog hat die Übersetzerin über den Roman gesprochen und sie war sehr sympathisch und hat viel über ihre Arbeit erzählt. Das fand ich unheimlich interessant.

In der Rezension schrieb ich u. a.: Immer noch finde ich es schwer, das Buch zu beschreiben und zu bewerten. Zum Teil zog sich das Lesen nur so dahin. Dann habe ich ein paar Seiten nur überflogen. Gegen Ende änderte sich das allerdings wieder und es wurde besser.

Bücher mit einem schönen Cover ziehen mich an. Und wer würde schon zu einem Buch mit einem Cover wie das von „Das Glück der kleinen Augenblicke“ Nein sagen? Auch der Titel klingt einfach schön.

Leider habe ich den Roman abgebrochen. Um mal einen Teil aus meiner Rezension zu zitieren: Mir gefällt dieser poetisch anmutende Schreibstil nicht. Bestimmt gibt es Menschen, die sowas gerne lesen, auch in modernen Romanen. Vielleicht passt es ja auch zum Thema, denn man stellt sich das Autorenleben und auch die Verlagswelt so romantisch vor. Wahrscheinlich ist sie aber genau das Gegenteil.

Welche Bücher haben euch 2019 enttäuscht oder positiv überrascht? Habt ihr ein paar der Bücher, die ich im Artikel genannt habe, ebenfalls gelesen? Schreibt mir doch einen Kommentar!

© Buchcover: Penguin, Bastei, Kiepenheuer & Witsch, Piper, Books on Demand, Chock-Lit, Droemer Knaur, Klett Cotta.

Der Büchersonntag

beendet

The Mister*“ von E.L. James (Rezension) – der Roman selber ist schlecht, aber es hat Spaß gemacht, ihn gemeinsam mit anderen Menschen auf Twitter zu diskutieren.

Little Women*“ von Louisa May Alcott – fast zwei Monate habe ich an dem 776 Seiten starken Buch gelesen. Weil es so unhandlich ist, habe ich es nur im Bett gelesen und nicht in der Handtasche mitgenommen, wenn ich mal unterwegs war. Meine Ausgabe enthält zwei Teile: der erste Teil ist der, den ich vor vielen Jahr als Kind mal auf Deutsch gelesen habe. Die vier Schwestern sind alle noch unter 20, die jüngste ist 12, die älteste 16. Im zweiten Teil sind zu Beginn drei Jahre vergangen. Insgesamt erstreckt sich der zweite Teil über viele Jahre, die Schwestern werden erwachsen und müssen unter anderem einen großen Verlust verkraften. Alles spielt natürlich im 19. Jahrhundert, das Frauenbild ist noch etwas anderes und da ist es etwas Besonderes, dass Jo unabhängig sein möchte. Vorbild für die Figur Jo ist die Autorin selbst.

aktuell lese ich

Liebe ist die beste Therapie*“ von John Jay Osborn

neues auf dem Blog

Leseempfehlungen

Wie umweltschädlich sind Bücher? Das versucht Marion in ihrem Artikel „Mein Freund der Baum ist tot – ruinieren Bücher den Planeten?“ zu beantworten. Ich hab vor einiger Zeit auch einen kleinen Artikel zum Thema geschrieben und auch Anja vom Bücherblog hat darüber geschrieben, wie nachhaltig Bücher sind.

Schreibt ihr auch so gerne To Do-Listen? Ich bin ein großer Freund von ihnen und anscheinend machen sie auch produktiv. Das konnte ich an mir leider noch nicht feststellen.

Eine weitere #bbfliest-Teilnehmerin hat „The Mister“ rezensiert. Unter meiner Rezension, die ich oben schon erwähnt habe, findet ihr noch mehr Links zu Rezensionen, sowohl positive als auch negative.

Rezension: The Mister (E.L. James)

Diese Rezension enthält Affiliate-Links. Wenn ihr das Buch über den Link kauft, erhalte ich eine kleine Provision.

The Mister

Goodreads
Verlag: Arrow

Erscheinungsdatum: 16. April 2019

ISBN: 9781473570757

Genre: Romance

Seiten: 544

Format: eBook

gekauft bei/erhalten von: Amazon

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London, 2019. Life has been easy for Maxim Trevelyan. With his good looks, aristocratic connections, and money, he’s never had to work and he’s rarely slept alone. But all that changes when tragedy strikes and Maxim inherits his family’s noble title, wealth, and estates, and all the responsibility that entails. It’s a role he’s not prepared for and one that he struggles to face.
But his biggest challenge is fighting his desire for an unexpected, enigmatic young woman who’s recently arrived in England, possessing little more than a dangerous and troublesome past. Reticent, beautiful, and musically gifted, she’s an alluring mystery, and Maxim’s longing for her deepens into a passion that he’s never experienced and dares not name. Just who is Alessia Demachi? Can Maxim protect her from the malevolence that threatens her? And what will she do when she learns that he’s been hiding secrets of his own?
From the heart of London through wild, rural Cornwall to the bleak, forbidding beauty of the Balkans, The Mister is a roller-coaster ride of danger and desire that leaves the reader breathless to the very last page.

Rezension enthält Spoiler

Wer auf Twitter aktiv ist und dem einen oder anderen Buchblogger folgt, hat vielleicht in den letzten zwei Tagen den Hashtag #bbfliest desöfteren gelesen.

Unter dem Hashtag werden ab und zu gehypte Bücher gelesen, diskutiert und zerrissen. Dieses Wochenende haben sich die Initiatoren der Aktion „The Mister“, der neue Roman von E.L. James, ausgesucht. Am 20. April ist das Buch auf Deutsch im Goldmann Verlag (hier wird auch erklärt, wieso für das Buch sechs Übersetzerinnen benötigt wurden) erschienen, das Original am 16. April bei Randomhouse.

Ich habe vorher noch nie ein Buch der Autorin gelesen, noch kenne ich die 50 Shades of Grey-Filme (sollen lustig sein, hab ich mir sagen lassen). Schade, dass es sie gerade nicht zum Streamen gibt. Das Genre ist mir aber nicht unbekannt, denn ich muss gestehen, dass ich in den letzten Jahren, dem Kindle sei dank, etliche Bücher aus dem Bereich Romance/Erotic gelesen habe. Sowas fällt unter guilty pleasure, oder? Und ja, das eine oder andere Buch habe zum Zeitpunkt des Lesens auch als gut empfunden, bei längerem Nachdenken bin ich jedoch zum Schluss gekommen, dass diese Bücher nicht im Mindesten etwas mit der Realität zu tun haben.

Das Prinzip ist immer das gleiche: reicher Kerl, der natürlich unglaublich sexy ist, trifft auf weniger reiche bzw. eher arme Frau. Entweder ist sie seine Nachbarin (in diesem Buch sind beide jedoch eher reich als arm), oder er ist Dozent und sie seine Assistentin oder er ist ihr Frauenarzt. Es kann auch sein, dass er ihr Boss ist. Die Möglichkeiten und Jobs sind sehr vielfältig, aber wichtig ist: der Kerl muss reich und extrem gut gebaut sein und die Frau steht quasi nur unter ihm, da sie entweder noch Studentin ist oder Praktikantin oder als Sekretärin für ihn arbeitet. Ein weiteres Paradebeispiel ist „That Guy“ von Kim Jones. Im Fall von James‘ neuem Buch ist sie seine albanische Putzfrau.

Bevor ich mit der Rezension beginne, möchte ich noch eins loswerden. Ich schildere hier meine persönlichen Eindrücke! Im Internet gibt es zahlreiche positive Bewertungen. Für den einen ist das Buch vielleicht wirklich richtig toll. Das muss aber nicht für andere gelten – genau wie umgekehrt. Allerdings finde ich, dass es wichtig ist, sich näher mit dem Buch auseinander zu setzen, wenn man es gelesen hat. Vieles sollte hinterfragt werden, wie zum Beispiel das Frauenbild, was kreiert wird durch Maxims Sichtweise.

Triggerwarnung

„The Mister“ schreit geradezu dazu, mit einem Trigger-Stempel versehen zu werden. Deshalb warne ich schon mal direkt zu Beginn vor: Frauenhandel, Unfalltod, Gewalt, Entführung, Waffen. Ganz schön krass für das Genre, denn es geht hier doch schließlich um eine Romanze.

Worum geht’s?

Alessia sucht in London ein besseres Leben als das, was sie bisher in Albanien hatte. Die 23jährige ist illegal im Land und kommt bei einer Freundin ihrer Mutter unter. Sie arbeitet als Putzfrau, unter anderem bei THE MISTER aka Maxim aka Lord Trevethick. Den Titel hat er erst vor Kurzem geerbt, nachdem sein älterer Bruder, Kit, bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist. Maxim ist reich und sexy – natürlich. Er hat fast jede Nacht eine andere Frau im Bett. Er ist Komponist, DJ und Model, manchmal auch Fotograf. Frauen reduziert es aufs Äußere, er schaut ihnen hinterher (auf den Hintern) und bekommt einfach jede rum.

Alessia hingegen ist schüchtern, unerfahren und Jungfrau! Sie ist in dem Glauben aufgewachsen, dass die Frau zuhause bleibt, sich um den Mann kümmert, den Haushalt schmeißt und so weiter. Sie ist zwar zur Uni gegangen, weil sie Englisch-Lehrerin werden wollte, aber die Uni wurde geschlossen. Um ihrem Leben mit einem Mann zu entgehen, den sie nicht liebt und vor dem sie Angst hat (Spoiler: ihr Vater hat einen Mann für sie ausgesucht), ist sie mithilfe ihrer Mutter nach England gereist. Dabei ist sie in das Netz von Sex-Trafficker gelangt, konnte aber rechtzeitig fliehen. Die Typen sind ihr natürlich auf der Spur und bringen nicht nur Alessia in Gefahr.

Sie trifft Maxim und ist hin und weg. Auch Maxim ist fasziniert von seiner Putzfrau, die obendrein ein Talent hat, was man ihr wohl nicht zugetraut hat: sie kann Klavier spielen wie ein Meister!

Es kommt wie es kommen muss (haha, kommen) und die beiden verlieben sich, haben Sex und das nicht wenig und Maxim rettet seine Alessia vor den bösen Menschen. Friede, Freude, Eierkuchen.

Klischees, Klischees, Klischees

Klischee 1: Der Held der Geschichte ist schwerreich, sexy, Frauenheld, frisch gebackener Lord Dingsbums mit Anwesen in Cornwall, Oxfordshire und sonstwo. Frauen sind für ihn nur für eins da: Sex. Übrigens schläft er zwei Tage nach der Beerdigung seines Bruders mit der Schwägerin.

Klischee 2: Die Frau: arm, schön, unerfahren, unterwürfig (sie kann ihm nicht in die Augen sehen, wenn er mit ihr spricht, schaut immer auf den Boden).

Klischee 3: Der Held kann es mit allen aufnehmen: mit Alissas Entführern, die plötzlich auftauchen und seine Geliebte schnappen wollen, da sie ihnen entflohen ist. Praktischerweise hat Maxim auch Waffen parat, von denen er jedoch zum Glück nicht Gebrauch macht.

Außerdem ist es auch kein Problem, mal eben schnell nach Albanien zu fliegen, nachdem der Typ, den Alessia heiraten soll (hat ihr Vater eingefädelt. Netter Vater, verkauft seine Tochter. Daumen hoch.), entführt und mit ihr im Auto nach Albanien verschwindet. Maxim findet auch sofort das Elternhaus. Da Alessia keine Papiere mehr hat, versteckt ihr Entführer sie übrigens im Kofferraum. Maxim kommt noch vor Alessia am Elternhaus an, erklärt ihrer Mutter seine Absichten (heiraten) und wartet dann, bis seine Freundin mit dem Entführer auftaucht. Vertrauen seitens der Mutter ist schnell da, der Vater muss erst überzeugt werden.

Klischee 4: Überhaupt ist das Vertrauen eine Sache. Versetzt euch mal in Alissas Lage. Frauenhändler nehmen euch mit, behandeln euch scheiße und ihr könnt fliehen. Alles gut soweit. Ihr findet einen Job als Putzfrau und lernt dabei einen attraktiven Mann kennen. Ihr vertraut ihm, weil – ja, warum eigentlich? Weil er ein Piano in seiner Wohnung hat? Weil er ein guter Komponist ist? Weil er so gut aussieht? Weil er euch einen Regenschirm geliehen hat?! Und dann nimmt er euch noch mit nach Cornwall, um vor den bösen Männern zu flüchten. Ihr kennt euch gerade mal ein paar Tage.

Klischee 5: Liebe auf den ersten Blick. Kaum tritt Alessia in sein Leben, ist es um den Lord geschehen. Natürlich hat er vor allem eins im Kopf: Sex. Zu den unpassendsten Momenten denkt er an Sex!

Zitate

Streicht euch zwei wichtige Tag im Kalender an: den „Let’s Fuck Thursday“ und den „Falling-in-Love Monday“.

I take a slug of my drink and scan the room. That’s what I want now: a hot, willing woman, skinny or otherwise. It’s Let’s Fuck Thursday.

E.L. James: The Mister

Für jemanden wie Maxim, der schon früh seine Unschuld verloren hat, ist es übrigens unverständlich, dass eine Frau mit 23 Jahren (!) noch nie mit einem Mann geschlafen hat. Unbegreiflich, ich weiß.

At twenty-three she’s never slept with a man?

E.L. James: The Mister

Maxims Gedanken, bevor er Alessia entjungfert, muss ich nicht kommentieren, oder?

It’s a tough job, but someone has to do it. Might as well be me.

E.L. James: The Mister

Maxim trauert um seinen Bruder und weint. Ein Mann darf nicht weinen. Das ist unmännlich!

And I cannot stop the tears sliding down my face. Shit. She’s unmanned me.

E.L. James: The Mister

Würde er sich auch so hilfsbereit erklären, wenn sie nicht schön wäre, wenn sie nicht in seinen Augen sexy ist? Hilft er ihr nur, weil sein Schwanz das Denken für ihn übernommen hat? Du sollst ihr nicht helfen, weil du sie flachlegen willst. Du sollst ihr helfen, weil sie Hilfe braucht!

I couldn’t rescue my brother from the demons that drove him out on his motorbike into an icy night, but I can help this beautiful girl, this beautiful, brave girl.

E.L. James: The Mister

Jetzt schlägt das Herz eines jeden Bücherwurms höher. Alessia mag Bücher:

‘Have you travelled at all?’ ‘No. Only in books.’ Her smile brightens the room. ‘I have travelled all over the world in books. And I’ve been to America watching TV.’

E.L. James: The Mister

Beim Lesen habe ich mich oft gefragt, wie das Leben in Albanien ist und wie die Frau dort behandelt wird. Dem Buch nach nicht besonders gut. In dem folgenden Zitat wird Alissa von einem Bekannten von Maxim direkt angesprochen. In Albanien scheint es das nicht zu geben.

‘Good afternoon,’ she says, shaking his hand, surprised and pleased that he would address her directly.

E.L. James: The Mister

Das beste Zitat, die Frage aller Fragen:

When did I acquire a conscience?

E.L. James: The Mister

Fragen

Kennt man in Albanien keine Kartenzahlung? Als Alessia sieht, dass Maxim mit einer Karte zahlt, sagt sie: „Your card is magic.“ Diese Frage kann ich dank des Auswärtigen Amts beantworten. Demnach wird dort wenig mit Karte bezahlt, stattdessen ist Bargeld die Regel.

Als sie die ersten Male bei ihm putzt, findet sie ständig benutzte Kondome in seinem Mülleimer im Schlafzimmer. Was das zu bedeuten hat, weiß sie. Aber als sie unter anderem Handschellen entdeckt, weiß sie nicht, was man damit macht. Und sie sagt an anderer Stelle, dass sie amerikanische Fernsehsendungen guckt, Netflix und HBO in Albanien hat. Wie ist das möglich, dass sie dann absolut nicht weiß, was es mit Handschellen auf sich hat?

An einer Stelle wird die Periode erwähnt (die von Caroline). Statt es so zu sagen, wie es ist, sagt Maxim im Original sowas wie „I thought you were on“, worauf sie antwortet, er hätte doch nie ein Problem mit der „crimson tide“ gehabt (in Bezug auf Sex während der Periode). Im Deutschen nennt er das Kind beim Namen („Tage“), während Caroline von „Erdbeerwochen“ spricht. Wieso?! Wieso sagt er „you were on“? Ist das eine übliche Umschreibung im Englischen? Ich hab zuerst gar nicht verstanden, was er meinte. Wollte er darauf hinaus, dass sie die Pille nimmt? In dem Zusammenhang habe ich das schon mal gelesen. Aber hier machte das keinen Sinn. Hatte sie Drogen genommen? Dann kam die „crimson tide“ und mir wurde klar, worum es geht. Aber warum wird im Original das Thema umschrieben, statt es konkret zu nennen? Wieso sagt sie im Deutschen „Erdbeerwochen“? Welche fast 30jährige Frau benutzt dieses Wort? Sogar ich habe es als Teenager nie benutzt, geschweige denn jetzt. Wenn ich von dem Thema spreche, sage ich „Tage“ oder „Periode“, aber doch nicht so eine kindliche Umschreibung.

Fragen stellen sich Maxim und Alessia, vor allem aber Maxim, gedanklich sehr häufig. Da kann es auch mal vorkommen, dass sich die Gedankengänge wiederholen. So kommt man dann auch leicht auf die vielen Seiten. Denn meiner Meinung nach hätte das Buch auch mit etwa 100 oder 200 Seiten weniger auskommen können.

Fazit: vorhersehbarer Trash

Zumindest hat die Autorin relativ gut recherchiert, wie die Lage in Albanien momentan ist, das Thema jedoch nur sehr oberflächlich angerissen. Eigentlich unvorstellbar, aber laut Wikipedia ist Gewalt gegenüber Frauen in der Familie keine Seltenheit. Allgemein ist das Land eines der ärmsten in Europa. Seit Ende der 60er Jahre bis 1990 galt dort außerdem ein Religionsverbot, was tatsächlich auch in „The Mister“ angesprochen wird. Ich denke, zu dem Land gibt es unheimlich viel, was die meisten von uns nicht wissen. Ich muss gestehen, dass ich etwas irritiert war ob der Naivität von Alessia. Auch dass der Vater eine Ehe für seine Tochter arrangiert, war für mich unglaubwürdig. Tatsächlich scheint es das aber in Albanien zu geben. Einen Artikel zur Unterdrückung der Frauen in Albanien habe ich hier gefunden.

Aber passte das ganze in das Buch? Etwas Backgroundstory und Drumherum in Romance ist ja wirklich nicht verkehrt. Schließlich handelt es sich um einen Roman und nicht um einen Porno (oder?). Aber diese Gewaltszenen? Die Entführung? Natürlich musste irgendwas passieren, damit unser Held seine Angebetete retten konnte. Aber musste es wirklich sowas krasses sein? Spannung ja, aber bitte keine Gewalt in Romance. Die Bücher sollen unterhalten und entspannen und Leser nicht triggern. Für mich war das nicht so schlimm, da ich keine persönliche Erfahrung mit Gewalt, Entführung etc. habe. Aber andere vielleicht schon?!

Außerdem hatte ich den Eindruck, als hätte E.L. James die Entführungs-Sache am Ende noch schnell eingebaut, um noch mal was Spannung zu haben. „Oh, wir müssen ja noch irgendwie Antonio einbauen. Hm, wie machen wir das am besten? Oh, eine Entführung klingt gut!“

Auf Twitter merkten einige Teilnehmer des #bbfliest an, dass nur aus Maxims Sicht in der Ich-Form erzählt wird, während Alessia als Sie-Erzählerin auftritt. Perspektivenwechsel ist in vielen Romanen dieser Art üblich. Meistens gibt es dann für jeden Perspektivenwechsel ein neues Kapitel, das mit dem Namen des Charakters betitelt ist. Bei „The Mister“ ist das anders. Hier erfolgt ein Perspektivenwechsel mit einem neuen Absatz und ist nicht gekennzeichnet. Das kann schnell zu Verwirrungen führen. Allerdings habe ich mich schnell zurecht finden können. Denn Maxims Gedanken unterscheiden sich einfach zu sehr von Alessias. Schließlich denkt er, wie schon erwähnt, wirklich in den unpassendsten Momenten an Sex!

Nervig fand ich auch, dass so viel wiederholt wird. Arbeitsabläufe beim Putzen zum Beispiel. Wie Alessia ihren häßlichen Kittel anzieht und ihre Schuhe wechselt. Dass sie kein Geld für Socken hat. Dinge, die zum größten Teil völlig belanglos sind

Vorhersehbar ist das Buch deshalb, weil schon sehr früh klar wird, dass Maxim sich in seine Putzfrau verliebt und sie sich natürlich auch in ihn und dass sie zusammenkommen werden, es aber Hindernisse gibt und er sie am Ende heiraten will. Nicht vorhergesehen habe ich jedoch noch diese Entführungsszene gegen Ende und die Fahrt (im Kofferraum) über die Grenze. Und das Tontauben-Schieß-Date. Sehr ähm … romantisch.

Um auch mal was Positives zu erwähnen: habe ich schon erwähnt, dass das Buch in London spielt? Außerdem „versteckt“ Maxim Alessia in einem seiner Anwesen in Cornwall. Ich war zwar noch nie in Cornwall, aber ich möchte da unbedingt mal hin.

weitere Rezensionen zum Buch

deutschsprachig: lesenswerter Artikel im Spiegel, Laura von Eden, Monis Zeitreise (#bbfliest-Teilnehmerin), Magische Bücherwelt, Giirl with the Book, Enchanted Books, Bücherfanseite, I Am Jane (#bbfliest-Teilnehmerin)

englischsprachig: Harlequinjunkie, The Spinoff, The Atlantic, What’s in my wonderland, Chatelaine,

Zum Schluss habe ich hier noch ein Zitat aus dem Guardian, welches das Buch ganz gut zusammen fasst:

It also has more red flags than a communist parade. There is a complete dearth of emotional maturity that is genuinely unsettling. After learning Alessia was trafficked, Trevelyan thinks, “I still want her and don’t my blue balls know it.” Nor has James lost her retrograde approach to gender and sex. Alessia remains so offensively dainty that, after days of nonstop bonking, she squirms at the idea of performing one lousy handjob. And there is an erratic veering between sexual bravado and flowery schmaltz that only serves to confuse the two. Trevelyan goes from referring to one woman as “some nameless fuck”, to dreaming about “bedding” Alessia within a few pages.

Sian Cain in ihrer Rezension für The Guardian